sprachreif, Schreibkompetenztraining 1: Argumentative und appellative Textsorten

Deutsch Oberstufe sprachreif Maria-Rita Helten-Pacher Herbert Staud Wolfgang Taubinger Schreibkompetenztraining 1 Argumentative und appellative Textsorten Aktualisiert!

sprachreif, Schreibkompetenztraining 1: Argumentative und appellative Textsorten Schulbuchnummer: 175231 Mit Bescheid des Bundesministeriums für Bildung und Frauen vom 16. März 2015, GZ BMBF-5.018/0086-B/8/2014, gemäß § 14 Absatz 2 und 5 des Schulunterrichtsgesetzes, BGBl. Nr. 472/86, und gemäß den derzeit geltenden Lehrplänen als für den Unterrichtsgebrauch für die 5.−8. Klasse an allgemein bildenden höheren Schulen-Oberstufe im Unterrichtsgegenstand Deutsch geeignet erklärt. Mit Bescheid vom 01. Oktober 2025, GZ 2025-0.471.606, teilt das Bundesministerium für Bildung mit, dass gegen die aktualisierte Fassung des Werkes sprachreif, Schreibkompetenztraining 1, BNR 175.231, kein Einwand besteht. (Lehrplan 2017) Dieses Werk wurde auf der Grundlage eines zielorientierten Lehrplans verfasst. Konkretisierung, Gewichtung und Umsetzung der Inhalte erfolgen durch die Lehrerinnen und Lehrer. Liebe Schülerin, lieber Schüler, Sie bekommen dieses Schulbuch von der Republik Österreich für Ihre Ausbildung. Bücher helfen nicht nur beim Lernen, sondern sind auch Freunde fürs Leben. Kopierverbot Wir weisen darauf hin, dass das Kopieren zum Schulgebrauch aus diesem Buch verboten ist – § 42 Abs. 6 Urheberrechtsgesetz: „Die Befugnis zur Vervielfältigung zum eigenen Schulgebrauch gilt nicht für Werke, die ihrer Beschaffenheit nach zum Schul- oder Unterrichtsgebrauch bestimmt sind.“ Die Nutzung der Inhalte dieses Werkes für Text- und Data-Mining im Sinne des § 42h Abs. 6 UrhG ist ausdrücklich vorbehalten und daher verboten. Die Inhalte dieses Werkes dürfen auch nicht zur Entwicklung, zum Training und/oder zur Anreicherung von KI-Systemen, insbesondere von generativen KI-Systemen, verwendet werden. 1. Auflage (Druck 0001) © Österreichischer Bundesverlag Schulbuch GmbH & Co. KG, Wien 2026 www.oebv.at Alle Rechte vorbehalten. Jede Art der Vervielfältigung, auch auszugsweise, gesetzlich verboten. Schulbuchvergütung/Bildrechte © Bildrecht GmbH/Wien 2026 Redaktion: Mag. Elke Fuger, Wien Herstellung: Sigrid Prünster, Wien Umschlaggestaltung: Petra Michel, Gestaltung & Typografie, Essen Layout: Susanne Hörner, Kommunikationsdesign, Bollschweil Satz: Brigitte Puschmann, Ligatur, Wien Druck: Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H., Horn ISBN: 978-3-209-13715-9 sprachreif AH Schreibkompetenztraining 1 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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2 1.2 — Bausteine erfolgreichen Schreibens Aufgabenstellungen verstehen Schreiben in der Schule wird vielfach, wie oben b sollten Sie Aufgabenstellungen rasch erfassen u Schreibaufgaben im Rahmen der schriftlichen Re ten orientieren sich an einem Aufbau, der dem f Musterthemenpaketen zur standardisierten schr seite finden. Gegenüber dem Original ist es leich quelle: https://www.bifie.at/system/files/dl/srdp_de_musterthemenpakete_ 1.2.6 – Thema: Glück Aufgabenstellung: Verfassen Sie einen offen Situation: Die Schulleitung an Ihrer Schule üb hat zu einer intensiven Diskussion unter den geführt. Im Vorfeld jener Schulgemeinschaft stellungen vorgenommen werden sollen, ver offenen Brief an die Klassensprecher/innen d strittigen Sachverhalt klar Position. Lesen Sie den Zeitungsbericht „,Glück’ als Sch (Textvorlage). Verfassen Sie nun den offenen Brief und bea — Fassen Sie die wichtigsten Informationen — Erläutern Sie die Vor- und Nachteile eines — Nehmen Sie am Schluss Stellung, wie Sie begründen Sie Ihre Position. Schreiben Sie zwischen 405 und 495 Wörter. Markieren Sie Absätze mittels Leerzeilen. AufgAbe Ab Herbst wird in sechs steirischen Schulen „Glück“ unterrichtet. Die Le sprechen dabei über Selbstwert und Empathie genauso wie über Bewegun und Körper. Alle Schultypen sind dab Wie man glücklich und zufrieden werden war lange nur in der esoterischen Ratgeberli nachzulesen. Erst seit wenigen Jahren besc sich auch die Wissenschaft mit diesem Th Nun wird diese Kunst auch an einigen öster schen Schulen gelehrt. An sechs steirischen Pflichtschulen steht a „Glück“ als Schulfach in d 2 4 6 8 10 12 Lösungen: S. 9 Ü1 Beispiel 1: journalistischer Text: Meldung oder Bericht; sachliche Stil; Information thematisiert Wiederherstellung von Recht und Ordnun in einem konkreten Fall. Beispiel 2: Kaufvertrag; Schlüsselwörter: „ver kaufen“ und „Versicherung“; zusammengesetzte Sätze sind in der Über zahl; Text informiert über verschiedene Aspekte rund um den Kauf/Ver kauf eines Autos. Beispiel 3: Märchen; Beginn ist fast mit dem übliche Beginn eines Märchens („Es war einmal“) identisch. Ü2 Typische Wörter und Wendungen: „Bergwetter“, „Entlang der Alpen nordseite“, „Sicht“, „Wolken“, „Inneralpin“, „auflockern“, „Süden“, „stürm scher Nordwestwind“, „polare Kälte“ Ü3 Kommunikationssituation/Kommunikationsform/Kommunikationsme dium: Text stammt aus der Tageszeitung „Oberösterreichische Nachrich ten“, Erscheinungsdatum: 14. Jänner 2014. Inhalt/Thema: Verhältnis von Politik und Medien. Absicht: Kritische Darstellung des Verhältnisses von Politik und Medien Kotanko behauptet, dass Presseförderung als Mittel der Einflussnahm der Politik auf die Medien eingesetzt wird; er verlangt Änderung der Pra xis: Presseförderung habe sich nur an Qualitätskriterien der Printmedie zu orientieren. Handlungsbereich: Text hat öffentlichen Charakter. Gliederung: Historisches Beispiel als Einleitung (Aussage Napoleons Hauptteil: Darstellung des Verhältnisses von Politik und Medien: zuers 8 Klasse der Gürtelwürmer (Clitellata) sowie der Ordnung der Wenigborster (Oligochaeta) an. Von den Regenwürmern sind deutschlandweit die sechs Gattungen Lumbricus, Allolobophora (synonym Aporrectodea), Dendrobaena (synonym Dendrodrilus), Octolasium, Eisenia und Eiseniellea mit insgesamt 39 Regenwurmarten bekannt. Weltweit kommen etwa 3000 Lumbricidenarten vor. che v Hier treib Senfp 20 Li tel Q malin malin ben 18 20 22 24 44 46 48 50 10 http://www.hss.de/fileadmin/media/downloads/Berichte/111 (besonders die Seiten 10 und 11). — Geeignete Texte für weiterführende Übungen: Vergleichen Sie einen Lexikonartikel