viel|seitig 6, Schulbuch

132 VIEL | SEITIG 6 d) Satzanfang 4 Es war ein strahlend kalter Tag im April, und die Uhren schlugen dreizehn. Winston Smith, sein Kinn an die Brust gedrückt, um dem scheußlichen Wind zu entkommen, schlüpfte schnell durch die Glastüren des Victory-Wohnblocks, wenn auch nicht schnell genug, um zu verhindern, dass ein sandiger Staubwirbel mit ihm hereinkam. Orwell, George (2021): 1984. Hamburg: Nikol, S. 4. Frau (T) Mann (D) e) Notiere das Lösungswort: f) Begründe, wie du zum Urteil darüber kommst, ob ein Textausschnitt von einer Frau oder einem Mann verfasst wurde. g) Definiere die Begriffe Frauenliteratur und Männerliteratur und erläutere mögliche Unterschiede. Frauenliteratur vs. Männerliteratur Der erste Begriff (Frauenliteratur) ist gebräuchlich, der zweite (Männerliteratur) nicht. Warum ist das so? Zunächst einmal: Viele Frauen, deren Werke als „Frauenliteratur“ – meist im Verständnis von Literatur von Frauen für Frauen – bezeichnet werden, wehren sich explizit gegen diesen Begriff. Denn oft trägt er einen abwertenden Beigeschmack. Frauenliteratur impliziert24, dass diese Werke weniger Qualität hätten als jene, die von Männern geschrieben werden. Thematisch würden sie nur einen Teil der Leserschaft interessieren, nämlich Frauen. Das mag mitunter der Grund sein, weshalb sich der Begriff Männerliteratur nicht durchsetzt. Das literarische Schaffen von Männern wurde in den vergangenen Jahrhunderten kompetenter eingeschätzt als jenes von Frauen. Frauen produzieren also nicht weniger Literatur als Männer, sondern werden trotz der Quantität25 nicht gleich stark wahrgenommen. Auch heutzutage greifen viele Menschen (teils unbewusst) eher zu Literatur von Männern. Dieses Phänomen ist im Fachbuchbereich sogar noch ausgeprägter und liegt unter anderem daran, dass Werke von Männern häufig besser beworben werden. Generell war (und ist) es für Frauen kein leichtes Unterfangen, als fähige Schriftstellerinnen wahrgenommen zu werden. Für sie galt es zudem lange Zeit als unschicklich, selbst zu schreiben. Bis ins 20. Jahrhundert war die Schriftstellerei kein akzeptabler Beruf für Frauen. Dieses Foto von Literaturwissenschaftler Tillmann Severin erreichte viel Aufmerksamkeit. Er drehte alle Bücher in seinem Bücherregal, die von Autoren stammen, um. Das Ergebnis war ein fast ausschließlich weißes Regal. Er teilte das Foto auf Social Media und beschloss, fortan nur noch Bücher von Autorinnen zu lesen. Seine Erkenntnisse teilt er auf dem Blog „My white male bookshelf“. 1 5 24 mitbedeutet 25 Menge A 53 My white male bookshelf © Tillmann Severin Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

RkJQdWJsaXNoZXIy MTA2NTcyMQ==