138 QUERSCHNITT Afrika Die San Die indigenen Gruppen der San leben im südlichen Afrika. Sie waren ursprünglich reine Jäger- und Sammlergesellschaften, deren Verbreitungsgebiet bis nach Äthiopien und Somalia reichte. Sie gehören zu den ältesten noch bestehenden Kulturen der Welt. Im Laufe der Zeit wurden die San von anderen indigenen Gruppen weiter in den Süden verdrängt. Mitte des 17. Jh. vertrieben holländische Siedler/innen im Zuge der Landnahme die San aus ihren Lebensräumen. Mit der Gründung einer protestantischen Missionsstation in Baviaanskloof 1738 besserte sich die Lage etwas. Die Glaubensmission unterrichtete die San in Mathematik, Schreiben und Handwerk und verschaffte ihnen ein Niederlassungsrecht. Heute leben im gesamten südlichen Afrika noch etwa 100 000 San. Die meisten arbeiten auf Farmen und nur mehr wenige auf traditionelle Weise. M1: Karin Pezo: San-Hütte in Namibia. Fotografie, 2015 Ein wichtiges Rückzugsgebiet für die San ist die Kalahari-Wüste mit einem Reservat in Botswana, das 1961 für das Volk und für Wildtiere gegründet wurde. In den 1980er-Jahren wurden dort Diamanten gefunden und die San wurden bis 2005 in mehreren Wellen vertrieben. Seit 2006 dürfen sie das Land wieder besiedeln und dort jagen. Das Zusammenleben im Gruppenverband Traditionell lebende San organisieren sich in mobilen, egalitären, also auf Gleichheit abzielenden, Gruppen von 40 bis 200 Personen. Über die Tätigkeiten der Gruppe wie die Jagd entscheiden die Mitglieder gemeinsam. Es gibt keine zentrale Rechtsprechung, bei Vergehen gegen die Grundsätze der San erfolgt ein Ausschluss aus der Gemeinschaft. Jagdbeuten werden gemeinschaftlich geteilt und die Verteilung von Gütern basiert auf Geschenken innerhalb und außerhalb der Gruppe. Für die Jagd benötigen die San enorme Kenntnisse über Spuren- und Fährtenlesen. Archäologen erforschen zusammen mit San Spuren in steinzeitlichen Höhlen (2013) „Die San haben uns in Frankreich die Augen geöffnet, indem sie zu jeder einzelnen Höhle, zu jeder einzelnen Spur plausible Erklärungen geliefert haben, die uns die westliche Wissenschaft nicht geliefert hat.“ […] In den Pyrenäen war ihr erster Höhlen-Einsatz. Zu dritt haben sie die Spuren analysiert, Tsamkxao Cigae hat aus der Klicksprache der San ins Englische übersetzt. „Bei uns Jägern ist es immer so, dass alle den anderen in der Gruppe sagen, was sie gesehen haben. Dann diskutieren wir das. Die Größe des Abdrucks, die Hügel und Täler und was sich daraus schließen lässt. Und wenn wir dann wirklich sicher sind, dann fassen wir das Ergebnis zusammen. Aber erst dann, wenn wir alle drei davon überzeugt sind, dass es stimmt.“ M2: Ehlert: Die Spuren entschlüsseln. Online auf: www.deutschlandfunkkultur.de (30.5.2025). Manche San betreiben Ökotourismus als Einnahmequelle. Dabei bringen sie den interessierten Touristen ihre Kultur nahe und zeigen ihnen, wie man Feuer macht, Seile herstellt oder traditionelle Tänze tanzt. Im Gegensatz zu konventionellem Tourismus ist das Ziel des Ökotourismus, beim Reisen auf den Schutz der lokalen Natur und Bevölkerungen zu achten. M3: Dietmar Temps: San beim Feuermachen. Fotografie, 2016 Jetzt bist du dran: 1. Diskutiere anhand von M1, welche Folgen die Verdrängung der traditionellen Lebensweise im Bereich des Wissens über die Verwendung natürlicher Ressourcen hat. 2. Erarbeite aus M2 die Vorteile der Entscheidungsfindung bei den San. 3. Überlege anhand von M2 und M3, welchen Wert das Wissen traditionell lebender Gruppen für die westliche Kultur haben kann. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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