viel|seitig 6, Schulbuch

77 2 SCHRIFTLICHE KOMPETENZ 1 MÜNDLICHE KOMPETENZ 3 TEXTKOMPETENZ 4 LITERARISCHE BILDUNG 6 SPRACHLABOR 5 MEDIALE BILDUNG VIEL | SEITIG 6 Er schwieg, sprach nur noch mit sich selbst, grüßte nicht einmal mehr. Bichsel, Peter: Ein Tisch ist ein Tisch. In: Middelhauve, Gertraud (Hrsg., 1969): Dichter erzählen Kindern. München: dtv, S. 21–30 (alte Rechtschreibung). e) Fasst den Inhalt der Kurzgeschichte in maximal zehn Sätzen zu zweit zusammen. Verwendet dabei das Präsens. f) Diskutiert in der Klasse, warum das Umbenennen der Dinge für den Mann so schreckliche Konsequenzen hatte. Findet Möglichkeiten, wie er sich aus dieser Situation wieder hätte befreien können. Findet euch in Gruppen zu drei Personen zusammen. Gemeinsam sollt ihr folgende Szene nachspielen: Am Morgen in der überfüllten U-Bahn/im Zug/im Autobus erscheint eine Fahrscheinkontrolleurin/ein Fahrscheinkontrolleur. Ihr vereinbart vorab, die Namen von fünf Dingen zu vertauschen, die ihr im Gespräch mit der Kontrolleurin/dem Kontrolleur verwendet. Diese/ Dieser weiß natürlich nichts davon. a) Verfasst eine kurze Theaterszene zu der vorgegebenen Situation. Es gibt folgende Figuren: Schülerin/Schüler A – Schülerin/Schüler B – Kontrolleurin/Kontrolleur. b) Spielt einige der in der Klasse entstandenen Szenen einander vor und gebt dazu Feedback. Dem Kind einen Namen geben oder wie Dinge zu ihren Bezeichnungen kommen Bereits im antiken Griechenland bestand ein Streit darüber, wie das Verhältnis von Dingen und ihren Namen sei. Haben die Dinge nur irgendwelche Bezeichnungen oder haben sie den jeweils richtigen Namen? Der griechische Philosoph Platon diskutiert diese Frage im 4. Jh. v. Chr. in einem philosophischen Streitgespräch, an dem drei Personen beteiligt sind: sein Lehrer Sokrates, der Philosoph Kratylos und dessen Freund Hermogenes. Während Kratylos die These vertritt, dass alle Dinge den richtigen Namen hätten und man daher nur die Bezeichnung eines Dinges kennen müsste, um die Sache selbst zu verstehen (Physei-These), meint Hermogenes, dass man das so nicht behaupten könne. Er ist der Ansicht, dass sich die Menschen einfach irgendwann auf die Bezeichnungen für die Dinge geeinigt hätten (Thesei-These). Es wäre daher nicht möglich, von den Namen der Dinge auf ihr Wesen zu schließen. Die moderne Sprachwissenschaft hat im Wesentlichen die Position Hermogenes’ bestätigt. Einer ihrer wichtigsten Vertreter war der Schweizer Linguist Ferdinand de Saussure (1857–1913), der als Begründer der sprachlichen Zeichentheorie gilt. Für ihn besteht Sprache aus Zeichen, die eine materielle und eine immaterielle Seite haben. Die materielle Seite sind die Laute, die bei der Aussprache eines Wortes gehört werden und die immaterielle Seite steht für die Bedeutungen, die beim Hören damit assoziiert werden. Wenn also jemand „Baum“ sagt, dann können wir uns einen Baum vorstellen, wenn wir das Wort hören. Wie dieser Baum aber genau aussieht, das hängt davon ab, welche Bäume wir in unserem Leben schon gesehen haben, oder welchen Baum wir uns gerade in diesem Moment vorstellen möchten. Dennoch A 3 Inhalt Ausdruck Baum [ ] Baum als Vorstellung und als Lautbild – sprachliche Zeichentheorie nach Ferdinand de Sausssure Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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