sprachreif, Schreibkompetenztraining 1: Argumentative und appellative Textsorten

69 3.3 — Kommentar Bestimmen Sie, um welchen Typ von Kommentar es sich beim oben stehenden Beispieltext „Lehrer klagen einen Vater. Na und?“ handelt. Ordnen Sie die drei folgenden Schlusspassagen von Kommentaren dem Standpunktkommentar oder dem dialektischen Kommentar zu. Ü2 Ü3 Text A Nicht jede Gensorte ist sicher. Aber dem Genmais 1507, um dessen Zulassung in der EU gerungen wird, wurde bereits 2005 von der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit Unbedenklichkeit bescheinigt. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keinen Grund, ihn zu verbieten. Dass die Mehrheit der EU-Bürger Gentechnik ablehnt, hat rein emotionelle Ursachen. Und die Sehnsucht nach Natürlichkeit, die hier zum Ausdruck kommt, ist unerfüllbar: Auch ohne Gentechnik sind unser Leben und unsere Nahrung durch und durch industrialisiert. Der vernünftige Einsatz der Biotechnologie gefährdet nicht die Qualität der Lebensmittel, sondern kann sie verbessern. Kein Verbraucher soll dazu verdammt werden, etwas zu essen, was er nicht will. Aber politische Entscheidungen über Zulassung müssen auf objektiven Kriterien basieren. Und diese sprechen eine klare Sprache. quelle: Eric Frey, DER STANDARD, 12.02.2014 Text B Nicht nur Manfried Rauchensteiner, der führende Militärhistoriker Österreichs, ist besorgt und irritiert, wie die Staatsspitze diesem traumatischen und ebenso historischen Datum [28. Juni 2014 – 100 Jahre zuvor wurde der Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajewo bei einem Attentat erschossen; das war der Auslöser für den Ersten Weltkrieg] entgegentreibt. […] Natürlich ist die Situation für das heutige Österreich nicht einfach. Dem untergegangenen Reich wurde die Schuld für 1914 zugewiesen, zu einem gewissen Teil sogar berechtigt. Was also tun mit dem so negativ beladenen Datum? Zu feiern gibt es nichts. Zu bedenken? Sehr viel. quelle: Hans Werner Scheidl, Die Presse, 16.11.2013 Text C Insbesondere in größeren Städten, allen voran Wien, versagt die Hauptschule, aus der ein großer Teil der Lehrlinge in spe hervorgeht. Dort ist man nicht in der Lage, den Heranwachsenden schulisches Grundwissen zu vermitteln. Über die Gründe – soziale Probleme, Sprachbarrieren – ließe sich streiten, am Ergebnis wird das nichts ändern. Wer das duale Ausbildungssystem in Österreich stärken will, muss bei der Schule für die Zehn- bis 14-Jährigen ansetzen, und da führt an der Gesamtschule, ohne soziale Exklusion, kein Weg vorbei. quelle: András Szigetvari, DER STANDARD, 04.02.2014 Lesen Sie den folgenden Kommentar aus der Tageszeitung „Der Standard“ vom 29.03.2018: PRO: Verhalten vernünftig lenken von Eric Frey Niemandem kann verboten werden, Nahrungsmittel mit hohem Zuckergehalt – sei es in Süßigkeiten, in Softdrinks oder in Saucen – zu verzehren. Aber wenn es gelingt, Menschen zu gesünderem Essen zu bewegen, ist jedem gedient: dem Einzelnen, der weniger krank wird und wahrscheinlich auch länger lebt, und der Gemeinschaft. Denn die hohen Raten an Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die Übergewicht und schlechte Ernährung verursachen, belasten die Wirtschaft – und noch mehr das Gesundheitssystem. Hier wirksam einzugreifen ist die Aufgabe der Politik, so wie sie es bereits mit Anti-Rauch-Gesetzen, der Anschnallpflicht im Auto oder dem Verbot von Drogen vorgeführt hat. Eine Steuer auf den Zuckergehalt von Lebensmitteln ist im Vergleich dazu ein gelindes Mittel, um Verhalten in eine vernünftige Richtung zu lenken. Sie würde helfen, den Zuckerkonsum des Einzelnen zu senken, die auf die Gemeinschaft abgewälzten Kosten zu decken und die Lebensmittelindustrie zu bewegen, unnötige Kalorien aus ihren Produkte zu entfernen. Das ist in Großbritannien allein durch die Ankündigung einer Zuckersteuer gelungen. Pro und Kontra: Zuckerhaltige Lebensmittel besteuern Ist eine Steuer auf den Zuckergehalt von Lebensmitteln vernünftig oder greift der Staat damit in die Entscheidungsfreiheit jedes einzelnen Konsumenten ein? Während in Frankreich und dem Vereinigten Königreich eine höhere Besteuerung auf Lebensmittel mit hohem Zuckergehalt umgesetzt wurde, gibt es in Österreich keine entsprechenden Pläne. 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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