68 VIEL | SEITIG 6 Tipp • Auf Windows-Geräten kannst du das Emoji-Menü über die Kombination Windows-Taste + Punkt-Taste aufrufen. • Bei Apples Mac-Produkten müssen in einem Texteingabefeld CTRL + CMD + Leertaste gleichzeitig gedrückt werden. • Andernfalls können Emojis von einer Internetseite kopiert werden (beispielsweise: Emojikopieren.de – Emojis zum Kopieren und Einfügen) a) Textausschnitt 1 An diesem Abend legte ich mich etwas früher hin. Ich zog mir Boxershorts und ein T-Shirt an und kroch in mein Bett, das breit und voll mit Kissen war und einer meiner Lieblingsorte auf der Welt. Und dann begann ich, zum millionsten Mal Ein herrschaftliches Leiden zu lesen. In Ein herrschaftliches Leiden ging es um ein Mädchen namens Anna (die Erzählerin der Geschichte) und ihre einäugige Mutter, die Gärtnerin von Beruf ist und eine Schwäche für Tulpen hat, und um das ganz normale Leben der unteren Mittelschicht in einer kalifornischen Kleinstadt, das die beiden führen bis zu dem Tag, als Anna eine seltene Form von Blutkrebs bekommt. Aber es ist kein Krebsbuch, denn Krebsbücher sind doof. In Krebsbüchern gründen die Krebshelden zum Beispiel immer irgendeine Wohltätigkeitsorganisation, um Geld für die Krebsforschung zu sammeln. Und das Engagement führt dem Krebshelden die eigentliche Güte der Menschen vor Augen, und er oder sie fühlt sich geliebt und gebraucht, weil er oder sie der Welt etwas hinterlässt, was irgendwann Krebs heilen wird. Doch in EhL findet Anna, dass es ziemlich selbstbezogen ist, als Krebspatient eine Krebsorganisation zu gründen, und deshalb gründet sie eine Einrichtung mit dem Namen Anna-Stiftung der Krebspatienten gegen die Cholera. Außerdem ist Anna ehrlich, und zwar auf eine Art, wie es sonst niemand ist. Sich selbst bezeichnet sie im ganzen Buch als Nebenwirkung, was total stimmt. Krebskinder sind die Nebenwirkung der unermüdlichen Mutation, die die Vielfalt des Lebens auf der Erde ermöglicht. Im Verlauf der Geschichte wird sie immer kränker, Therapien und Krankheit liegen im Wettstreit, wer sie zuerst umbringt, und ihre Mutter verliebt sich einen holländischen Tulpenhändler, den Anna den Tulpenholländer nennt. Green, John (2017): Das Schicksal ist ein mieser Verräter. München: dtv, S. 57f. b) Textausschnitt 2 Jetzt schaut sie hoch, über die Dächer, und fragt sich, ob der Schatten sie nach all der Zeit immer noch beobachtet. Obwohl es so lange her ist. Obwohl er ihr einmal sagte, dass er nicht jedes Leben verfolgte, weil die Welt so groß sei und voller Seelen und er Besseres zu tun habe, als ständig an sie zu denken. Die Dachtür schlägt hinter ihr auf, und eine Handvoll Leute stolpern hindurch. Zwei Jungs. Zwei Mädchen. Und Sam. Sie trägt einen weißen Pullover und blassgraue Jeans, ihr Körper wie ein Pinselstrich, lang und schlank und hell vor dem Hintergrund des dunklen Daches. Ihre Haare sind jetzt länger, wilde blonde Locken, die aus einem unordentlichen Knoten herausgerutscht sind. An ihren Unterarmen kleben rote Farbstriche, wo die Ärmel hochgeschoben sind, und Addie fragt sich unwillkürlich, woran sie wohl gerade arbeitet. Sie ist Malerin. Hauptsächlich abstrakte Kunst. Ihr ohnehin schon kleines Apartment noch kleiner gemacht von den zahlreichen Leinwänden, die an den Wänden lehnen. Ihr Name, klar und einfach, nur Samantha auf ihren fertigen Werken oder mitten in der Nacht mit dem Finger auf einen Rücken geschrieben. Die anderen vier gehen lärmend über das Dach, einer der Jungs erzählt gerade eine Geschichte, 1 5 10 15 20 25 30 35 40 1 5 10 15 20 25 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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