139 Die Yanomami Die Yanomami sind ein indigenes Volk, das im Regenwald an der Grenze zwischen Brasilien und Venezuela lebt. Sie gehören zu den größten vergleichsweise isoliert lebenden indigenen Gruppen Südamerikas. Die Yanomami führen ein traditionelles Leben auf der Basis der Jagd, des Fischens, des Sammelns und des Wanderfeldbaus. Ihre Dörfer bestehen meist aus großen, ringförmigen Gemeinschaftshäusern, in denen mehrere Familien zusammenleben. M1: Ueslei Marcelino: Eine Yanomami-Frau sammelt Ameisen zum Essen, indem sie einen Zweig in einen Ameisenhaufen hält (Ausschnitt). Fotografie, Brasilien, 2024 Die Kultur der Yanomami ist reich an Ritualen und Mythen, basierend auf schamanistischen Glaubensvorstellungen. Körperbemalung, Feder- und Knochenschmuck sowie Tänze sind wichtige Ausdrucksformen ihrer Identität. Konflikte zwischen Gruppen werden durch Rituale und gelegentlich durch Auseinandersetzungen geregelt. Gefahren durch (illegalen) Goldbergbau Seit den 1970er-Jahren führen die Goldsuche und der damit verbundene Straßenbau in Brasilien zu ernsten Bedrohungen: Tausende Goldsucher drangen seitdem in das Gebiet der Yanomami ein, brachten Krankheiten mit und vergifteten Flüsse mit Quecksilber, welches sie zur Trennung des Goldes vom Sediment einsetzten. Seitdem kämpfen die Yanomami mit Unterstützung von NGOs für den Schutz ihres Landes und ihrer Rechte. M2: Ueslei Marcelino: Verwüstung des Landes der Yanomami durch illegalen Bergbau. Fotografie, 2023 Davi Kopenawa ist Schamane und der Vertreter der Yanomami in Brasilien. Er setzt sich für die Sicherung der Landrechte und den Schutz der Kultur der indigenen Bevölkerung sowie den Schutz des Regenwaldes und der Artenvielfalt des Amazonas ein. Davi Kopenawa über den Regenwald (2024) Ich wü nschte, die Weißen wü rden aufhö ren zu denken, unser Wald sei tot und stünde ohne Grund da. Ich möchte, dass sie auf die Stimme der xapiri hören, die dort unermü dlich spielen und auf ihren prachtvoll glä nzenden Spiegeln tanzen. Vielleicht würden sie ihn dann gemeinsam mit uns verteidigen wollen? Ich möchte auch, dass ihre Söhne und Töchter unsere Worte verstehen und mit den Unseren Freundschaft schließen, damit sie nicht in Unwissenheit aufwachsen. Denn wenn der Wald erst völlig verwü stet ist, wird es nie wieder einen neuen Wald geben. M3: Kopenawa/Albert: Der Sturz des Himmels. Worte eines Yanomami-Schamanen, 2024, S. 15. Ulrich Delius von der Gesellschaft für bedrohte Völker zu den Yanomami (2018) [Frage:] Ist die Vorstellung vom Leben in Isolation nicht etwas romantisch? [Delius:] Wir reden von keiner heilen Welt. Aber wir sollten akzeptieren, dass es andere Werte und andere Lebensformen gibt. Warum muss jeder so leben wie wir? Wir wissen doch auch aus Europa, welche Folgen es hat, wenn man Menschen respektlos begegnet und das, was ihr Leben ausmachte, nicht toleriert. Das führt immer zu traumatischen Erfahrungen. Es geht nicht darum, zu bewerten, wer besser oder schlechter ist, sondern Menschen so leben zu lassen, wie sie leben wollen. Und so lange es geht. M4: Heinken: „Sie wollen einfach anders leben“, 2018. Online auf: https://www.nationalgeographic.de (6.9.2024). Jetzt bist du dran: 1. Tragt in der Klasse euer Wissen über die Auswirkungen des Verlustes des Regenwaldes für die Weltbevölkerung zusammen. 2. Stelle anhand von M1 und M2 die Standpunkte der Yanomami und der Goldgräber gegenüber und überlege mögliche Lösungen für das Problem. 3. Diskutiere anhand von M3 und M4, inwiefern die Rücksichtnahme auf alternative Lebensweisen auch für die Industriestaaten von Bedeutung ist. Amerika Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
RkJQdWJsaXNoZXIy MTA2NTcyMQ==