über eine Region mit ein Überprüfen Sie, ob es für bestimmte Textsorten einen typischen Nehmen Sie als Beispiel den folgenden Wetterbericht. Unterstre Wendungen. a – Blindtext b – Blindtext c – Blindtext Ü1 — einen Text/Textausschnitte im Hinblick auf eine bestimmte F — Texte/Textausschnitte hinsichtlich bestimmter Eigenschaften — etwas zu charakterisieren, etwa die Sichtweise der Natur ode — die verschiedenen Sprachebenen eines Textes/Textausschnit — die Überschrift in Beziehung zum Inhalt eines Textabschnittes — einen Text nach einem bestimmten Interpretationsansatz zu — einen Bezug zwischen dem Ausschnitt eines literarischen Tex aus einem Fachtext herzustellen, — einen Aspekt zu erläutern, den ein Text darlegt, z. B. die Leben — etwas zu begründen, — einem Text eine Intention zuzuordnen. Operatoren verstehen Im folgenden Aufgaben-Beispiel sind die Operatoren wieder kurs Die Textsorte „Leserbrief“ Der Leserbrief ist eine Form der schriftlichen Stellungnahme, die um (Tageszeitung, Wochenzeitung, Wochenzeitschrift, Magazin) Verfasserin/der Verfasser, meist Leser/in dieses Mediums, äußer Thema. Dieses Thema wird in der Öffentlichkeit gerade diskutiert bzw. in wird, behandelt. Wenn die (Leserbrief-)Redaktion des Mediums e lichen, wird er in der entsprechenden Rubrik oder auf einer eigen Leserbriefe werden von vielen Menschen mit Interesse gelesen, gung hervorrufen, also zur Meinungsbildung beitragen. a – G_U 3.1 — Leserbrief Lesen Sie die Postings zu oben stehendem Z http://diepresse.com/home/panorama/welt/1 =1#kommentar0. Fassen Sie in zwei bis vier Sätzen die wesent Formulieren Sie zu einer der beiden folgende zendes Argument oder ein Gegenargument: a – „Das war nur eine weitere Aktion aus de b – „Der Event von gestern war gutes und sp event … mehr aber auch nicht.“ quelle: (http://www.sueddeutsche.de/panorama/extremsportler-felix2?commentspage=all:1:#comments; 04. 10 .2013) Vergleichen Sie die beiden folgenden Posting a – „Nach dem ‚Sinn‘ darf man bei solchen A fragen können, weshalb Seefahrer sich a zu entdecken, man hätte nach dem Sinn in Maschinen setzen … hinter vielen Din b – „Allen, die nach dem Sinn der Aktion fra Machen Sie sich bitte nicht lächerlich od Es geht um Entwicklung, von den Bäum Mit all den sinnvollen und sinnlosen Sac Wenn Sie diese Brücke nicht schlagen kö Bestimmen Sie in Posting a) jene Merkmale, Merkmale, die für einen Leserbrief noch dazu Formulieren Sie Posting a) zu einem kurzen L Antworten Sie dem Verfasser von Posting b), hinweisen. Lesen Sie die beiden folgenden Leserbriefe a Ü3 Ü4 Ü5 Ü6 Ü7 Ü8 Ü9 Bald schaut die halbe Welt zu, wie ein stolz können wir feststellen, dass er ein cher ist – einen Sprung wagt, den er 1:1-Chance nicht überleben wird. Man nig darüber, dass der Gewinn an wiss chen Erkenntnissen eher bescheiden wird, aber „überlebt er den Sprung, ist es te Erfolg … Red Bulls“. Auch „Die Press von einem „gigantischen Werbe- und M projekt“. Wenn ein Mensch sich in der Nacht vor wirft, erfährt man bestenfalls unter der H Schaffner, was vorgefallen ist, und liest ten Tag mit Sicherheit nichts in der Zei rum? Um weitere Suizidgefährdete nich animieren. Geht es denn hier nicht auc Grenzüberschreitungen „,Baumgartner hat Fifty-fifty-Chance 2 4 6 8 10 12 14 16 Einleitung: Zur Arbeit mit diesem Buch Dieses Buch will Ihre Schreibkompetenz zu den argumentativen Textsorten langfristig aufbauen, es ist daher als Training von der 9. bis zur 12./13. Schulstufe gedacht. Auf die grundlegenden Übungen zum Schreiben und zum Argumentieren im 1. und 2. Kapitel sollen Sie beim Üben immer wieder zurückgreifen. Das 3. Kapitel schreitet von den einfacheren zu den komplexeren Textsorten. Es konzentriert sich auf die vier bei der schriftlichen Reife- und Diplomprüfung vorgesehenen argumentativen und appellativen Textsorten Leserbrief, Erörterung, Kommentar und Meinungsrede. Es behandelt aber in kürzerer Form auch die in Lehrplänen vorgesehenen Textsorten offener Brief und Empfehlung, denn auch mit diesen Textsorten übt man die Grundmuster des Argumentierens und Appellierens. Der Aufbau des Buchs trägt der Tatsache Rechnung, dass die Aufgabenstellungen bei den Schularbeiten häufig, bei der Reife- und Diplomprüfung immer darin bestehen, Texte nicht nur zu schreiben, sondern vorgegebene Ausgangstexte zu lesen und sich mit ihnen gemäß der Aufgabenstellung auseinanderzusetzen. Im ersten Abschnitt finden Sie daher nach grundsätzlichen Überlegungen zum Schreiben Hilfestellungen für das sinnerfassende Lesen. Weiters werden jene Bereiche thematisiert, die für erfolgreiches Schreiben wichtig sind: Aufgabenstellungen verstehen, einen Schreibplan erstellen, verschiedene Möglichkeiten des Sammelns und Ordnens von Ideen und das Überarbeiten von Texten. Am Ende des ersten Abschnitts werden Ihnen verschiedene Schreibtypen vorgestellt. Zusätzlich erhalten Sie Anregungen und Tipps für das Schreiben, wenn Deutsch Ihre Zweitsprache ist. Der mittlere Abschnitt setzt sich intensiv mit dem Argumentieren und Appellieren auseinander, weil Sie diese Schreibhandlungen für alle in diesem Buch behandelten Textsorten benötigen. Im dritten Abschnitt wird jede einzelne Textsorte in einem Kapitel thematisiert. Jedes Kapitel folgt einem systematischen Aufbau, der Sie mit der jeweiligen Textsorte vertraut machen soll. Zu Beginn wird die Textsorte definiert. Es folgt eine Übersicht über die textsortenspezifischen Anforderungen an Situation, Adressat/in, Inhalt, Absicht, Gliederung, Sprache. Beim Üben sollten Sie immer wieder überprüfen, wie gut Ihre Texte diese Anforderungen erfüllen, denn nach diesen Kriterien werden Ihre Texte schließlich auch beurteilt – egal ob bei Schularbeiten, bei der Reife- oder Diplomprüfung oder später im Studium und Berufsleben. Es folgen Übungen zu verschiedenen Mustern des Aufbaus, der Argumentation, zu Ausdruck, Stil und Sprache sowie Übungen zur Überarbeitung von Texten. Somit können Sie sich Schritt für Schritt jede Textsorte aneignen. Den Abschluss jedes Kapitels bildet eine Schreibaufgabe nach dem Muster der Reife- und Diplomprüfung, ergänzt durch Hinweise zu ihrer Lösung. Im fünften Abschnitt finden Sie grundsätzliche Überlegungen zum Beurteilen schriftlicher Arbeiten im Fach Deutsch, die auf das Beurteilungsmodell der neuen schriftlichen Reife- und Diplomprüfung ausgerichtet sind. Am Ende des Buches finden Sie alle Lösungen zu Übungen und Aufgaben für Ihre Selbstkontrolle. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg beim Üben mit diesem Buch und bei Ihren schriftlichen Prüfungen. Maria-Rita Helten-Pacher Herbert Staud Wolfgang Taubinger Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

