92 Globalisierung meint die zunehmende weltweite Vernetzung von Regionen bzw. Ländern, Märkten sowie ganzen Gesellschaften. Sie beeinflusst Wirtschaft, Politik, Kultur und Umwelt in hohem Maße. Der Globalisierung liegt die Idee zugrunde, dass ein internationaler Austausch einen positiven Effekt auf die Wirtschaft aller Beteiligten hat, denn auf diese Weise könnten Produktionsfaktoren und Ressourcen bestmöglich genutzt und Kosten gespart werden. Ein globales Wirtschaftssystem Wirtschaftliche Globalisierung verbindet Konsum-, Produktions- und Wirtschaftssysteme international miteinander. Unternehmen, die multinational tätig sind, erweitern ihre Produktionen, Dienstleistungen und Investitionen über nationale Grenzen hinaus. Durch den Transport in Containern können Güter kostengünstig und massenhaft über weite Strecken transportiert werden. Flugtransport vereinfacht die Verteilung von hochwertigen und sensiblen Produkten (z. B. Früchte, Elektronik). M1: Bernd Wüstneck: Amazon logistics center in Dummersdorf (Deutschland). Fotografie, 2025 Zwischen Regionen mit einem hohen Entwicklungsstandard (Länder des Globalen Nordens, wie in Europa, Ostasien, Nordamerika) besteht reger Warenaustausch. Zwei Drittel des Welthandels gehen auf sie zurück. Stark expandierende Schwellenländer (diese gehören zu den Ländern des Globalen Südens, z.B. China, Brasilien, Thailand, Südafrika) bieten den Industrieländern aufgrund geringer Lohnkosten und weniger strenger Umweltauflagen Kostenersparnis bei der Produktion von etwa Kleidung, Medikamenten und Elektrogeräten. Industrieländer investieren in Schwellen- und Entwicklungsländer (Globaler Süden), um sich dort gute Marktpositionen zu sichern oder um kostengünstig Fabriken zu bauen. Lokale Firmen und Produzenten werden dadurch vom Markt verdrängt. Produktionsbetriebe in den Ländern des Globalen Nordens entlassen Arbeitnehmer/innen oder schließen ganz. Weltweite Steuervermeidung Globalisierung führt dazu, dass manche Regionen und Städte an Bedeutung gewinnen, während andere an Relevanz verlieren. Sogenannte „Global Cities“ sind wichtige Akteure bei der Steuerung und Kontrolle der weltweiten Wirtschaftsaktivitäten. Einige sind zudem für multinationale Großkonzerne attraktiv (z. B. Dubai, London), genauso wie viele Staaten, die – je nach Sichtweise – als „Steuersümpfe“ oder „Steueroasen“ gelten. Diese heben keine oder nur sehr geringe Steuern ein und tauschen keine Informationen mit den Finanzverwaltungen anderer Länder aus (z. B. Firmeninhaber/in, Umsatz). Damit gehen nicht nur Steuerbetrug, Geldwäsche und Korruption einher, sondern auch Einnahmenverluste für den Staat, dem die Unternehmen angehören. Außerdem werden von international tätigen Konzernen legal Gewinne in Länder mit niedrigeren Steuersätzen verschoben. Die „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ (OECD), der 38 Staaten angehören, brachte daher eine globale Regelung für mehr Steuergerechtigkeit auf den Weg. Globale Mindeststeuer (2023) Hat ein Konzern ein Tochterunternehmen in einem Land, wo die Gewinnsteuer unter 15 Prozent liegt, kann der Staat, in dem der Hauptsitz ist, die Differenz einheben. M2: Heiss: Was ist die globale Mindeststeuer? Online auf: www.moment.at (25.7.2024). Die in Österreich umgesetzte Richtlinie wird aber auch kritisiert, da die Konzerne nur bestimmte Jahresabschlüsse offenlegen müssen. Kritik der NGO Attac an der Richtlinie (2024) Die [österreichische] Richtlinie sieht vor, dass multinationale Konzerne lediglich Daten aus EU-Staaten und einigen wenigen – von der EU gelisteten – Ländern veröffentlichen müssen. Alle übrigen weltweiten Konzern-Aktivitäten bleiben ausgespart und damit völlig intransparent. „Um Steuertricks von Konzernen zu bekämpfen, ist ein weltweiter Überblick nötig, in welchen Steuersümpfen sie ihre Profite verstecken. […]“, erklärt Walch. M3: Attac: Zu spät, zu schwach. Online auf: www.attac.at (25.7.2024). Globale Wirtschaftsorganisationen Mit dem „Internationalen Währungsfonds“ (IWF) bildete sich 1944 eine Weltwährungsordnung heraus, die z.B. Finanztransaktionen vereinfacht. 1.2 Globalisierung Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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