viel|seitig 6, Schulbuch

122 VIEL | SEITIG 6 b) Vergleiche deine Antworten mit deiner Sitznachbarin oder deinem Sitznachbarn. c) Einigt euch in der Klasse auf drei Regeln, die euch besonders wichtig erscheinen. d) Überprüfe, ob diese drei Regeln in der Anwendung funktionieren. • Verfasse selbst ein Gedicht, das die drei Regeln genau befolgt. • Beauftrage eine KI, ein Gedicht für dich zu verfassen. Gib dabei die drei Regeln vor. Achtung: Kontrolliere im Anschluss kritisch, ob die Regeln von der KI befolgt wurden. • Bonusaufgabe: Finde ein Gedicht, das die drei Regeln befolgt. Martin Opitz' Regelwerk Durch Martin Opitz und sein Werk Das Buch von der Deutschen Poeterey (1624) wurde die deutsche Dichtkunst einem strengen Regelwerk unterworfen. Martin Opitz sprach sich dafür aus, dass die Dichtkunst sich der hochdeutschen Sprache bedienen sollte. Fremdwörter sollten vermieden werden. Außerdem stellte er Muster für Reimschema, Versmaß und Form – insbesondere für das Sonett, die damals beliebteste Gedichtform – auf. Durch das Regelwerk wollte Martin Opitz zeigen, dass Dichtkunst erlernbar sei. Reimschemata: • Paarreim: aabb • Kreuzreim: abab • Umarmender Reim: abba • Haufenreim: aaaa • Schweifreim: aabccb Strophenformen: • Monostichon: Einzeiler • Distichon: Zweizeiler • Terzett: Dreizeiler • Quartett: Vierzeiler Versmaß/Metrum: Das Metrum ist das rhythmische Muster eines Verses. Es besteht aus einer Abfolge von betonten (x´) und unbetonten (x) Silben. • Jambus (xx´): Eine unbetonte Silbe gefolgt von einer betonten Silbe (z. B.: „ver-gnügt“). • Trochäus (x´x): Eine betonte Silbe gefolgt von einer unbetonten Silbe (z. B.: „Freu-de“). • Anapäst (xxx´): Zwei unbetonte Silben gefolgt von einer betonten Silbe (z. B.: „Pa-ra-dies“). • Daktylus (x´xx): Eine betonte Silbe gefolgt von zwei unbetonten Silben (z. B.: „Him-mel-reich“). Besonders wichtig für die Dichtkunst ist laut Martin Opitz der Alexandriner. Merkenswertes Der Alexandriner ist ein besonderes Vermaß im Jambus. Der Vers besteht aus 12 oder 13 Silben. In der Mitte – meist nach der sechsten Silbe – hat der Alexandriner eine Zäsur (|)19. Vers: Ein Ball des falschen Glücks | ein Irrlicht diser Zeit. Silben einzeichnen: Ein/Ball/des/fal/schen/Glücks | ein/Irr/licht/di/ser/Zeit. = 12 Silben Betonung: x / x´ / x / x´ / x / x´ | x / x´ / x / x´ / x / x´ . Gryphius, Andreas: Menschliches Elende. In: Meid, Volker (Hrsg., 2014): Gedichte des Barock. Stuttgart: Reclam, S. 123–124. 19 deutliche Pause Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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