3 Inhaltsverzeichnis Einleitung/Zur Arbeit mit dem Buch ------------------------------------------------------ 2 1 Argumentative und appellative Texte schreiben 4 1.1 Texte verfassen – eine Herausforderung ------------------------------------------------- 4 1.2 Bausteine erfolgreichen Schreibens ------------------------------------------------------ 4 1.2.1 Die Fünf-Schritte-Lesemethode ----------------------------------------------------------- 4 1.2.2 Die Textsorten der schriftlichen Reife- und Diplomprüfung im Überblick --------------- 5 1.2.3 Zum Begriff Textsorte und Schreibhandlung ---------------------------------------------- 5 1.2.4 Merkmale, die Textsorten charakterisieren - --------------------------------------------- 6 1.2.5 Den Umgang mit Textsorten trainieren --------------------------------------------------- 9 1.2.6 Aufgabenstellungen verstehen - ---------------------------------------------------------- 11 1.2.7 Einen Schreibplan erstellen --------------------------------------------------------------- 15 1.2.8 Hilfestellungen zum Sammeln und Gliedern von Ideen ---------------------------------- 16 1.2.9 Texte überarbeiten - ----------------------------------------------------------------------- 17 1.2.10 Sich als Schreibtyp richtig einschätzen --------------------------------------------------- 20 1.2.11 „Die schreckliche deutsche Sprache“ oder die Tücken des Schreibens in der Zweitsprache Deutsch ----------------------------------------------------------------- 21 1.2.12 Die KI zum Schreibtraining nutzen -------------------------------------------------------- 23 1.2.13 Überlegungen und Tipps zum Schreiben in der Zweitsprache Deutsch ----------------- 24 2 Kompetenzaufbau Argumentieren und Appellieren 25 2.1 Die strittige Frage ------------------------------------------------------------------------ 25 2.2 Die Schreibhandlung Argumentieren ---------------------------------------------------- 26 2.3 Argumente in Texten erkennen ---------------------------------------------------------- 28 2.4 Ein erweitertes Grundmuster des Argumentierens: Die Einräumung (Konzession) -- - 29 2.5 Argumente verbinden -------------------------------------------------------------------- 30 2.6 Die Schreibhandlung Appellieren -------------------------------------------------------- 33 2.7 Übungsmöglichkeiten -------------------------------------------------------------------- 36 3 Schritt-für-Schritt-Textsortentraining 37 3.1 Leserbrief --------------------------------------------------------------------------------- 37 3.2 Erörterung -------------------------------------------------------------------------------- 51 3.3 Kommentar ------------------------------------------------------------------------------- 66 3.4 Offener Brief (keine SRDP-Textsorte) ---------------------------------------------------- 77 3.5 Meinungsrede ---------------------------------------------------------------------------- 82 Stilmittel (rhetorische Mittel) verwenden ----------------------------------------------- 87 3.6 Empfehlung (keine SRDP-Textsorte) ----------------------------------------------------- 91 4 Ein Thema – sechs Schreibaufgaben 4.1 Ein Themenbereich – sechs Aufgabenstellungen zu den unterschiedlichen Textsorten - ------------------------------------------------------------------------------- 99 5 Beurteilung 108 Text- und Bildquellenverzeichnis - ------------------------------------------------------- 109 Lösungen ---------------------------------------------------------------------------------- 1 11 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

4 1.1 — Texte verfassen – eine Herausforderung Argumentative und appellative Texte schreiben Texte verfassen – eine Herausforderung Das Schreiben von Texten ist eine anspruchsvolle Tätigkeit. Eine Schreiberin/Ein Schreiber muss nämlich eine Reihe von Herausforderungen bewältigen, um einen gelungenen Text zu produzieren: Die Schreibenden müssen — ein mögliches Schreibziel ins Auge fassen — das entsprechende Sachwissen abrufen — einen Schreibplan erstellen — an die Empfänger/innen des Textes denken und ihre Erwartungen berücksichtigen — Ideen sammeln und ordnen — das unscharfe Schreibziel präzisieren — eine angemessene Gliederung des Textes vornehmen — die Ideen und Gedanken in verständliche, klare Ausdrücke bringen — die Normen der Sprache berücksichtigen — den Text überarbeiten Schreiben in der Schule setzt meistens eine Aufgabenstellung voraus. Diese erfordert in einem Fall weniger Selbstständigkeit, in einem anderen Fall mehr. Einfacher scheinen in der Regel Zusammenfassungen, schwieriger hingegen sind solche Schreibaufträge, die ein Ziel vorgeben, von dem die Schreiberin/der Schreiber am Anfang noch keine klaren Vorstellungen hat. Das ist bei Schularbeiten ebenso der Fall wie bei der schriftlichen Reife- und Diplomprüfung. Wenn Sie die oben genannten Anforderungen mit verschiedenen Texten in immer wieder veränderten Situationen in der Schule bewältigen, dann sind Sie eine erfolgreiche Schreiberin/ein erfolgreicher Schreiber. Denn Sie wissen, was zu tun ist, um einen Text zu verfassen, und können dieses Wissen auch anwenden. Sie sind schreibkompetent. Wer sich einer solchen Herausforderung stellt, ist über Hilfestellungen vermutlich froh. Dieses Buch bemüht sich, Ihnen für die Oberstufe solche Hilfestellungen als Vorbereitung für Schularbeiten und die schriftliche Reife- und Diplomprüfung aus Deutsch anzubieten. Bausteine erfolgreichen Schreibens Die Fünf-Schritte-Lesemethode Schulisches Schreiben ist häufig gekoppelt mit dem Lesen eines fremden Textes. Dies gilt für Hausübungen, Schularbeiten und ganz besonders für die schriftliche Reife- und Diplomprüfung, bei der jede Aufgabenstellung mit mindestens einem zu lesenden Text gekoppelt ist, mit dem Sie sich gemäß der Aufgabenstellung auseinandersetzen müssen. Die Fünf-Schritte-Lesemethode hilft Ihnen dabei. Schritt 1: den Text überfliegen und sich einen inhaltlichen Überblick verschaffen — Vorwissen abrufen — Erwartungen beschreiben, die die Überschrift weckt — Textsignale berücksichtigen, z. B. eine den Inhalt der Vorlage zusammenfassende Einleitung, Zwischenüberschriften, Abbildungen — Überlegungen zur vorliegenden Textsorte anstellen Schritt 2: Leseschwierigkeiten überwinden — unbekannte Wörter aus dem Kontext erschließen oder nachschlagen — schwer verständliche Textstellen umformulieren 1 1.1 – 1.2 – 1.2.1 – Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

