59 2 SCHRIFTLICHE KOMPETENZ 1 MÜNDLICHE KOMPETENZ 3 TEXTKOMPETENZ 4 LITERARISCHE BILDUNG 6 SPRACHLABOR 5 MEDIALE BILDUNG VIEL | SEITIG 6 wie häufig der Begriff „Challenge“ gegoogelt wurde. [Anm.: siehe Abbildung Seite 60] Die meisten Challenges sind kurzlebige Angelegenheiten: Sie ploppen auf, das Interesse steigt rasant an, verliert sich meist aber auch schnell wieder. Ausnahme: Challenges, bei denen Leute mit entsprechenden Hashtags versehene Sportbilder posten, um sich und andere zu motivieren, zum Beispiel 30 Tage lang jeden Tag Kniebeugen oder Sit-ups zu machen. Auch hier steigt das Interesse zwar plötzlich stark an. Aber diese Challenges verschwinden nicht für immer in der Versenkung, sondern werden zuverlässig im Gute-Vorsätze-Monat Januar wieder in die Suchmaske gehackt. Welche Challenge die erste war, lässt sich kaum sagen – wie so oft bei größeren Social-Media- Phänomenen, die zunächst mit unterschiedlichen Namen bezeichnet und mit anderen Teilen der Netzkultur kombiniert werden. Im Sommer 2009 wurde ein Vorläufer weltbekannt, der noch nicht mal das Wort „Challenge“ enthielt, aber nach dem gleichen Prinzip funktionierte. Beim Lying Down Game, auch Planking genannt, posteten immer mehr Menschen Fotos von sich bei Facebook, wie sie starr auf dem Bauch lagen – an möglichst ungewöhnlichen, meist öffentlichen Orten. Die Ice Bucket Challenge: 200 Millionen US-Dollar für einen guten Zweck In den darauffolgenden Jahren wurden in den sozialen Netzen daran angelehnte Spiele populärer, bei denen man etwas tat – zum Beispiel ein Bier auf Ex austrinken – sich dabei filmte und Freunde „nominierte“, es einem gleichzutun. Mit Abstand die größte Verbreitung unter diesen Spielen erreichte die Ice Bucket Challenge, die deshalb vielleicht als der Durchbruch der Challenges gelten kann. Der Auslöser war ein Video des US-Golfprofis Chris Kennedy. In den Monaten nach seiner Veröffentlichung wurden weltweit mehr als 17 Millionen Videos allein auf Facebook gepostet, auf denen Menschen dabei zu sehen waren, wie sie sich Eimer mit Eiswasser über den Kopf schütteten oder schütten ließen. Der Nachbar tat es, der alte Schulfreund tat es, Lena Mayer Landrut, George W. Bush und Heidi Klum taten es. Die Challenge war so erfolgreich, weil sie – im Gegensatz zu vielen anderen – einen guten Zweck erfüllen sollte: auf die unheilbare Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) aufmerksam zu machen und Spenden für eine Hilfsorganisation zu generieren. Der Golfer Chris Kennedy hatte ursprünglich einem erkrankten Familienmitglied helfen wollen – und erreichte weit mehr: Die ALS Association nahm nach eigenen Angaben durch die Challenge 200 Millionen US-Dollar ein. Noch heute prangt auf der Webseite der Organisation ganz oben ein Bild von Menschen, denen gerade ein Eimer Wasser über den Kopf geschüttet wird. Am 15. Juli 2019 feierten sie den fünften Jahrestag des Challenge-Beginns mit einem Treffen in Boston. Der gute Zweck gab der Ice Bucket Challenge ein Element, das die Menschen verband. Und das ist ja oft der Motor des Erfolgs auf Social Media, wenn nicht sogar das wichtigste Grundprinzip sozialer Netzwerke: Man definiert sich durch seine Posts, Likes und Kommentare als zugehörig zu einer Gruppe, grenzt sich dadurch auch von anderen ab. […] Was in vielen Fällen lustig ist, kann auch zur Gefahr werden: Wo eine Mutprobe immer weiter gesteigert wird, bleiben Unfälle nicht aus. Wo der Gruppenzwang Jugendliche dazu bringt, einem vermeintlichen Ideal nachzueifern, kommt es zu Selbstverletzungen. 2014 begossen bei der Fire Challenge junge Männer ihre Oberkörper mit Alkohol und zündeten ihn an. Manche landeten mit Verbrennungen im Krankenhaus. Ein Jahr darauf versuchten junge Frauen bei der Kylie Jenner Challenge, die vollen Kussmund-Lippen ihres Idols möglichst originalgetreu nachzuahmen, 60 65 70 75 80 85 90 95 100 105 110 115 120 125 130 135 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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