sprachreif, Schreibkompetenztraining 1: Argumentative und appellative Textsorten

38 3.1 — Leserbrief Sprache Ein Leserbrief muss mit wenigen Worten möglichst deutlich die eigene Botschaft transportieren. Die Sprache muss daher kompakt, präzise und für möglichst alle Leser/innen verständlich sein. Ein Leserbrief enthält keine sehr langen Sätze, keine komplizierten Satzgefüge und keine Wiederholungen. Zusammenfassende und darstellende Passagen sind kurz, aber nicht zu verkürzt und nicht verfälschend. Argumente: Die Thesen (Behauptungen) sind knapp formuliert, Begründungen (= Argumente) oft zugespitzt und pointiert, sachlich aber richtig, Beispiele sind kurz gehalten. Ein Leserbrief ist ein öffentliches Schreiben, daher sind auch bei Zuspitzungen die Formen der Höflichkeit zu wahren. Appelle: Leserbriefe weisen oft einen hohen Anteil an direkten und indirekten Appellen auf. Umfang 270 bis 330 Wörter. Die vorgegebene Wortanzahl muss eingehalten werden. Zu lange Leserbriefe werden nicht oder nur gekürzt abgedruckt. Beispiele für verwandte Textsorten Offener Brief, Blog, Posting, Leserkommentar … Beispieltext Lesen Sie den folgenden Leserbrief aus der Tageszeitung „Die Presse“ vom 20. 09. 2013: Keine Hunde töten, um Menschen zu helfen „Die einen schützen die Rumänen, die anderen rumänische Straßenköter“, von Sibylle Hamann, 18. 9. Als Gründer einer Tierschutzorganisation, die sich seit Jahren für streunende Tiere in aller Welt einsetzt, möchte ich diese Kolumne nicht unkommentiert lassen. Was ich zunächst schade finde, ist, dass hier wieder einmal Menschen und Tiere gegeneinander ausgespielt werden. Entgegen sich hartnäckig haltenden Gerüchten sind viele Tierschützer durchaus Menschenfreunde. Und selbstverständlich ist der Tod eines vierjährigen Buben durch Hundebisse ein schrecklicher, tragischer Fall, verdienen die Angehörigen unser aller Mitleid. Es sollte aber dennoch im 21. Jahrhundert ebenso eine Selbstverständlichkeit sein, andere Lösungen für derartige Probleme zu finden als Tötungen von Zehntausenden von Tieren. Ich war unzählige Male in Rumänien. Vier Pfoten ist seit Jahren mit einem Büro in Bukarest vertreten. Daher kann ich Ihnen versichern: Das Bild, das Sie von den Hunden zeichnen, entspricht schlicht nicht der Realität. Der Großteil der Hunde ist friedlich und menschenscheu. Ja, es gibt vereinzelt aggressive Hunde. Das rechtfertigt es aber nicht, Bukarest als eine Stadt darzustellen, die von einer Meute blutrünstiger Hunde in Geiselhaft genommen wird. Vier Pfoten ist seit 1994 in Rumänien in der Streunerhilfe engagiert. Unsere Mitarbeiter holen Hunde von der Straße und kastrieren sie. Das Töten von Streunertieren hat keinen nachhaltigen Effekt, da bereits nach einer Generation eine neue Population von Hunden und Katzen den Platz einnimmt. Die Praxis bestätigt dies: Die Stadt Oradea in Westrumänien konnte mit einer Geburtenkontrollinitiative die Anzahl der streunenden Hunde in nur sechs Jahren von 4500 auf 300 reduzieren. In Lugoj (Südwesten) verringerte sich die Anzahl in drei Jahren von 2500 auf 250 usw. 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 Formelle Bezugnahme auf den Ausgangstext. Hier von der Zeitung schon vorgegeben. Erläuterungen Inhaltliche Bezugnahme auf den Ausgangstext. Darstellung der eigenen Sichtweise mit Einräumung, Konzession (ja–aber) Gegendarstellung Einräumung, Konzession Appell Argumentieren: These Argumentieren: Begründung (Argument) Argumentieren: Beispiel(e) als Stütze Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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