5 1.2 — Bausteine erfolgreichen Schreibens Schritt 3: Textinhalt erschließen — Fragen an den Text stellen (z. B. W-Fragen) — Schlüsselwörter markieren — Randnotizen machen — Zusammenhänge durch Symbole markieren Schritt 4: Text- bzw. Inhaltsstruktur ermitteln — gedankliche Zusammenhänge zwischen den Textinhalten überprüfen — jeden Absatz zusammenfassen (z. B. durch Stichwörter, Wortgruppen, Ein-Satz-Zusammenfassungen, Zwischenüberschriften) — Merkmale der vorliegenden Textsorte berücksichtigen Schritt 5: Wiederholen — wichtigste Aussagen/Informationen wiederholen — Fragen beantworten — mögliche Intention(en) des Textes nennen — Inhalt des Textes wiedergeben – schriftlich oder mündlich quelle: http://files.schulbuchzentrum-online.de/onlineanhaenge/files/978-3-14-290621-8-1-l.pdf; 23.01.2014 Die Textsorten der schriftlichen Reife- und Diplomprüfung im Überblick Die schriftliche Reife- und Diplomprüfung aus Deutsch verlangt von den Kandidatinnen und Kandidaten, dass sie in der Lage sind, folgende sieben Textsorten zu verfassen: — Leserbrief — Erörterung — Kommentar — Meinungsrede — Textinterpretation — Textanalyse — Zusammenfassung Zum Begriff Textsorte und Schreibhandlung In diesem Abschnitt erklären wir Ihnen, welche Bewandtnis es mit dem Begriff Textsorte auf sich hat. Die Menschen vereinfachen die Kommunikation miteinander, indem sie in häufig wiederkehrenden Kommunikationssituationen – etwa beim Verfassen einer E-Mail, eines Berichts über ein besonderes Ereignis, der Beschreibung eines Gegenstands – bestimmte sprachliche Muster verwenden. Diese Muster werden auch Textsorten genannt. Solche Textsorten haben häufig eine typische sprachliche Form und weisen Textbausteine auf, die in ähnlicher Weise in vergleichbaren Texten wiederkehren. Denken Sie an eine Inhaltsangabe: Der erste Satz – der Textbaustein Einleitungssatz – nennt meistens den Namen der Autorin/des Autors, den Titel des jeweiligen Textes, eventuell den Schauplatz sowie die Zeit, in der die Handlung spielt. Auch ein erster Hinweis auf den Handlungskern findet sich häufig. Ein anderes Beispiel: Berichte über besondere Ereignisse in den Medien fassen am Beginn das Wichtigste zusammen, bevor der Hauptteil die Details zum Geschehen liefert. Wichtig im Zusammenhang mit Textsorten ist Folgendes: Sie lassen sich nicht eindeutig beschreiben, weil es die Erörterung oder den Leserbrief nicht gibt. Textsorten sind eine Mischung aus verschiedenen Möglichkeiten, Sprache zu gebrauchen – dem Erzählen, Berichten, Beschreiben, Erklären, Argumentieren und Appellieren. Stellen Sie sich vor, Sie müssen eine Meinungsrede halten. Sie sollen also Argumente für oder gegen eine Sache, eventuell gegen die Anliegen einer Person, vorbringen und die Zuhörer/innen zu einem bestimmten Handeln bewegen. In einem solchen Zusammenhang werden Sie vor allem argumentieren und appellieren, aber Sie können auch etwas berichten, beschreiben oder zur Veranschaulichung eines Arguments eine kleine Geschichte erzählen. Ein anderes Beispiel: Wer ein Fahrrad im Internet zum Verkauf anbietet, wird dessen Aussehen und Zustand beschreiben. Gleichzeitig enthält die Beschreibung direkte oder indirekte Appelle an die Leser/innen, das Fahrrad zu kaufen. Diese unterschiedlichen Möglichkeiten des Schreibens nennt man Schreibhandlungen. 1.2.2 – 1.2.3 – Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

6 1.2 — Bausteine erfolgreichen Schreibens Um eine bestimmte Textsorte zu verfassen, müssen Sie also unterschiedliche Schreibhandlungen beherrschen. Die wesentlichen Schreibhandlungen für die vier argumentativ-appellativen Textsorten sind logischerweise das Argumentieren und Appellieren. Wichtig ist auch das Verhältnis dieser beiden Schreibhandlungen zueinander. Eine Erörterung enthält beispielweise kaum einen Appell, während eine Meinungsrede einen hohen Anteil an Appellen aufweisen kann. Die in diesem Buch immer wieder genannten Textsortenmerkmale sollten Sie nicht als Listen verstehen, die Punkt für Punkt abgearbeitet werden müssen, sondern als Orientierungshilfe. Sie werden daher eine Schreibaufgabe nicht bewältigen können, wenn Sie die Merkmale eines Kommentars vollzählig aufzählen können, sondern Sie müssen in der Lage sein, einen Kommentar zu schreiben, der den Anforderungen der Schreibaufgabe genügt. Merkmale, die Textsorten charakterisieren Obwohl es von keiner Textsorte eine eindeutige Auflistung ihrer Merkmale gibt, lassen sich doch Aspekte nennen, mit deren Hilfe wir über das Wesen einer Textsorte sprechen können: 1.2.4 – Kommunikationssituation/ Kommunikationsform/ Kommunikationsmedium Im Mittelpunkt dieses Aspekts steht die Frage, wer den Text produziert hat und für wen er gedacht ist. Wenn entsprechende Informationen verfügbar sind, so spielen auch Überlegungen zu Raum und Zeit eine Rolle: In welchem kulturellen Umfeld ist der Text entstanden? In welcher Zeit? Weiters ist zu fragen, ob es sich um einen schriftlichen oder mündlichen Text handelt und mit welchem Medium – Telefon, Rundfunk, Fernsehen, Computer, Mobiltelefon – er weitergeleitet wurde. Inhalt/Thema Damit ist der Gedankengang eines Textes gemeint, der sich auf Personen, Gegenstände, Handlungen, Vorstellungen usw. beziehen kann. Wenn wir den Inhalt auf die knappest mögliche Form verkürzen, benennen wir das Thema des jeweiligen Textes. Absicht Wer einen Text schreibt, geht vielfach eine Beziehung zur Empfängerin/zum Empfänger des Textes ein. Nach der Absicht, die die Schreiberin/der Schreiber verfolgt, können wir verschiedene Textfunktionen unterscheiden. Eine einfache Einteilung unterscheidet zwischen darstellenden, appellierenden, argumentierenden und Gefühle ausdrückenden Texten. Handlungsbereich Texte können privaten, öffentlichen oder offiziellen Charakter haben. Der Geschäftsbrief weist ein anderes Vokabular auf als ein persönlicher Brief. Seine Aussagen haben einen anderen Grad an Verbindlichkeit als jene eines privaten Briefes. Gliederung Viele Texte weisen formal eine dreiteilige Gliederung auf, die aus der Einleitung, dem Hauptteil sowie dem Schluss besteht. Die Aufgabe dieser drei Abschnitte besteht in den meisten Fällen darin, zum Thema hinzuführen (Einleitung), es auszuführen (Hauptteil) und die angestellten Überlegungen zusammenzuführen (Schluss). Sprache Texte weisen stilistische Eigenheiten auf, die mit ihrer Funktion zu tun haben. Wortwahl und Satzbau eines Textes sind daher auch unter diesem Aspekt zu betrachten. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

