93 Ein wichtiger Schritt zur Globalisierung waren die Vereinbarungen des „General Agreement on Tariffs and Trade“ (GATT). Mit ihnen setzte die Liberalisierung vieler Märkte ein, z. B. durch Zollsenkung, Erleichterung oder Abschaffung von Handelshemmnissen. Das GATT führte 1995 zur Gründung der „World Trade Organization“ (WTO), die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen weltweit regelt. Kulturelle, politische, soziale Vernetzung Kulturelle Globalisierung sorgt für einen länder- und kulturübergreifenden Austausch von Traditionen, Ideen und Werten. M4: Unbekannt: Scottish Highlands Marching Band, Pride-Parade in Melbourne (Australien). Fotografie, 2025 Politische Globalisierung äußert sich in verstärkter Zusammenarbeit zwischen Staaten, internationalen Organisationen und nichtstaatlichen Akteuren (NGOs) bei internationalen Herausforderungen wie Klimawandel, Terrorismus und Gesundheitskrisen. Diese können nur gemeinsam bestritten werden. Wichtig für die soziale Vernetzung in einer globalisierten Welt sind schließlich moderne Informations- und Kommunikationstechnologien. Vorteile und Chancen der Globalisierung In einem ausgewogenen und nachhaltigen Rahmen bietet Globalisierung viele Vorteile. Sie eröffnet den Zugang zu einem breiten Angebot von Waren und Dienstleistungen. Unternehmen sind nicht nur an den Markt in ihrem Herkunftsland gebunden. Durch den Zugang zu ausländischen Investitionen, Technologietransfers und Fachkenntnissen können sich aufstrebende Volkswirtschaften schneller entwickeln und eine höhere Produktivität erreichen. All dies führt zu einem Anstieg des Lebensstandards, einer Reduktion von Armut und einer Stärkung der globalen Wirtschaft. Nachteile der Globalisierung Neben den bereits genannten Nachteilen gibt es noch weitere. So profitieren nicht alle Menschen gleichermaßen von der weltweiten Vernetzung. Oftmals führt Globalisierung gar zu einer Verschärfung der Ungleichheit. Ein Beispiel dafür ist das Ausnutzen von billigen Arbeitskräften in Ländern des Globalen Südens durch internationale Unternehmen. Umweltverschmutzende Industrien werden in Länder des Globalen Südens ausgelagert. Problematisch ist die Dominanz von multinationalen Konzernen, die ihre wirtschaftliche und politische Macht ausnutzen. So kann es zu undemokratischen Entscheidungen kommen, wenn Staaten die Interessen großer Konzerne über jene ihrer eigenen Bürger/innen stellen. In diesem Zusammenhang sind auch internationale Verträge zu nennen, die die Souveränität von Staaten beschränken. Das internationale Schiedsgerichtssystem zwischen Investoren und Staaten (ISDS) ermöglicht es zum Beispiel Industrieunternehmen, gegen nationalstaatliche Maßnahmen zum Klima- und Umweltschutz zu klagen – oft betrifft dies Milliardenklagen, die Länder des Globalen Südens treffen. Zu erwähnen ist außerdem die zunehmende Privatisierung von öffentlichen Dienstleistungen, die an profitorientierte internationale Konzerne ausgelagert werden. Dies kann zu rigorosen Einsparungen und zu Qualitätsverschlechterung führen. Im Gegensatz zu einem positiven kulturellen Austausch durch Globalisierung steht die Gefahr der kulturellen Homogenisierung und der Verdrängung von lokalen Kulturen und Identitäten durch eine dominierende globale Kultur. Jetzt bist du dran: 1. Erörtere auf Basis des gesamten Autorentextes und M4 Vor- und Nachteile der Globalisierung für Unternehmen, Staaten und für die einzelnen Menschen. 2. Beurteile auf der Grundlage der Quellen M2 und M3 die Wirksamkeit einer globalen Mindeststeuer. Entwirf mindestens eine zusätzliche Regel, mit der die Richtlinie besser durchgesetzt werden könnte. 3. Überprüft in der Klasse, wo es in eurem Alltag bereits zu einer globalisierungsbedingten „kulturellen Homogenisierung“ (= Vereinheitlichung) gekommen ist. Diskutiert, welche Rolle dabei der Onlinehandel (M1) spielen könnte. 4. Rufe über die QuickMedia-App die interaktive Weltkarte zum Thema „intra- und interregionaler Handel“ auf. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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