Alles Geschichte! 8, Schulbuch

140 QUERSCHNITT Asien Die Mosuo in China Die ungefähr 40000 Menschen große Gruppe der Mosuo (Eigenbezeichnung: Na) leben im Südwesten Chinas, im Himalaja-Gebiet am Lugu-See. Sie sind eines der wenigen Völker, die matrilinear leben. An der Spitze der Großfamilie steht eine Frau, meistens die Großmutter. In ihrem Haushalt leben ihre Kinder und Enkelkinder. Die Väter leben hingegen bei ihren eigenen Mutterfamilien. Besitz und Status wird ausschließlich an die Töchter vererbt. M1: Unbekannt: Mosuo-Frau bei der Arbeit. Fotografie, 2010 Die Mosuo leben traditionell von der Landwirtschaft, mittlerweile arbeiten aber viele junge Mosuo in größeren Städten oder im Tourismus. Gao Zuo, Tochter einer Matriarchin, über den Tourismus (2018) Zuo ist zwiegespalten, wenn es um die Touristen geht. Sie stellten komische Fragen, sagt sie. Die komischen Fragen sind die über die Väter. Da die Kinder mit der Mutter aufwachsen, wird von Außenstehenden oft angenommen, sie hätten keinen Vater. Doch die Onkel mütterlicherseits sorgen für das Kind, als ob es ihres wäre. Zudem, erklärt der Reiseleiter, dürfen Männer ihre Kinder täglich besuchen. „Sie haben eigentlich zwei Väter.“ M2: Bilanceri: Bei den Mosuo haben die Frauen das Sagen, 2018. Indigene Gruppen in Russland Die 400 000 km² große Taimyrhalbinsel befindet sich im Norden des nordsibirischen Tieflandes. Das Gebiet liegt am Nordpolarmeer und ist nur im Süden besiedelt. Die Region ist die Heimat vieler indigener Völker, wie die Dolganen, die Nenzen, Nganassanen, Ewenken und Enzen. Früher lebten sie als Nomaden von der Rentierzucht und zogen mit den Herden durch die Tundra. Der Fund von Bodenschätzen Mitte der 1960er-Jahre führte zu dem Bau von Raffinerien und Bahnstrecken in den Weidegebieten der Rentiere und zwang die indigene Bevölkerung in die Sesshaftigkeit. Trotzdem spielte das Rentier immer noch eine wichtige Rolle bei den indigenen Gruppen: als Nahrungs- und Einnahmequelle und für die traditionelle Jagd. Die wirtschaftliche Situation der indigenen Bevölkerung erschwerte sich mit der Gründung eines nationalen Betriebes für die Rentierzucht. Zudem kam es zu Übergriffen, wie Schlachtungen von Rentierherden, Zwangseinweisungen in Internate und Verhaftungen von Mitgliedern der indigenen Bevölkerung. M3: Denis Kozhevnikov: Ein Rentier-Züchter beim Verlassen des Nomadenlagers. Fotografie, 2004 Der Dolgane Gennadij Schtschukin verteidigt die Rechte der indigenen Bevölkerung (2019) Die Entwurzelungsversuche bewirkten bei Gennadij Schtschukin Gegenteiliges. Heute ist er Vorsitzender der Dolganen-Gemeinschaft „Amjaksin“ und Präsident der örtlichen Vereinigung zahlenmäßig kleiner Völker, dem Dachverband mehrerer indigener Gemeinschaften des Taimyr-Bezirks. Er berät […] mehr als 110 indigene Gemeinschaften juristisch in Frage über die traditionelle Lebensweise. Dazu gehören Themen wie Fischfang, Jagd und die Rentierzucht. M4: Brüggemann: Indigene Völker in Nordsibirien, 2019. Online auf: https://www.gfbv.de (30.5.2025). Jetzt bist du dran: 1. Beschreibe die Fotografie M1 vor dem Hintergrund der matrilinearen Lebensweise im Vergleich zu dir bekannten streng patriarchalen Gesellschaften. 2. Erörtere anhand von M2 Vor- und Nachteile einer matrilinearen Familienstruktur. 3. Diskutiere anhand von M3 und M4, welche Schwierigkeiten indigene Gruppen haben können, ihre Kultur beizubehalten und auszuüben. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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