7 1.2 — Bausteine erfolgreichen Schreibens Beispiel für eine Meinungsrede einer Schülerin (gehalten im Jugend-Redewettbewerb 2024, WIENXTRA Schulevents), transkribierte, gekürzte Originalfassung: Johanna Reiter Wissen wir, was wir tun? Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte meine Rede gerne mit einer kurzen Geschichte beginnen, einer Geschichte von einem Mädchen, nennen wir sie Sophie. Sophie ist vierzehn Jahre alt und ist auf dem Weg zur Schule. In ihrer Hand, wie immer, ihr Handy. Ein ständiger Begleiter. Ihre Bildschirmzeit hat sie schon längst abgestellt. Sie will nicht wissen, wie viel sie wirklich am Handy ist. Es ist ihr nicht wirklich wichtig. Alle sind so viel am Handy, es ist normal. Anstatt dass sich Sophie mit diesem Problem beschäftigt, scrollt sie lieber auf TikTok oder sie snappt mit ihrer besten Freundin oder sie liked Storys auf Instagram. Wenn es zu Hause wieder einmal kracht, flüchtet sich Sophie in ihre Onlinewelt und schaltet auf Durchzug. Nur ihr WLAN, das lässt sie an. Denn auf ihrem Account ist sie perfekt. Keine streitenden Eltern und auch keine unreine Haut. Und wenn Sophie dann doch einmal ihr Handy weglegt, streamt sie Serien auf Netflix oder spielt Computerspiele. […] Sie denken sich vielleicht, das war eben nur eine fiktive Geschichte, fern von der Realität. Aber was wäre, wenn ich Ihnen sagen würde, dass es dieses Mädchen, Sophie, dass es sie wirklich gibt? Sie sitzt sogar unter uns. Sie ist eine von uns. Sie ist unauffällig, angepasst, aber vor allem ist sie online. Kinder verbringen von klein auf Zeit mit technischen Geräten, bekommen mit drei ihr erstes Tablet und mit sechs ihr erstes Handy. Und wäre die Onlinezeit so schon nicht hoch genug, stieg sie durch Corona noch drastisch. […] Aufgrund so hoher Bildschirmzeiten und der andauernden, auf technische Geräte hinuntergebeugten Haltung sind Nacken- und Rückenschmerzen schon in jungen Jahren keine Seltenheit. Außerdem führe Blaulicht, das Licht, das von elektronischen Geräten wie Handy oder Laptop ausgeht, zu verheerenden Schäden unserer Netzhaut und dadurch zu Sehproblemen, warnten Forscher der US Universität Toledo im Fachmagazin Scientific Reports bereits im Sommer 2018. Weiters mache uns Blaulicht erwiesenermaßen unruhig und aufgrund der Störung unseres inneren Tag-Nacht-Zyklus wird eines der lebenswichtigsten Dinge unseres Körpers, der Schlaf, gestört. […] Eine weitere besorgniserregende Studie des Cincinnati Children‘s Hospital Medical Center aus den USA zeigte, dass bei Kindern, die eine zu hohe Bildschirmzeit für ihr Alter hatten, weniger weiße Schicht im Gehirn vorhanden war. Die weiße Schicht heißt Myelin, eine Fettschicht der Axone der Nervenzellen, die die Informationsübertragung im Gehirn beschleunigt. Vor allem der Bereich, der für die Entwicklung der Sprache zuständig ist, war besonders betroffen. Also auf gut Deutsch: Kinder, die zu viel Zeit auf digitalen Medien verbringen, entwickeln ihre Sprache langsamer beziehungsweise bekommen Sprachprobleme. Außerdem geht durch die Zeit, die Kinder vor ihren technischen Geräten verschwenden, Zeit verloren, die frühere Generationen für echtes, körperlich betontes Spiel verwendeten. Diese Zeit wäre jedoch unbedingt notwendig für die Grobmotorik und die Entwicklung der sozialen Kompetenzen. […] Und neben diesen ganzen Auswirkungen des zu hohen Konsums leidet außerdem die Psyche des Menschen. Kinder leben nicht in der Realität, sie leben in fiktiven Welten irgendwo im Internet, wo man mit Pistolen andere Menschen abknallt, wo Menschen durch Filter bearbeitet wurden und dadurch keinen einzigen Pickel und den perfekten Körper aufweisen. Doch das ist nicht die Realität. Und das zu verstehen, zu verinnerlichen, wird in Zukunft eine der größten Herausforderungen für die nachfolgenden Generationen werden. […] Wissen wir, was wir da tun? Wissen wir, sind wir uns bewusst, dass wir unseren Augen, unserer Konzentrationsfähigkeit, unserer psychischen Gesundheit, uns selbst durch die im Internet verbrachte Zeit schaden? Die Antwort auf diese Frage lautet wohl nein. Vielleicht ahnen manche von uns, dass der zu hohe Konsum verwirrende Nachwirkungen haben wird, aber viele von uns unterschätzen das. Dabei bezweifle ich, dass die Folgen digital verbrachter Zeit sich überhaupt auf die genannten Beispiele beschränken werden. Ganz im Gegenteil. Ich bin davon überzeugt, dass die Folgen noch weitaus gravierender sein werden, als wir uns vorstellen und dass wir unseren Konsum noch bereuen werden, dass wir wünschten, unsere Eltern hätten uns früher öfter unser Handy oder unser Tablet weggenommen. Und genau deshalb möchte ich an Sie, an euch, an uns alle appellieren: […] Wir sind die, die unsere Bildschirmzeit und die unserer Mitmenschen kontrollieren könnten. Die, die sich mit geliebten Menschen im echten Leben treffen könnten, anstatt ihnen nur eine kurze Nachricht zu schreiben. Die, die an die frische Luft gehen könnten, anstatt einen weiteren Tag nur in ihren Zimmern herumzusitzen. Wir könnten so viel, nur der Punkt ist: Können ist zu wenig. Daher, sehr geehrte Damen und Herren, lassen Sie es uns auch tun. Lassen Sie uns unsere Handys einmal weglegen und den Blick wieder in die reale Welt richten. Lassen Sie uns wieder in die Augen unserer Familie und Freunde schauen und nicht am Ende des Tages nur ins blaue Licht. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! quelle: https://www.youtube.com/watch?v=jghbjiB0cjo; 13.03.2025; Transkription der Rede: Maria-Rita Helten-Pacher (teilweise gekürzt) Mehr Infos zum jährlich stattfindenden Wettbewerb: https://www.wienxtra.at/ schulevents/redewettbewerb (13.3.2025) 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 90 92 94 96 98 100 102 104 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

