113 Der Kongo unter dem belgischen König Leopold II. von Belgien nahm den Kongo 1885 als königliche Privatkolonie ein. Es kam zu einer systematischen und gewalttätigen Ausplünderung des Landes zwischen 1888 und 1908 („Kongogräuel“). Der König forcierte den Abbau von Kautschuk für die Herstellung von Gummiprodukten (z.B. Reifen) mittels brutaler Sklaven- und Zwangsarbeit. Eine eigens gegründete Armee, bestehend aus indigenen Soldaten und belgischen Vorgesetzten, überwachte die Arbeit. Als Beweis, dass die Munition nicht zum Jagen oder für eine Rebellion verwendet wurde, mussten die Soldaten für jede verschossene Patrone die rechte Hand des Opfers abhacken und der belgischen Führung vorweisen. Unter anderem aufgrund von Armut wurden die Waffen dennoch zum Jagen verwendet und Hände lebender Menschen vorgelegt. Der britische Journalist Edmund Morel deckte die Verbrechen auf und organisierte die erste Menschenrechtskampagne der Geschichte, indem er Berichte und Fotografien weltweit veröffentlichte. 1908 übernahm der belgische Staat das Gebiet. M2: Gräueltaten der Kautschuk-Sklaverei in Belgisch-Kongo. Die Hände von Mola Enuliti (Mitte) wurden von Gewehrkolben von Soldaten zerschmettert, die sein Dorf angriffen, als es seine Kautschukquote nicht erfüllte. Fotografie, um 1900 Demokratische Republik Kongo heute Trotz großer Mineralienvorkommen ist die DR Kongo eines der ärmsten Länder der Welt. Die demokratischen und rechtsstaatlichen Strukturen sind unzureichend ausgebaut, es herrscht Korruption. Vor allem im Ostkongo gibt es bewaffnete Konflikte und Gewalt, auch gegen die Zivilbevölkerung. Über 100 hochbewaffnete Milizen kämpfen gegen die kongolesische Armee um wertvolle Rohstoffe, z.B. Coltan. Unterstützt werden die Milizen von den Nachbarländern Uganda und Ruanda. Mehr als sechs Millionen Menschen sind deshalb innerhalb des Landes auf der Flucht. In den anderen Gebieten der DR Kongo fördern internationale Bergbau-Unternehmen unter anderem Kobalt und Uran. Vor allem chinesische Unternehmen stehen aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen in der Kritik. Mineralien werden außerdem im informellen, oft illegalen Kleinstbergbau gewonnen. Philip Schütte, Fachkoordinator eines Projekts zum Rohstoffsektor in der DR Kongo (2019) Zum größten Teil findet der Kleinbergbau illegal statt, zum Teil auch auf den Gebieten der industriellen Minen. Die Bergleute schürfen unter extrem unsicheren Bedingungen. Da werden tiefe Stollen gegraben, die Einsturzgefahr ist hoch. Häufig sterben Menschen. Außerdem werden die Bergleute in den illegalen Minen schlecht bezahlt, oft weit unter dem Mindestlohn. Der liegt in der DR Kongo ohnehin nur bei etwa vier Dollar pro Tag. Die Bergleute werden von Zwischenhändlern ausgenutzt. Das sind oft Chinesen, Inder oder Libanesen. M3: Seidler: Hier sterben Menschen für unsere Akkus, in: Spiegel Wissenschaft, 17.10.2019. Online auf: www.spiegel.de (6.9.2024). Jetzt bist du dran: 1. Grafik M1 zeigt dir, welche wertvollen Bestandteile in deinem Smartphone stecken, unter anderem Aluminium. 1a. Recherchiere die Risiken und Gefahren bei der Herstellung von Aluminium. 1b. Recherchiere und diskutiere Strategien, um dein Smartphone möglichst nachhaltig zu nutzen. 2. Beschreibe M2 und analysiere das Foto auf der Grundlage der Bildbeschreibung und des Autorentextes. Dekonstruiere die Haltung des belgischen Königs gegenüber dem ausgebeuteten Land sowie gegenüber dessen Bewohnerinnen und Bewohnern. 3. Mache Vorschläge, wie man als Einzelperson dazu beitragen kann, dass die von Philip Schütte in M3 geschilderten negativen Lebens- und Arbeitsbedingungen nicht gefördert werden. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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