Vielfach Deutsch 4, Leseheft

2 dem Trubel der Großstadt, dann suche ich eine Verbindung nach Berlin oder nach München. Oder aber ich setze mich für einen Wanderausflug in den Schnellzug Richtung Alpen“, tut der junge Mann kund. Mittels App organisiert er sich abends die Verbindung, schläft im Zug und rast seinem nächsten Ziel entgegen. Rückzugsort? Fehlanzeige. „Mein Zuhause ist der Zug.“ Dies sei anfangs schon eine gewaltige Umstellung gewesen, wie er zugibt: „Die Anfangsmonate waren eine harte Zeit, und ich musste extrem viel lernen, wie das überhaupt alles funktioniert“, meint er in dem „Business Insider“-Artikel. Er habe damals oft Züge verpasst, sei nachts häufig an fremden Bahnhöfen angekommen und konnte deswegen kaum im Zug schlafen. „Alles war anders, als ich es mir vorgestellt hatte“, meint Stolley. Doch die Erfahrungen lehrten ihn, wie man dieses spezielle Leben in geregelten Bahnen führt. Knapp 578.000 Kilometer hat der Softwareentwickler bereits auf Schienen zurückgelegt, rund 6.000 Stunden in Zügen verbracht. Sein Leben passt in einen Rucksack. Etwas, das er lernen musste: Verzicht auf schweres Gepäck. „Das Wichtigste sind mein Laptop und meine Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung, mit denen ich im Zug wenigstens ein bisschen Privatsphäre habe“, sagt er: „Da der verfügbare Platz sehr begrenzt ist, muss man sorgfältig auswählen, was man wirklich braucht. Das bedeutet, sich von unnötigen Dingen zu trennen und sich auf das Nötigste zu beschränken.“ Ansonsten hat er vier T-Shirts, zwei Hosen, ein Nackenkissen und eine Reisedecke im Rucksack – mehr Platz bleibt nicht. Minimalistisches Leben In seinem Blog gibt er Leserinnen und Lesern Einblicke in sein Leben auf Schienen. Er schwärmt von seinen Lieblingsstrecken, erzählt von Begegnungen, neuen Freundschaften, seinen Ausflügen und gibt Tipps. Man erfährt, dass er so manches Abenteuer zu überstehen hatte – verantwortlich dafür war nicht zuletzt auch immer wieder einmal die Deutsche Bahn selbst, Stichwort: Streiks. Zwischenzeitlich hatte er sein „Zugleben“ auf ganz Europa ausgedehnt. Ein „Global Pass“ von Interrail machte es möglich. Was er jenseits der deutschen Grenzen erlebt hat, kann man in seinem Blog nachlesen. So wie es aussieht, hat Stolley noch lange nicht vor, sein Nomadenleben aufzugeben, um sesshaft zu werden. 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 60 62 64 66 68 Markus Böhm, https://www.derstandard.de/story/3000000211087/ warum-sich-ein-17-jaehriger-deutscher-fuer-ein-leben-im-zugentschieden-hat (29. 5. 2024, gekürzt) Sachtexte und Diagramme lesen und verstehen 24 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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