8 1.2 — Bausteine erfolgreichen Schreibens Analyse des Beispiels „Wissen wir, was wir tun?“ Kommunikationssituation/ Kommunikationsform/ Kommunikationsmedium Jedes Jahr findet ein österreichweiter Jugendredewettbewerb statt, der vom Bundeskanzleramt koordiniert wird. Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Schulformen und Altersgruppen können in verschiedenen Kategorien antreten und über Themen reden, die ihnen am Herzen liegen und die ihre Generation besonders betreffen. Aufgezeichnete Reden ab 2018 kann man unter folgendem Link einsehen: https://www.youtube.com/@wienxtra-schulevents2924/playlists; 13.03.2025 Die hier vorgestellte Rede stammt von Johanna Reiter aus der AHS De La Salle Strebersdorf, Wien. Sie wurde beim Wiener Landesfinale vom JUGEND-REDEWETTBEWERB 2024 Drittplatzierte in der Kategorie Klassische Rede 8. Schulstufe. Inhalt/Thema Das Thema dieser Rede ist die oft überbordende Zeit, die Jugendliche im Internet verbringen und welche Gefahren damit einhergehen. Die Rednerin führt an, dass viele Kinder und Jugendliche schon sehr früh über Handys und Tablets Zugang zum Internet bekommen und dieses ihr Leben stark dominiert. Sie verweist auf wissenschaftliche Studien, die beunruhigende Folgen des zeitintensiven Internetkonsums von Jugendlichen dokumentieren. Absicht Die Rednerin zeigt anhand persönlicher Beobachtungen auf, welche Folgen eine übermäßige Flucht ins Internet bei Jugendlichen haben kann. Sie will auf gesundheitliche Risiken ebenso hinweisen wie auf soziale Folgen, wenn Kinder und Jugendliche zu viel Zeit im Internet verbringen. Durch die Hinweise auf wissenschaftliche Studien zu dem Thema untermauert sie ihre Aussagen und zeigt auch auf, dass der zeitintensive Internetkonsum ein globales Phänomen ist. Sie mahnt, mehr Verantwortung zu übernehmen und sich wieder echten Beziehungen und der realen Welt, wie auch der Natur, zuzuwenden. Handlungsbereich Reden, die in einem schulischen Redewettbewerb gehalten werden, wenden sich direkt an das anwesende Publikum, das zahlenmäßig überschaubar ist. Durch die Veröffentlichung in den sozialen Medien kann ein größeres Publikum erreicht werden. Die Rednerin wendet sich in ihrem Appell an ihr persönliches Umfeld. Gliederung Eine kurze, beispielhafte Geschichte über ein vierzehnjähriges Mädchen, das ständig im Internet surft, leitet den Text ein. Die Rednerin begründet diese intensive Internetnutzung mit der Flucht vor realen familiären oder schulischen Problemen in die Onlinewelt, in der häufig Perfektion vorgegaukelt wird. Anschließend werden gesundheitliche, entwicklungspsychologische und soziale Gefahren von zu intensiver Internetnutzung angeführt und der Verlust von realen Erlebnissen beklagt. Die Rednerin mahnt, sich der schädlichen Folgen ü bertriebenen Internetkonsums bewusst zu sein und wieder mehr auf Begegnungen in der Realität, auch der Natur, zu konzentrieren. Sprache Dem Charakter der Meinungsrede (= Überzeugungsrede) entspricht – die direkte Ansprache der Adressatinnen und Adressaten: Sie denken sich vielleicht …; Daher, sehr geehrte Damen und Herren, … – die Einbeziehung aller Angesprochenen: Und genau deshalb möchte ich an Sie, an euch, an uns alle appellieren … – die Verwendung einer Reihe rhetorischer Stilmittel: • Alliteration: Wissen wir, was wir tun? … • Wiederholungen: Lassen Sie …, Lassen Sie … • Wiederaufnahme: … Geschichte beginnen, einer Geschichte …; Wir sind die …, die … • Parallele Satzkonstruktionen: Sie ist eine von uns. Sie ist unauffällig … • (Rhetorische) Fragen: Aber was wäre, wenn ich Ihnen sagen würde …? • Imperative: Lassen Sie uns unsere Handys einmal weglegen … • Aufzählungen: … scrollt … snappt … liked … • Ellipsen: In ihrer Hand, wie immer, ihr Handy. Ein ständiger Begleiter. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

9 1.2 — Bausteine erfolgreichen Schreibens 1.2.5 Den Umgang mit Textsorten trainieren Ordnen Sie folgende Sätze einer bestimmten Textsorte zu. Begründen Sie Ihre Entscheidung. Beispiel 1: Der Polizei ist ein Schlag gegen eine seit langem gesuchte Traktordiebesbande gelungen. Textsorte: Beispiel 2: Wird das Fahrzeug verkauft, so gehen sämtliche Versicherungen (Haftpflicht-, Kasko-, Insassenunfallvers.) auf den Erwerber über, wobei sowohl Verkäufer als auch Käufer für offene Prämienschulden des laufenden Versicherungsjahres haften. Viele Versicherer akzeptieren eine Mitteilung ihres Versicherungsnehmers über den Verkauf eines Fahrzeuges mit einer gleichzeitigen Kündigung. Wer sichergehen will, dass der Versicherungsvertrag nicht weiterläuft, lässt sich vom Käufer ein Kündigungsschreiben unterfertigen, das er eingeschrieben an seine Versicherung schickt. Textsorte: Beispiel 3: Es war ein Mann, der hatte drei Söhne und weiter nichts im Vermögen als das Haus, worin er wohnte. Textsorte: quellen: Beispiel 1: https://kurier.at/chronik/burgenland/polizei-schnappt-traktordiebe/47.162.159; 29.03.2025 Beispiel 2: https://www.oeamtc.at/thema/autokauf/oeamtc-kaufvertrag-zur-verwendung-zwischen-privatpersonen-16183846; 29.03.2025 Beispiel 3: https://www.deutschestextarchiv.de/book/view/grimm_maerchen02_1819?p=262; 29.03.2025 Überprüfen Sie, ob es für bestimmte Textsorten einen typischen Wortschatz gibt. Nehmen Sie als Beispiel den folgenden Wetterbericht. Unterstreichen Sie die dafür typischen Wörter und Wendungen. Italientief bringt am Montag Schnee ins Land Ü1 Ü2 In Deutschland sind viele Jugendliche nicht in der Lage, Fake News im Internet zu erkennen, zeigt eine aktuelle Sonderauswertung der Pisa-Studie. Für Österreich sind die entsprechenden Daten noch nicht publiziert. Wie OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher am Dienstag im Ö1-Morgenjournal erklärte, schneiden aber auch hierzulande die 15-Jährigen schlecht ab. In Österreich schaffen es nur 44 Prozent der Jugendlichen, die Qualität von Informationen im Netz zu prüfen. Im OECD-Schnitt waren es über 50. Außerdem teile mehr als jede und jeder dritte Jugendliche Informationen auf Social Media, ohne davor deren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Damit befindet sich Österreich dem Bericht zufolge am Ende der Statistik, hinter Bulgarien und vor Marokko. In Deutschland, wo die nationale Analyse am Montag veröffentlicht wurde, vertrauen 51 Prozent der Jugendlichen dem, was sie online finden, „eher PISA-STUDIE Nur 44 Prozent der Teenager erkennen Fake News Damit liegt Österreich im Vergleich mit anderen OECD-Staaten am Ende der Statistik. Laut OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher müsse man bei Schulen ansetzen. 