viel|seitig 6, Schulbuch

70 VIEL | SEITIG 6 2d Autobiographisches Schreiben: Innerer Monolog Sieh dir das Erklärvideo zum inneren Monolog aufmerksam an und filtere die wichtigsten Kriterien dieser Textsorte heraus. Kreuze an, ob die untenstehenden Aussagen richtig oder falsch sind. richtig falsch a) Der innere Monolog wird in der Ich-Form (1. Person Sg.) verfasst. b) Innere Monologe werden immer aus der Sicht einer literarischen Figur verfasst. c) Innere Monologe sind sachlich zu verfassen. d) Gefühle und Gedanken sollen möglichst genau beschrieben und ausgesprochen werden. e) Gedankensprünge und unvollständige Sätze sind erlaubt und machen den inneren Monolog authentisch. f) Die Gliederung eines inneren Monologs ist besonders wichtig. Der innere Monolog Bei der Textsorte innerer Monolog handelt es sich um eine besondere Form der Ich-Erzählung. Man bekommt darin Einblick in die innersten Gedanken und Emotionen der Erzählfigur. Beim Lesen eines inneren Monologs ist es so, als würdest du im Kopf der Figur sitzen und die Welt durch ihre Augen wahrnehmen, gleichzeitig werden Gedanken ausgesprochen und Gefühle thematisiert. Es handelt sich somit um eine Erzählsituation mit direkter Rede, die sich in der Gedankenwelt der Erzählfigur abspielt. Dies wird als direkte Gedankenwiedergabe bezeichnet. Als der „berühmteste innere Monolog“ wird immer wieder Arthur Schnitzlers Novelle Leutnant Gustl35 genannt. Es handelt sich dabei um eines der bekanntesten Werke des österreichischen Schriftstellers, das bei seiner Erscheinung – vor allem in Militärkreisen – für Aufsehen gesorgt hat. Diese Novelle36 gilt außerdem als das erste Werk der deutschsprachigen Literatur, das rein als innerer Monolog verfasst ist. Schnitzler thematisiert und kritisiert darin gesellschaftspolitische Themen. Inhaltlich gibt die Novelle die Gedankenwelt eines jungen Leutnants wieder, der dem Militär der K.-u.-k.-Monarchie37 dient. Während eines Konzertbesuchs schweifen seine Gedanken immer wieder ab. Beim Hinausgehen gerät er dann in einen Konflikt mit einem Bäckermeister und wird von diesem beschimpft, woraufhin Gustl annimmt, Selbstmord begehen zu müssen, um die eigene Ehre wieder herzustellen. Gedemütigt kann er dann auf seinem Weg durch das nächtliche Wien begleitet werden. Der emotionale Nachtspaziergang endet schließlich damit, dass der junge Leutnant bei seinem Frühstück in einem Wiener Kaffeehaus aus der Zeitung erfährt, dass der Bäckermeister in der Nacht einem Herzinfarkt erlegen ist – somit kann Gustl weiterleben, da niemand von dem demütigenden Ereignis erfahren wird. A 30 35 Originaltitel: Lieutenant Gustl; Esrtveröffentlichung: 1900 36 Erzählung von kürzerer oder mittlerer Länge 37 Abkürzung für kaiserliche und königliche Monarchie, beschreibt die Österreichisch- Ungarische Monarchie ab 1867 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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