viel|seitig 6, Schulbuch

58 VIEL | SEITIG 6 Schreibauftrag: Verfasse eine Erörterung. Thema: Internetchallenges Lies den Bericht „Vor neuen Herausforderungen“ (Textbeilage), geschrieben von Christian Helten und erschienen in der Tageszeitung Süddeutsche Zeitung am 9. August 2019. Verfasse nun eine Erörterung und bearbeite dabei die folgenden Arbeitsaufträge: • Beschreibe den im Text dargestellten Trend der Internetchallenges. • Erschließe die mögliche Faszination sowie die Problematik in Bezug auf diese „Mutproben“ im Netz. • Bewerte mögliche Konsequenzen dieser Wettkämpfe. Schreibe zwischen 405 und 495 Wörter. Markiere Absätze mittels Leerzeilen. Textbeilage Vor neuen Herausforderungen Immer wieder geistern neue „Challenges“ durchs Netz. Sie bringen Menschen dazu, die seltsamsten Dinge zu tun. Manchmal ist das lustig, oft hat es aber auch ernste Konsequenzen. Von Christian Helten | 09.08.2019 An einem Samstag Anfang Juli landete Lenise Martin im Gemeindegefängnis von Assumption im US-Bundesstaat Louisiana, weil er an einem Eis geleckt hatte. Der Vorwurf: Sachbeschädigung und gesetzwidriges Veröffentlichen einer kriminellen Aktivität. „Eigentlich war es ein harmloser Witz“, sagt der 36-Jährige im Videochat ein paar Wochen später in breiten Südstaaten-Akzent, er schüttelt dabei den Kopf. Den Witz hatten vor ihm schon ein paar andere gemacht: Einen Eistopf im Supermarkt öffnen, lecken, den Topf zurückstellen – das ist die Ice Cream Challenge, die sich unter dem gleichnamigen Hashtag im Netz verbreitet hatte. Manche fanden die Leck-Streiche lustig, sehr viele aber verständlicherweise abstoßend. Die Eiscreme- Firma sprach empört von Heimtücke. Lenise Martin sagt, er habe das Eis gekauft, bevor er daran geleckt habe. Das gepostete Video sei gekürzt, damit man nicht sieht, dass er das Eis gar nicht wirklich zurückgestellt hat. Die Polizei interessierte das zunächst wenig. Sie sperrte Lenise Martin ein. Challenges bringen Menschen weltweit zum Lachen oder versetzen sie in Panik Challenges tauchen im Internet immer wieder auf, seit soziale Netzwerke ihren Siegeszug angetreten haben. Sie sind fester Bestandteil der Netzkultur, manchmal bleiben sie in Nischen, manchmal erregen sie weltweite Aufmerksamkeit, bringen Menschen zum Lachen oder versetzen sie in Panik. Die Ice Cream Challenge ist nur eine von vielen, die in den vergangenen Wochen durchs Netz geistern. Sie zeigt ziemlich gut, welche Mechanismen wirken, wenn Challenges sich viral verbreiten. Sie sind oft ziemlich absurd, wecken Emotionen, ermöglichen es Leuten, sich als Teil einer Gruppe zu definieren und sind leicht nachzuahmen. Und manchmal haben sie ernste Konsequenzen. Siehe Ice Cream Challenge: Eine angeschleckte Schachtel Eis zurück ins Supermarkt-Regal zu stellen, hat absolut keinen tieferen Sinn, die Handlung erzeugt gerade durch ihre Absurdität Aufmerksamkeit. Sie weckt Emotionen beim Zuschauer: Ekel und Empörung, beziehungsweise Schadenfreude und Lachen. Durch den Zusatz „Challenge“ im Hashtag wird klar: Nachahmung erwünscht. Dass sie trotz ihrer vermeintlichen Harmlosigkeit ernste Konsequenzen haben kann, spürte Lenise Martin spätestens im Gefängnis. Wenn man wissen will, wie sich das Phänomen der Challenges entwickelt hat, findet man bei Google-Trends Hinweise. Dort kann man sehen, A 23 Vorreiter der Challenges: kreatives Planking 1 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

RkJQdWJsaXNoZXIy MjU2NDQ5MQ==