sprachreif, Schreibkompetenztraining 1: Argumentative und appellative Textsorten

63 3.2 — Erörterung In die indirekte Rede lässt sich diese Äußerung folgendermaßen setzen: — Pelinka meint, die Stabilität […] werde abnehmen. — Pelinka meint, dass die Stabilität […] abnehmen werde/wird. Stilistisch kann sich die mehrmalige Aneinanderreihung von Sätzen mit Konjunktiv-Formen in der dritten Person als nachteilig auswirken. Um dies zu vermeiden, bietet sich die Möglichkeit an, vor der Wiedergabe der Äußerungen/Gedanken Dritter die Redesituation unmissverständlich darzustellen (in einer Art Einleitungssatz, wie Sie ihn von der Inhaltsangabe kennen) und anschließend im Indikativ zu bleiben: Der Politologe Anton Pelinka äußert sich im Interview mit dem Nachrichtenmagazin profil folgendermaßen zur Stabilität politischer Systeme: Die Stabilität des politischen Systems in Österreich wird abnehmen … Sie können die Äußerung Dritter mit Hilfe eines Verbs wiedergeben, das deren Inhalt zusammenfasst. Die Schwierigkeit dieser Vorgangsweise besteht darin, dass die Wahl des Verbs bereits eine Kommentierung der wiederzugebenden Äußerung bedeutet, wie Sie an den folgenden Beispielen erkennen werden: — Pelinka prophezeit ein Abnehmen der politischen Stabilität in Österreich. — Pelinka befürchtet das Abnehmen der politischen Stabilität in Österreich. — Pelinka begrüßt das Abnehmen der politischen Stabilität in Österreich. Üben Sie die unterschiedlichen Formen der Wiedergabe von Äußerungen Dritter, indem Sie die umfangreicheren Abschnitte des folgenden Interviews zusammenfassen, das der „SchülerStandard“ mit der Schauspielerin Mercedes Echerer führte. TIPPS Ü12 Von Maria Liebhaber, Jakob Pflüger […] Die Schauspielerin Mercedes Echerer saß fünf Jahre lang für die Grünen als Abgeordnete im EU-Parlament in Brüssel. STANDARD: In einer Talkshow sagten Sie einmal: „Es vergeht kein Tag in der Politik, ohne verzweifelt zu sein.“ Was lässt Sie an der Politik verzweifeln? Echerer: Für mich war es ungewohnt, mit so vielen unterschiedlichen Menschen übereinstimmen zu müssen. Manchmal verzweifelt man auch an den langen Entscheidungswegen, weil für gewisse Probleme eben jetzt konkrete Lösungen gefunden werden müssen – und nicht erst in zwei Jahren, wenn die Schäden bereits nicht wiedergutzumachen sind. […] STANDARD: Von 1999 bis 2004 waren Sie für die Grünen im EU-Parlament, ohne jedoch Parteimitglied zu sein. Warum? Echerer: Wenn ich einem Klub beitrete, begebe ich mich damit auch in eine gewisse Abhängigkeit. Als Künstler haben wir letztlich den Auftrag zu unterhalten, doch in dieser Unterhaltung liegt oft auch eine Kritik. Und ich möchte frei sein in meiner Kritik, nicht beengt durch das Korsett einer Mitgliedschaft. STANDARD: Am 25. Mai finden die Europawahlen statt. In Österreich gibt es viele Jugendliche, die sich kaum dafür interessieren. Warum sollten wir zur Wahl gehen? Echerer: In den nächsten drei Monaten einen Crashkurs zu machen und die Jugend mit ein paar Comicheften abzuholen ist nichts weiter, als sich Wahlfutter zu suchen. Die Jugend für Politik zu interessieren ist ein langfristiges Projekt. Man muss eine Atmosphäre schaffen, in der Politik interessant wird, auch in der Schule. Begleitend zum Geschichtsunterricht sollte es politische Bildung geben, und zwar schon ab der Unterstufe. Wenn man Jugendliche auch emotional abholen kann, sei es durch kulturelle Projekte, einen guten Film oder ein spannendes Buch, dann können sie auch mit dem Herzen begreifen, dass jede Stimme wirklich etwas auslöst. […] STANDARD: Gibt es Parallelen zwischen Schauspielerei und Politik? Echerer: Wenn man als Politikerin nicht authentisch ist, wird man in kürzester Zeit unglaubwürdig. Zwar hilft mir die Sprechausbildung, aber wenn ich dabei nicht selbstbewusst und authentisch auftrete, nützen mir meine schauspielerischen Fähigkeiten gar nichts. STANDARD: Würden Sie gerne Ihre Schulzeit mit jener Ihrer heute 20-jährigen Kinder tauschen? Echerer: Ich hatte eine schreckliche Schulzeit. Zwar gab es einzelne Lehrer, die ich auch heute noch sehr verehre, aber diese zwölf Jahre Schule waren für mich ein Horror. Meine Tochter hingegen war am Gymnasium sehr glücklich. Mein Sohn hatte neun schreckliche Pflichtschuljahre, bis er an die sehr fordernde „Walz“ gewechselt ist. Innerhalb weniger Monate wurde aus einem frustrierten und „Die zwölf Jahre Schule waren für mich ein Horror“ 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 60 62 64 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

RkJQdWJsaXNoZXIy MTA2NTcyMQ==