62 VIEL | SEITIG 6 Wie der Stundenplan der Zukunft aussehen könnte Wie viel Sport, Klimawandel, Glück und Programmieren gehören in die Klassenzimmer? Ein fiktiver Stundenplan mit Unterrichtsfächern, die Experten für die Zukunft diskutieren. Von Jakob Pallinger, Philip Pramer, Fabian Sommavilla | 24.02.2021 Die Schule sollte kein Ort sein, an dem Lehrer und Lehrerinnen mit alten Büchern altes Wissen vor teilnahmslosen Schülern und Schülerinnen rezitieren. Sie sollte immer auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse und gesellschaftliche Entwicklungen eingehen und diese im Unterricht behandeln – das sagen nicht wenige Bildungsexperten. Dafür brauchen wir mehr Zeit, Personal und Ressourcen, entgegnen Lehrkräfte. Das Klassenzimmer befand sich schon immer im Spannungsfeld von Expertenmeinungen, Alltagserfahrungen von Lehrern und Lehrerinnen, Vorstellungen der Eltern, mehr oder weniger reformgetriebenen Bildungsministern kurzum: von grundsätzlich fast allen. Kein Wunder: Immerhin sehen die meisten in den Schulen den Schlüssel für ein gelungenes Bildungssystem. Es ist der Ort, an dem Freundschaften, Karrieren und Persönlichkeiten geschmiedet, Reflexion, Mitgefühl und Wissen für die Zukunft und über die Welt gelernt werden sollen. Alle wollen mitreden Aber was bringt die Zukunft? Und was zählt in der Welt? Reichen Mathe, Physik, Deutsch, Geschichte und Geografie noch aus, um Kinder auf ihr späteres Leben vorzubereiten? Brauchen wir mehr Sportunterricht, ein Fach zum Klimawandel, zu Glück oder über das Programmieren? Sollten Schüler und Schülerinnen am Morgen länger schlafen, damit sie im Unterricht fitter sind? Beim Thema Schule wollen jedenfalls alle mitreden: Der Bauernbund forderte schon Ernährung als Schulfach, Ökonomen Ökonomie und die Arbeiterkammer Konsumentenschutz. Steigt in der Gesellschaft die Zahl der übergewichtigen Menschen, werden Fächer wie Sport und Ernährung angepriesen, gibt es zu viele Burn-outs, boomt der Glücksunterricht, kommt es zu einer Finanzkrise, soll der Wirtschaftsunterricht ausgebaut werden. Hätten Schüler und Schülerinnen bei all den Fächern noch Freizeit? Oder müssten wir dann andere Fächer kürzen? Vielleicht ist das Konzept des strikten Stundenplans an sich schon überholt, wie es das finnische System vorschlägt, und wir sollten die Trennung einzelner Fächer künftig nicht mehr so ernst nehmen? Im phänomenbasierten Lernen hätten auch Themen wie Klimawandel, Glück und Gerechtigkeit Platz. Und die Kinder hätten abseits der Schule auch noch ein wenig Freizeit übrig. Die ewige Forderung nach mehr Bewegung Sportlehrerinnen und Sportlehrer blicken meist mit großer Sorge in die Zukunft. Schon heute klagen viele dar über [sic!], dass sich Kinder in ihrer Freizeit trotz steigenden Angebots immer seltener bewegen und dann oft schon an den einfachsten sportmotorischen Tests scheitern. Die Gesundheitssysteme vieler Länder hoffen deshalb, mit sportlicher Frühprägung einige der teuren und gefährlichen Folgen des Bewegungsmangels abzufedern. Alleine schon deswegen fordern so gut wie alle Expertinnen und Experten, die Zahl der Sportunterrichtsstunden hochzuschrauben. Die Diskussion über die tägliche Turnstunde ist dabei ungefähr gleich alt wie viele der in die Jahre gekommenen Sportgeräte. […] 1 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65 70 Ist unser derzeitiger Stundenplan bereits überholt? Oder sollten wir das mit den spezifischen Fächern überhaupt weniger ernst nehmen? Foto: APA/dpa/Uwe Anspach Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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