querdenken 2, Schulbuch

117 Mittelalter Fernhandel und Geldwesen Ausdehnung des Fernhandels nach Asien Im 13. Jh. weitete sich der internationale Fernhandel auf entfernte Gebiete in Asien aus. So importierte man Seide aus China und nutzte dafür die Seidenstraße. Auch Gewürze wie Nelken, Muskat und Pfeffer wurden über alte und beschwerliche Karawanenstraßen aus weit entfernten Gebieten wie Indien und Indonesien transportiert. Sie gelangten über das Mittelmeer schließlich nach Europa. In Venedig, einem Zentrum des Gewürzhandels, wurden diese Produkte mit hohen Gewinnen verkauft. Am Ende des Mittelalters veränderten sich infolge von Krisen (z. B. Pestepidemien, Erreichen von Produktionsgrenzen, zahlreichen Kriegen) die Handelsbeziehungen innerhalb Europas bzw. mit dem Orient und dem Fernen Osten. Etliche der altbekannten Handelsmächte und -städte verloren an Einfluss und Bedeutung, während anderswo neue Handelszentren entstanden. Geldwesen im Mittelalter Durch die Ausweitung der Handelsbeziehungen über weite Strecken hinweg wurde Geld als Zahlungsmittel immer wichtiger. Allerdings hatte jede Stadt eigene Münzen von unterschiedlichem Gewicht und Material. Händler und Kaufleute mussten ihre Münzen deshalb beinahe in jedem Ort bei einem Geldwechsler in die ortsübliche Währung umtauschen. Damit Händler auf ihren Reisen nicht große Mengen an schweren Münzen mitführen mussten, erfand man in Italien eine Erleichterung für den Geldverkehr, und zwar den Wechsel. Das Prinzip funktionierte so: Der Händler zahlte bei einem Geldwechsler einen bestimmten Betrag in Münzen ein und erhielt dafür eine Bestätigung (Urkunde), eben den Wechsel. Diesen konnte der Händler an einem anderen Ort einlösen. Geldwechsler (später Bankiers genannt) verdienten an jedem Wechsel, denn für ihre Dienstleistung behielten sie einen Teil der ausbezahlten Münzen. ››Die heutigen Banknoten gehen ebenfalls auf das Prinzip des Wechsels zurück. ››Manche italienischen und deutschen Familien wurden durch Geldgeschäfte und den Fernhandel reich und mächtig. Dazu zählen die Bankiersfamilie der Medici aus Florenz und die Familie der Fugger aus Augsburg. Sie begannen früh, Geld gegen Zinsen zu verleihen und wurden zu Besitzern großer Banken in Europa. O Vernetzungsgeschichte, S. 92 Geldwechsler, Holzschnitt, aus „Der Seele Trost“ von Anton Sorg, 1478 (Augsburg, Deutschland) M1 A23 • Beschreibe das Bild in allen Details. • Erkläre die dargestellte Szene in Bezug auf den Informationstext. • Bewerte die Bedeutung von Geldwechslern im Mittelalter. (HMK) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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