Treffpunkt Deutsch 4 - Deutsch Sprachlehre, Arbeitsheft

2 Reportagen untersuchen und schreiben 1 Merkmale von Reportagen erfassen Lies den Text „Eine Zeitung für die Würde“. Eine Zeitung für die Würde Hannes Maierhofer – Spitzname „Böckl“ – mag nicht erzählen, wie er auf der Straße gelandet ist. „Is jetzt eh wurscht“, sagt er. Und dass er auch Fehler gemacht habe. Und dann der Alkohol. Natürlich. Aber jetzt im Moment ist das wirklich egal. Jetzt steht er mit seinem Packerl „Kupfermuckn“ auf der Promenade. Der Name „Kupfermuckn“ stammt aus dem Wortschatz Obdachloser und bedeutet dort „Schlafplatz“ oder ein „Unterschlupf“, zum Beispiel in einem verlassenen Gebäude oder einer Hütte. Und es ist auch der Name der Obdachlosenzeitung aus dem oberösterreichischen Zentralraum, so wie der „Augustin“ in Wien oder das „Apropos“ in Salzburg. Jeden ersten Montag im Monat erscheint die neueste Ausgabe der „Kupfermuckn“ und ist bei ihren rund 250 Verkäuferinnen und Verkäufern auf der Straße erhältlich. So wie jetzt bei „Böckl“ auf der Promenade. Eben hat er sich 10 Exemplare am Redaktionssitz der Zeitung in der nahe gelegenen Marienstraße gekauft. Für 15 Euro, 1,50 Euro das Stück. Immerhin 3 Euro kostet sie für die Käuferinnen und Käufer. Die Differenz ist sein Verdienst. Viele Menschen, berichtet er, laufen einfach an ihm vorbei, wollen nichts wissen von ihm oder der Zeitung. Manche geben aber auch 5 Euro, erklärt „Böckl“. Menschen, bei denen es auf ein paar Euro nicht ankommt. Manchmal, erzählt er, entwickelt sich auch ein kleines Gespräch zwischen ihm und seinen Kunden. „Das ist dann wie in der Trafik!“, lacht er. Und dann hat er auch einige Stammkunden. Menschen, die hier arbeiten, auf der Sparkasse oder im Landhaus. Für den Verkauf gibt es übrigens klare Regeln: Verkauft werden darf nur im nüchternen Zustand und man darf Passanten nicht bedrängen oder zum Kauf nötigen. Das ist auch Hannes Maierhofer ganz wichtig: „Es ist ein Geschäft und kein Betteln. Man bewahrt seine Würde!“ Natürlich muss er sich auch manchmal dumme Sprüche anhören. Aber auch darüber redet Hannes Maierhofer nicht so gern. Zumal, da heute der Verkauf läuft. „Das ist das Wetter“, meint er, „die Leut’ haben gute Laune.“ Obdachlosen- oder Straßenzeitungen sind übrigens ein Renner. Dabei wurde die erste Straßenzeitung erst 1989 in New York gegründet, die erste Obdachlosenzeitung in Österreich war 1995 das „Megaphon“ in Graz. Man schätzt, dass heute weltweit 200 000 Menschen Straßenzeitungen verkaufen und sechs Millionen Leserinnen und Leser erreichen. Menschen wie „Böckl“, die nicht gerne über die Vergangenheit reden, aber immer noch an die Zukunft glauben. Kreuze an, welche Aussagen über den Text und damit über Reportagen allgemein richtig sind. richtig a Reportagen wollen den Leserinnen und Lesern das Gefühl geben, an einem Geschehen beteiligt zu sein. b Reportagen sind ähnlich wie Nachrichten aufgebaut und informieren zunächst über die wichtigsten W-Fragen. c In Reportagen wird zunächst über einen Einzelfall berichtet, der dann verallgemeinert wird. d Reportagen enthalten Zitate von beteiligten Personen. 1 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 2 25 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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