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 Mit einem Italientief überwiegen am Montag die Wolken und verbreitet ist mit Schneeregen und Schneefall zu rechnen. Im Westen und im nördlichen Alpenvorland schneit es bis in tiefe Lagen, auch im Osten geht der Regen tagsüber langsam wieder in Schneefall über. Am meisten regnet es im Süden und Südosten, dort liegt die Schneefallgrenze meist zwischen 400 und 700 Metern Seehöhe. Der Wind weht schwach bis mäßig aus Nordwest bis Nordost. Die Frühtemperaturen betragen minus drei bis plus drei Grad, die Tageshöchsttemperaturen ein bis vier Grad Celsius. quelle: https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/winter-kehrt-mit-schnee-und-regen-zurueck-55101787; 29.03.2025 Charakterisieren Sie den folgenden Text mit Hilfe der unter 1.2.4 angeführten Merkmale: Kommunikationssituation, -form, -medium; Inhalt; Absicht; Handlungsbereiche; Gliederung; Sprache. Ü3 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

10 1.2 — Bausteine erfolgreichen Schreibens nicht“, 11,5 Prozent „überhaupt nicht“. Nur 28,6 Prozent diskutieren im Unterricht gelegentlich den Wahrheitsgehalt von Online-Informationen, 5,3 Prozent häufig. Mit Eltern oder Mitschülern finden diese Gespräche etwas häufiger statt. 12,9 Prozent teilen gelegentlich bewusst falsche Informationen, 4,5 Prozent machen das öfter. Diese konkreten Zahlen liegen in Österreich noch nicht vor. Bei den im Pisa-Test erhobenen Kompetenzen in Lesen und Naturwissenschaften erreichen österreichische und deutsche Schülerinnen und Schüler aber beinahe die gleiche Punktzahl. In Mathematik waren die österreichischen Jugendlichen etwas besser. OECD-Bildungsdirektor Schleicher nimmt Schulen in die Pflicht Zur Verbesserung der Situation müsste man laut Schleicher vor allem in den Schulen ansetzen. Unter Lesekompetenz werde heute noch viel zu oft das Verarbeiten von Information verstanden, so der OECD-Bildungsdirektor. Während man früher die Inhalte von Schulbüchern einfach auswendig gelernt habe, müsse man heute Informationen auch hinterfragen. „Das ist also etwas, was in Österreich noch nicht so zur Geltung kommt.“ Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, denen die Bewertung von Informationen leichtfalle, liege in Österreich deutlich unter dem OECD-Mittel. In Ländern wie Singapur, Irland und Dänemark können Jugendliche besonders gut mit Online-Informationen umgehen. Dort werde im Schulalltag auch oft behandelt, wie man Falschinformationen von echten unterscheiden könne. „Das wird in allen Schulfächern ernst genommen, dass man ein faktenbasiertes Weltbild schafft, dass man Informationen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, dass man sich kritisch mit verschiedenen Informationsquellen auseinandersetzt“, meinte Schleicher. Das sei auch wichtig in einer demokratischen Gesellschaft. Immerhin baue diese darauf auf, dass man Meinungen miteinander teile, bewerte und gemeinsam zu faktenbasierten Schlussfolgerungen komme. „Wenn dieses Wissen fehlt, dann hat das schon große Auswirkungen.“ Eine Studie an der Universität Berkeley kommt übrigens zu dem Schluss, dass es ratsam ist, Kinder nicht von Fake News abzuschotten, sondern sie bewusst damit zu konfrontieren. Damit ließe sich ihre natürliche Skepsis fördern. Und das, noch bevor sie überhaupt in die Schule kommen. Erwachsene trauen sich eher zu, Fake News zu erkennen Geht es um erwachsene Österreicherinnen und Österreicher, dann sind die in Sachen Fake News gefestigter als die Jugendlichen. Zumindest ihrer eigenen Meinung nach. Laut Eurobarometer-Studie aus dem Jahr 2022 zeigen sich 15 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher sehr zuversichtlich, Desinformationen zu erkennen, 55 Prozent eher zuversichtlich. Damit liegen sie über dem EU-Schnitt. Auf die Frage, wie oft sie in den sieben Tagen vor der Befragung Fake News erkannt hätten, antworteten aber nur acht Prozent mit „sehr oft“ und 16 Prozent mit „oft“. Das wiederum liegt unter dem EU-Schnitt. (APA, miwi, 28.1.2025) quelle: Der Standard, 28.01.2025; abrufbar unter: https://www.derstandard.at/story/3000000254828/nur-44-prozent-derteenager-erkennen-fake-news; 08.04.2025, teilweise gekürzt 22 24 26 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 82 84 Kommunikationssituation/ Kommunikationsform/ Kommunikationsmedium Inhalt/Thema Absicht Handlungsbereich Gliederung Sprache Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

11 1.2 — Bausteine erfolgreichen Schreibens Aufgabenstellungen verstehen Schreiben in der Schule wird vielfach, wie oben bereits festgestellt, durch Aufgaben gesteuert. Deswegen sollten Sie Aufgabenstellungen rasch erfassen und möglichst problemlos verstehen können. Schreibaufgaben im Rahmen der schriftlichen Reifeprüfung aus Deutsch und (weitgehend) auch bei Schularbeiten orientieren sich an einem Aufbau, der dem folgenden Beispiel entspricht. Es stammt aus dem Aufgabenheft für die SRDP im Jahr 2018. Prüfungsaufgaben zur SRDP ab dem Jahr 2013 sowie Übungsaufgaben finden Sie auf der vom Bundesministerium für Bildung betriebenen Homepage www.matura.gv.at unter „Unterrichtssprache“ – „Frühere Prüfungsaufgaben“ bzw. „Übungsmaterialien“. quelle: matura.gv.at; 08.04.2025 1.2.6 – Thema: Literatur – Kunst – Kultur Aufgabe 2 Kunstaktion und politisches Engagement Verfassen Sie einen Leserbrief. Situation: Sie lesen den Zeitungsbericht Nur keine Spompanadeln und reagieren darauf mit einem Leserbrief. Lesen Sie den Zeitungsbericht Nur keine Spompanadeln von Michael Omasta aus der Wochenzeitung Falter vom 22. Juni 2016 (Textbeilage 1). Verfassen Sie nun den Leserbrief und bearbeiten Sie dabei die folgenden Arbeitsaufträge: — Geben Sie die Kernidee der beschriebenen Kunstaktion wieder. — Bewerten Sie politisches Engagement