32 VIEL | SEITIG 6 2a Die Maturatextsorten planen, schreiben und überarbeiten DEINE MEINUNG IST GEFRAGT: DER KOMMENTAR „Wer nichts zu sagen hat, soll keine Kommentare schreiben." Rudolf Augstein (1923–2002), deutscher Journalist und ehemaliger Spiegel-Herausgeber Lies dir den Kommentar aufmerksam durch und notiere dir mögliche Eigenschaften und Besonderheiten dieser Textsorte. Du kannst diese direkt im Text markieren. Halte fest, was diese Textsorte ausmacht. Textbeilage Tieren keinen Namen zu geben, wird sie nicht retten1 [Der] Umgang mit Tieren ist von Widersprüchen geprägt. Das zeigt auch das neue Konzept des Schönbrunner Tiergartens Kommentar | von Muzayen Al-Youssef | 13.06.2023 Der Tiergarten Schönbrunn will seinen Tieren keine Namen mehr geben. Statt Finjas, Artos’ und Nonjas gibt es im Zoo künftig nur noch Eisbären, Mähnenrobben und Orang-Utans. Die Begründung: Der Tiergarten will sich modernisieren. Er will raus aus dem veralteten Konzept, einzelne Individuen zur Schau zu stellen, und stattdessen den Erhalt einer ganzen Population in den Vordergrund stellen. Das ist ein löbliches Ziel. Doch gleichzeitig offenbart es einen Widerspruch, der inhärent2 in der Idee von Zoos steckt – und der sich kaum auflösen lässt: Zoos sperren wilde Tiere ein, trennen sie von ihrem natürlichen Lebensraum, um sie dann zur Belustigung von Menschen öffentlich zur Schau zu stellen. Die Abschaffung von Tiernamen wird an dieser Diskrepanz3 wenig ändern. Das soll nicht heißen, dass Zoos nur schlecht sind. Sie können gerade für Kinder eine lehrreiche Erfahrung sein, die einen Bezug zu den Tieren schafft und Sorge um ihr Schicksal bereitet. Nur: Ist die Abschaffung ihrer Namen dann nicht kontraproduktiv4? Wird uns der Tierschutz wirklich wichtiger sein, wenn wir aufhören, die Tiere zu personalisieren? Es stimmt, dass Tiere keine Menschen sind. Ein Name vermenschlicht sie. Doch gerade diese Vermenschlichung ist das, was Tiere schützt. Das Schicksal der Tiere, die wir essen, ist uns hingegen egal. Die moderne Massentierhaltung nehmen wir hin. Wenn wir ein Schnitzel im Wirtshaus bestellen, ist es zumeist nachrangig, A 2 1 Letztendlich ist die öffentliche Diskussion zu diesem Thema so groß gewesen, dass der Tiergarten Schönbrunn das Benennen der Tiere beibehalten hat. Der Schönbrunner Zoo stellt um: Künftig sollen Tiere keine Namen mehr bekommen. GEORG HOCHMUTH/APA/ picturedesk.com 1 5 10 2 einer Sache innewohnend, zu einer Sache gehörend 15 3 Nichtübereinstimmung, Uneinigkeit 20 25 4 hindernd/ störend, nicht dem Zweck dienlich 30 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
RkJQdWJsaXNoZXIy MTA2NTcyMQ==