196 VIEL | SEITIG 6 Epoche: Reformation und Humanismus Epochenmerkmale Motive • Persönlichkeit und Entwicklung des Individuums • Freiheit des Menschen • Verwechslungen • Außenseitertum • Geldgier/Geiz • Vorstellung eines verlorenen, glücklichen Urzustandes der Menschheit; „Goldenes Zeitalter“ • Hahnrei4 Sprache/Stil • teils einfache, volkstümliche, manchmal auch derbe und grobe Sprache • Knittelvers5 • Ironie und Satire zum Zweck der Belehrung • Latein als Sprache der Gelehrten (Rückbesinnung auf die römische Antike) • Entwicklung der deutschen Standardsprache wird vorangetrieben (insbesondere durch Übersetzungen bzw. Martin Luthers Bibelübersetzung) Hauptthemen • humoristische Darstellung von negativen menschlichen Eigenschaften (z. B. Eitelkeit, Gier etc.) • Kritik an Kirche, Ständeklausel und sozialen Missständen • Betonung von Bildung und Wissen • Darstellung von Einzelschicksalen • Stoffe aus der Antike • Politik • moralische Dilemmata • pädagogische Fragestellungen • Verhaltensempfehlungen (z.B. Verhalten bei Tisch) • Eheprobleme (z. B. Untreue) • Abenteuer • biblische Inhalte • zwischenmenschliche Konflikte Textsorten • Kirchenlieder und Predigten • Fastnachtsspiele • Fabeln • Schwank • Volksbücher und -lieder • Tischgespräche • Humanistendrama • Schuldrama • Narrenliteratur • Meistersang • Flug-, Kampf- und Streitschriften Figuren • stereotype Figuren wie z. B. betrunkener Ehemann, betrügerischer Kaufmann etc. • Universalgelehrter • Frauen und Männer hohen Standes • einfältiger Bauer • Narr • der/die Gierige/Geizige • personifizierter Tod • allegorische Figuren (z. B. Tugend als Person) • Bettlerinnen und Bettler Konflikte • Gründung der Städte führt zu Konfliktpotenzial zwischen sozialen Schichten • Widersprüche zwischen Kirche und Wissenschaften • 1509-1520: „Judenbücherstreit“; Johannes Pfefferkorn, der vom Judentum zum Christentum konvertierte, fordert die Verbrennung zahlreicher jüdischer Schriften. Johannes Reuchlin wird von Kaiser Maximilian I. um ein Gutachten gebeten und spricht sich vehement dagegen aus. Der entstehende Konflikt fördert die Frage nach allgemeiner Glaubensfreiheit und Religionstoleranz. Die mittelalterliche Scholastik steht in diesem Streit dem Menschen- und Weltbild des Humanismus gegenüber. 4 Mann, der von seiner Frau betrogen wird 5 Versform mit Paarreimen; die Längen und Betonungen sind frei, wodurch der Knittelvers „holprig“ wirkt und so für die derb-komischen Texte des Humanismus besonders passend erscheint Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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