dieser Art im öffentlichen Raum und in Geschäftslokalen. — Begründen Sie, warum Sie an ähnlichen Aktionen teilnehmen oder nicht teilnehmen würden. Schreiben Sie zwischen 270 und 330 Wörter. Markieren Sie Absätze mittels Leerzeilen. AUFGABE Von Michael Omasta | 22.06.2016 Ihren klingenden Namen verdankt die Glockengasse in Wien-Leopoldstadt dem Umstand, dass sich Anfang des 19. Jahrhunderts dort eine Glockengießerei befand. Vor ein paar Jahren kam die Adresse zu literarischen Ehren: Vilma Neuwirth erzählt in „Glockengasse 29“ die Geschichte ihrer Familie, einer jüdischen Arbeiterfamilie. Am kommenden Sonntag findet eine Performance in der unscheinbaren Gasse statt: „400 – the image behind“, ein Mahnmal im öffentlichen Raum für jene 400 Menschen, die allein in den ersten sechs Wochen dieses Jahres auf der Flucht im Mittelmeer ums Leben kamen. „Wir wollen diesen Menschen, von denen in den Medien fast nur mehr als Zahl gesprochen wird, im übertragenen Sinn einen Körper wiedergeben“, erläutert die Filmemacherin Lotte Schreiber das Vorhaben, „und durch die reine physische Präsenz von mehreren hundert Leuten auch die einzelne Person wieder greifbarer machen.“ Schreiber geht die Aktion wie einen Filmdreh an, vor allem, was die behördlichen Genehmigungen betrifft: Parkverbot muss verhängt, ein Teil der Gasse für den Verkehr gesperrt werden. Mehrere der umliegenden Geschäfte haben ihre Schaufenster zur Verfügung gestellt. Sie sind mit Piktogrammen beklebt, die in abstrahierter Form an das Schicksal von Aylan Kurdi erinnern, ein syrisches Flüchtlingskind kurdischer Abstammung, dessen Leiche vorigen Herbst bei Bodrum an Land geschwemmt wurde. Tatsächlich ist einer der Geschäftsleute vor Ort Nur keine Spompanadeln1 Ein temporäres Mahnmal zeigt 400 Menschen beim Verschwinden 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

12 1.2 — Bausteine erfolgreichen Schreibens auch der Initiator des geplanten Mahnmals. Tom K., Name der Redaktion bekannt, möchte keine Werbung für sich oder sein Geschäft machen und tritt deshalb nur unter Pseudonym – als tk1968 – in Erscheinung. Mit dem Aufkleben der Piktogramme, eines für jeden Ertrunkenen, kommt er schon lange nicht mehr nach. Die Parole „Justice Welcome“, die in der Mitte jeder Auslage prangt, klagt das Fehlen einer verantwortungsvollen europäischen Flüchtlingspolitik an. Die ersten Reaktionen der Passanten auf die Schaufensteraktion, sagt tk1968, fielen ganz unterschiedlich aus. „Die einen wollen lieber die Kurzfassung und schönen Tag noch, auf Wiedersehn! Andere wiederum sind sehr betroffen und finden gut, dass wir das machen. Ich muss gestehen, ich kann mit der Frage: ‚Was bringt’s? Warum macht man so was Politisches?‘ auch nicht immer so wahnsinnig gut umgehen.“ Für die Performance am Sonntag, die auch filmisch dokumentiert wird, haben sich gleich auf Anhieb an die 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeldet. Noch einmal so viele sollten es werden. Das Geschehen folgt einer strengen Choreografie, besondere Fertigkeiten sind freilich nicht vonnöten. „Keine Spompanadeln“, bekräftigt Lotte Schreiber, „alles ist sehr minimalistisch. Es wird in sieben Blöcken, von A bis G, Aufstellung genommen. Jeder Teilnehmer bekommt ein Regiekärtchen, auf dem alles Wichtige draufsteht. Eigentlich geht’s darum, wie sich diese Menge langsam wieder auflöst, wie nach und nach 400 Leute verschwinden und die Straße am Ende leer ist.“ Gedreht wird mit zwei Kameras; einmal leicht erhöht aus der Totale, zum anderen mit Handkamera, die sich durch die Menge auf der Straße bewegt, dabei einzelne Gesichter, die Personen als Individuen erfasst. Spätestens ab dem Moment, wo’s heißt: „Kamera läuft!“, soll halt tunlichst nicht mehr getratscht werden. Falls etwas schiefläuft, gibt es keinen Plan B. Bezahlung leider auch nicht, dafür Traubenzucker und einen Getränkesponsor. Vorschläge, ihre Aktion mit Flüchtlingen zu machen, lehnen Schreiber und tk1968 strikt ab. „Wir fänden das verantwortungslos, dass Menschen, die eh schon fluchttraumatisiert sind, quasi den Platz ihrer umgekommenen Leidensgefährten einnehmen sollen. Natürlich sind auch asylsuchende Menschen willkommen, aber wir wollen ja bewusst machen, dass Flucht jeden betreffen kann, auch jeden von uns.“ […] quelle: Falter 25/2016, S. 31. 1 Spompanadeln: hier Umstände 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 82 Erläuterung der Aufgabenstellung Am Beginn der Aufgabenstellung steht das Thema, dem die Aufgabenstellung zuzurechnen ist: Literatur – Kunst – Kultur. Der Titel der Aufgabenstellung lautet „Kunstaktion und politisches Engagement“. Anschließend erfahren Sie, welche Textsorte Sie verfassen sollen: einen Leserbrief. Nun wird die Situation vorgestellt, in die der Schreibauftrag eingebettet ist: Auf Ihre Lektüre eines Zeitungsberichtes entschließen Sie sich für eine schriftliche Reaktion in Form eines Leserbriefes. Beachten Sie dabei, was über die Rolle gesagt wird, aus der heraus Sie schreiben sollen, und was Sie über die Adressatinnen und Adressaten erfahren, an die der Text gerichtet ist: Handelt es sich um eine Einzelperson, eine Gruppe, eine Behörde …? Achtung: Nicht jede Textsorte ist in eine Situation eingebettet, und bei Erörterung und Textanalyse sowie Textinterpretation wird darauf grundsätzlich verzichtet. Nun wird der Text genannt, den Sie lesen müssen, um den Schreibauftrag ausführen zu können. Daran schließen die zu erledigenden Arbeitsaufträge an. Meist wird es sich um drei oder vier Teilaufträge handeln. Zuletzt werden Sie aufgefordert, hinsichtlich des zu schreibenden Textes eine bestimmte Länge einzuhalten und Absätze zu kennzeichnen. Wichtig für Sie ist Folgendes: — Sie sehen an diesem Thema die Unterscheidung zwischen dem Informations- und dem Aufforderungsteil. – Der Informationsteil stellt die Situation vor. – Der Aufforderungsteil umfasst die Arbeitsaufträge. — Die Schreibaufträge werden von Verben getragen, die Sie zu einer bestimmten Handlung auffordern: Sie sollen etwas zusammenfassen, erläutern … Diese handlungsbezogenen Verben, auch „Operatoren“ genannt, spielen bei der Aufgabenstellung eine wichtige Rolle, daher werden sie an dieser Stelle näher erläutert. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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