81 3.4 — Offener Brief (keine SRDP-Textsorte) Lesen Sie den folgenden offenen Brief. Liebe Hundefreundinnen und Hundefreunde! Hunde sind unsere wohl treuesten vierbeinigen Freunde, die enge Partnerschaft zwischen Mensch und Hund begann bereits in der mittleren Steinzeit, also vor rund 15 000 Jahren! Wer schätzt denn nicht die positiven Eigenschaften dieser Tiere: ihre grenzenlose Loyalität, ihre Zuneigung, ihre Wachsamkeit und ihren Mut. Gerade in einer Großstadt erfüllen sie noch eine andere wichtige Aufgabe: Sie leisten unzähligen alleinstehenden Menschen Gesellschaft und verhindern in der Anonymität der Stadt mitunter deren Vereinsamung. Gute Dienste leisten Hunde uns als Wachhunde, legendär ist ihr Einsatz als Rettungshunde, sie vermögen es, illegale Drogen aufzuspüren, und sind sogar in der Lage, Sprengstoffe und Waffen aufzustöbern! Hunde sind wirklich bewundernswerte Geschöpfe! Das sind sie auch in Kanada, wo die Verfasserin dieser Zeilen manchmal weilt. Nur haben diese wunderbaren Tiere dort einen entschiedenen Vorteil: Sie haben in der Regel verantwortungsvollere Besitzer/innen! Dem Hundebesitzer/Der Hundebesitzerin in Kanada ist es nämlich nicht egal, was mit den Ausscheidungen ihres Lieblings passiert, bzw. wer das zweifelhafte Vergnügen hat, mit diesen unfreiwillig nähere Bekanntschaft zu machen! Er/Sie sieht es auch nicht als Aufgabe der Stadtverwaltung oder anderer an, jene zu beseitigen! Es ist dort schlicht und einfach verpönt, etwas anderes als Folgendes zu tun: nämlich das Geschäft des vierbeinigen Gefährten gleich nach der Verrichtung desselben zu entfernen. Bevor jemand hineinsteigt! Die Idee, dies wäre die Aufgabe anderer, „weil man ja schließlich Hundesteuer zahle“, ist schlichtweg absurd und zeugt erstens von mangelndem Verantwortungsbewusstsein und zweitens von einer gehörigen Portion Weltfremdheit. Nur ein gewaltiges Heer von professionellen Straßenreinigern kann die Straßen und Gehsteige annähernd so effizient sauber halten, wie die Hundebesitzer/innen selbst. Die Kosten dafür sind enorm. Ganz zu schweigen vom Aspekt der Hygiene, den ich hier völlig aussparen möchte. Liebe Hundebesitzer/innen, probiert es doch aus! Begleitet eure Lieblinge mit ein paar Plastiksackerln in der Tasche! Ihr werdet sehen, es ist halb so schlimm. Der Effekt wäre wirklich bemerkenswert: saubere Gehsteige! Die Stadt wäre endlich kein „Minenfeld“ mehr. Eure Vierbeiner könnten stolz auf euch sein! Mit freundlichen Grüßen Gisela Kolar quelle: Schreibaufgabe im Rahmen eines Fachdidaktikseminars an der Universität Wien Erklären Sie, welche Partnertaktik die Verfasserin gegenüber den Angesprochenen einschlägt. Bezeichnen Sie die Aussagen der Verfasserin für jeden Absatz mit einem sprechaktbezeichnenden Verb (sprechaktbezeichnende Verben dienen zur Wiedergabe von Aussagen: bewundern, loben, kritisieren, urteilen, bestreiten, aufrufen, verteidigen, äußern, behaupten, überlegen, auffordern, appellieren …). Benennen Sie die Absicht (Intention) der Verfasserin. Ü6 Ü7 Ü8 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 Schreibaufgabe Verfassen Sie einen offenen Brief und wenden Sie dabei dieses partnertaktische Schema auf andere Situationen an. Z. B.: Liebe Radfahrer/innen! (Gegen rücksichtslose Flitzer.) Liebe Mitschüler/innen! (Zur Gewinnung für Handlungen jeglicher Art, z. B. Sauberhaltung der Klasse usw.) Liebe Hausmeister/innen! (Gegen Schimpfen und Schikanen.) Liebe Schulpolitiker/innen! Usw. Verfassen Sie nun den offenen Brief und bearbeiten Sie dabei folgende Arbeitsaufträge: — Nennen Sie die positiven Seiten des von Ihnen kritisierten Themas. — Erläutern Sie die kritischen Seiten dieses Themas. — Appellieren Sie in Ihrem Sinn an die von Ihnen angesprochene Personengruppe. Schreiben Sie zwischen 270 und 330 Wörter. Markieren Sie die Absätze mittels Leerzeilen. AUFGABE Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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