viel|seitig 6, Schulbuch

107 2 SCHRIFTLICHE KOMPETENZ 1 MÜNDLICHE KOMPETENZ 3 TEXTKOMPETENZ 4 LITERARISCHE BILDUNG 6 SPRACHLABOR 5 MEDIALE BILDUNG VIEL | SEITIG 6 Eine feministische Utopie – eine Stadt nur für Frauen Ganz in deiner Nähe wird eine neue Stadt gebaut, die von einer massiven Mauer umschlossen wird. Alle Tore zu dieser Stadt sind versperrt und es wird streng kontrolliert, wer eintreten darf. Ausschließlich die herausragendsten Frauen der Geschichte dürfen beim Stadttor um Einlass bitten. a) Sammle zunächst für dich möglichst viele Namen von Frauen aus der Geschichte, deren Taten du besonders beachtenswert findest. b) Erstellt mit allen Frauen, die ihr gesammelt habt, eine gemeinsame Übersicht (z.B. Canva, Padlet, Miro etc.) in der Klasse, die ihr später abrufen könnt. c) Wähle eine weibliche Persönlichkeit aus. Recherchiere und notiere ihre Lebensdaten und -umstände sowie ihre besondere(n) Tat(en) und Eigenschaften. d) Formuliere mit dem Wissen über die gewählte Person eine einminütige Rede, in der du aus ihrer Sicht um Einlass in die Stadt bittest. In dieser Einlassrede müssen die besonderen Taten der Frau erklärt werden, aufgrund derer sie sich als Bewohnerin der Stadt eignet. e) Trage deine Rede der Klasse vor. Diskutiert danach (mithilfe der Übersicht), welche Frauen Einlass in diese besondere Stadt erhalten sollen. Tipp Es gibt keine Obergrenze an Frauen, die eingelassen werden – dennoch könnt ihr zu jeder Frau diskutieren, ob sie sich als Bewohnerin der Stadt eignet oder nicht. Geschichtsschreibung aus weiblicher Sicht Das Buch von der Stadt der Frauen Eine der ersten professionellen Schriftstellerinnen des Spätmittelalters, Christine de Pizan, stellt bereits 1404/05 in ihrem Werk Le Libre de la Cité des Dames (deutsch: Das Buch von der Stadt der Frauen) die Frage, welche Persönlichkeiten in einer Frauenstadt Einlass finden sollten. In drei „Bauabschnitten“ wird eine fiktive literarische Stadt erstellt, die als Zufluchtsort für alle tüchtigen und edlen Frauen dienen soll. Somit erschafft die Autorin ein Archiv über die Leistungen von Frauen der Menschheits- und Kulturgeschichte. Es handelt sich um eines der ersten feministischen Werke Europas. Mit ihrem Werk geht sie unter anderem gegen die zahlreichen Hassreden über Frauen vor, die im Mittelalter kursieren. Christine de Pizan spiegelt nicht das typische Frauenideal des Mittelalters wider: Als Frau muss sie sich nach dem Tod ihres Mannes finanziell um die Familie kümmern. Da sie lesen und schreiben kann, wird sie zunächst als Kopistin12 tätig. Später beginnt sie selbst zu schreiben und – für die damalige Zeit besonders auffällig – ist selbst für die Herstellung und den Vertrieb ihrer Werke verantwortlich. A 13 S. 30 12 Sie schreibt fremde Texte ab. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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