Alles Geschichte! 8, Schulbuch

14 2 Die Zweite Republik 2.1 Der Marshallplan Wusstest du, dass … … Fiorello LaGuardia, Generaldirektor der UNRRA (Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen), 1946 den Ausspruch getätigt haben soll: „Das österreichische Volk zählt zu jenen Völkern der Welt, die dem Hungertod am nächsten sind“? … zwischen 1946 und 1955 ca. eine Million CARE-Pakete nach Österreich geschickt wurden? Sie enthielten Lebensmittel, vor allem Fleisch, Fett und Kohlenhydrate. … Österreich nach Island und den Niederlanden die höchste Pro-Kopf-Hilfe durch den Marshallplan erhielt? Hilfsprogramme Zusätzlich zu Nahrungsmittellieferungen der Militärbesatzungen empfing Österreich Hilfe von europäischen Ländern wie der Schweiz und Irland sowie aus Skandinavien. Von Anfang 1946 bis 1950 versorgte die UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration) Österreich mit Lebensmitteln. Ab dem Sommer 1946 kam auch Hilfe von CARE in Österreich an. CARE war ein Zusammenschluss privater amerikanischer Wohlfahrtsorganisationen. Hilfe zur Selbsthilfe Bei einer Rede in Harvard präsentierte der US-amerikanische Außenminister George Marshall am 5. Juni 1947 ein amerikanisches Wiederaufbau-Programm für die europäische Wirtschaft (s. auch Alles Geschichte! 7, S. 109). M1: Bezugskarte für Lebensmittel, 1945 Am 27. April 1945 proklamierte die von der Sowjetunion anerkannte Provisorische Staatsregierung unter Karl Renner die Wiederherstellung der Republik Österreich. Am 1. Mai 1945 setzte sie die Bundesverfassung vom 1. Oktober 1920 in der Fassung von 1929 wieder in Kraft und stellte so die demokratische Republik Österreich als selbstständigen Staat wieder her. Die Regierung und die Bevölkerung standen aber vor großen wirtschaftlichen Problemen: Industrieanlagen waren durch Luftangriffe und andere Kriegshandlungen weitgehend zerstört worden, noch bestehende Anlagen wurden in den von der Roten Armee besetzten Gebieten beschlagnahmt und abgebaut. Es gab keinen Außenhandel und auch innerhalb Österreichs konnten Waren aufgrund der zerstörten Infrastruktur und der verschiedenen Besatzungsgebiete der Alliierten (s. S. 8/M1 und S. 11). kaum transportiert werden. Viele Männer waren in Kriegsgefangenschaft oder gefallen. Außerdem befanden sich zu Kriegsende hunderttausende Flüchtlinge und Verschleppte aus ganz Europa (displaced persons) in Österreich (s. S. 10). Rationierung von Lebensmitteln Die bereits zu Kriegsbeginn eingeführte Beschränkung des Bezugs von Lebensmitteln (Rationierung) nahm im Laufe des Krieges immer größere Ausmaße an. Nach Kriegsende verbesserte sich die Versorgungslage vorerst nicht. Österreich war nicht in der Lage, sich selbst zu versorgen, und war auf die Hilfe von außen angewiesen. Der geregelte Bezug von Grundnahrungsmitteln war noch bis in die 1950er-Jahre notwendig. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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