16 2.2 Vom Kriegsende zum Staatsvertrag Die Befreiung Österreichs Am 29. März 1945 überschritt die Rote Armee die österreichische Grenze bei Klostermarienberg im Burgenland und befreite Wien am 13. April. Zwei Wochen später erreichte die amerikanische Armee Oberösterreich und Tirol, am 2. Mai befreiten französische Truppen Bregenz und am 6. Mai gelangte die britische Armee an die Kärntner Grenze. Am 8. Mai 1945 trat die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht in Kraft und beendete den Krieg in Europa (s. auch Alles Geschichte! 7, S. 85). Moskauer Deklaration In der Moskauer Deklaration 1943 erklärten die Außenminister Englands, der USA und der UdSSR den „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich von 1938 für ungültig. Österreich sollte nach dem Krieg wiederhergestellt werden. Weiters wurde das Land in der Deklaration als erstes Opfer von Hitlers Aggressionspolitik bezeichnet, aber auch an seinen eigenen Beitrag zur Befreiung erinnert. Somit kamen die alliierten Soldaten als Befreier nach Österreich. Trotzdem kam es in allen Besatzungszonen in unterschiedlichem Ausmaß zu Plünderungen und sexueller Gewalt an Mädchen und Frauen durch Besatzungssoldaten. Die Zeithistorikerin Barbara Stelzl-Marx zur Rolle des österreichischen Widerstandes (2012) So waren die Verdienste des Widerstandes – wie sich bei den Bemühungen um den Staatsvertrag herausstellte – im Hinblick auf den in der Moskauer Deklaration geforderten eigenen Beitrag Österreichs zu seiner Befreiung von eminent politischem Wert. Das offizielle Österreich hob sie gegenüber den Alliierten (mehr als gegenüber der österreichischen Gesellschaft) hervor, um die Mitverantwortungsklausel in der Präambel des Staatsvertrages zu streichen. So sah sich der österreichische Widerstand bis und vor allem 1955 zu einem Instrument österreichischer Außenpolitik reduziert. M1: Stelzl-Marx: Stalins Soldaten in Österreich, 2012, S. 129. Die politischen Parteien konstituieren sich Unmittelbar nach der Befreiung – zwischen 12. und 17. April – formierten sich die politischen Parteien neu. Führende Vertreter der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) trafen aus dem Moskauer Exil in Wien ein. Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten bildeten im Wiener Rathaus den provisorischen Parteivorstand der Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ). Von ehemaligen Funktionären aus dem Umfeld der Christlichsozialen Partei wurde die Österreichische Volkspartei (ÖVP) neu gegründet. Unabhängigkeitserklärung Am 27. April 1945 unterzeichneten Vertreter der SPÖ, ÖVP und KPÖ als provisorische Staatsregierung unter Karl Renner in Wien eine Proklamation der Unabhängigkeit Österreichs, die mit Kundmachung vom 1. Mai die Republik Österreich wiederherstellte. Anfangs war die Handlungsfreiheit der Staatsregierung fast nur auf Wien beschränkt, da sie zunächst von den westlichen Alliierten nicht anerkannt wurde. M2: Wilhelm Obransky: Der sowjetische Stadtkommandant Blagodatow übergibt Renner symbolisch das Parlamentsgebäude. Fotografie, 1945 Österreich unter alliierter Kontrolle Österreich wurde mit dem Ersten Kontrollabkommen vom 4. Juli 1945 unter die Aufsicht der Alliierten Kommission gestellt. Fünf Tage später wurde auch die Einteilung der Besatzungszonen beschlossen: Tirol und Vorarlberg wurden französisch, Salzburg und Oberösterreich südlich der Donau amerikanisch, Kärnten und die Steiermark britisch, Oberösterreich nördlich der Donau, Niederösterreich und das Burgenland sowjetisch verwaltet. Wien wurde bis auf den 1. Bezirk ebenfalls in vier Zonen aufgeteilt (s. M1 auf S. 8). Im 1. Bezirk übernahm monatlich abwechselnd eine andere Besatzungsmacht den Vorsitz. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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