13 Auszug aus einem Kommentar des Historikers Franz Schausberger (2020) Wann immer er konnte, verband Renner die Begriffe „jüdisch“ oder „Juden“ mit negativen Konnotationen. Es ging ihm nicht um die Schleichhändler generell, es waren immer die „jüdischen Schleichhändler“, die er anklagte, obwohl es nach dem Krieg eine große Zahl nichtjüdischer Schleichhändler gab. Es ging ihm als Sozialdemokraten nicht darum, das Großkapital, den Manchesterliberalismus [dieser besagt, dass der Staat nicht in den Markt eingreifen dürfe] generell und die Banken zu kritisieren, es ging ihm um das „jüdische Großkapital“, um die „jüdischen Banken“ und den „jüdischen Manchesterliberalismus“. M3: Online auf: https://www.derstandard.at (25.2.2025). Kritisiert wird an Renner auch, dass er 1938 für den vollzogenen „Anschluss“ Stellung bezog. Auszug aus der Parlamentskorrespondenz vom 14.12.2005 Im März 1938 marschiert die deutsche Wehrmacht in Österreich ein, das Land hört zu bestehen auf, wird Teil Hitlerdeutschlands. Abermals werden tausende Patrioten inhaftiert und wenig später in die Lager der Nazis verschickt. Dennoch versuchen die Nationalsozialisten, ihren Gewaltakt „demokratisch“ zu legitimieren. Sie setzen eine Volksabstimmung an, die den „Anschluss“ bestätigen soll. An dieser Stelle kommt es zu Renners „Sündenfall“. Er erklärt sich zu einer Pro-Stellungnahme bereit und erklärt in einem Interview mit dem „Neuen Wiener Tagblatt“, er stimme mit „Ja“. M4: Online auf: https://www.parlament.gv.at (25.2.2025). 1945 wurde Renner Staatskanzler der Provisorischen Regierung und erster Bundespräsident. Auszug aus „dasrotewien.at“ (o. J.) Es war das persönliche Verdienst Karl Renners, dass in Österreich als erstem befreiten Land in Europa bereits Ende November 1945 landesweite demokratische Wahlen abgehalten werden konnten. Am 20. Dezember 1945 wurde Karl Renner von der Bundesversammlung – dem neugewählten Nationalrat und dem Bundesrat – einstimmig zum ersten Bundespräsidenten der Zweiten Republik gewählt. Als Bundespräsident war Renner in den Jahren 1945 bis 1950 eine Integrationsfigur und ein ständiger Mahner zu Zusammenarbeit, Erhaltung der Demokratie, Achtung der Menschenrechte und Wiedererlangung der Souveränität. M5: Online auf: https://www.dasrotewien.at (16.9.2024). M6: Unbekannt: Parade alliierter Ehrenkompanien am ersten Jahrestag der Befreiung Wiens. Fotografie, 13. April 1946. Am Podium stehen unter anderem Bundespräsident Karl Renner und Bundeskanzler Leopold Figl. M7: Victor Theodor Slama: Werbung für Karl Renner. SPÖ-Wandzeitung, 1955 Jetzt bist du dran: Deine Frage lautet, welche unterschiedlichen, vielleicht auch widersprüchlichen Informationen sich über den wichtigen österreichischen Politiker Karl Renner finden lassen. In diesem Kapitel sind diese Informationen bereits in den Materialien und im Autorentext dargelegt. 1. Lies nun die Informationen in Hinblick auf die verschiedenen Betrachtungsweisen der Person Karl Renner. 2. Untersuche die Materialien hinsichtlich ihrer möglichen Intentionen. Beachte dabei das Medium, in dem der jeweilige Auszug erschienen ist. Achte auch auf mögliche Auftragswerke. 3. Rekonstruiere anhand von M5 und M6 Renners Rolle im befreiten und besetzten Österreich. 4. Trage die Informationen zusammen und 4a. formuliere einen Sachtext über den Politiker Renner; 4b. erstelle ein Drehbuch für einen Kurzfilm. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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