35 2.6 — Die Schreibhandlung Appellieren Stadtplaner aller westeuropäischen Länder. Mit erfolgreicher City-Maut in skandinavischen Metropolen, mit radikalem Rückbau von innerstädtischen Autostraßen in Frankreich, Spanien oder der Schweiz. Die Exhibition Road im Zentrum Londons wurde als Shared Space gestaltet, bei dem sich Fußgänger, Radfahrer und Automobile friedlich denselben Straßenraum teilen. […] Aber man muss auch die Autokanäle selbst reduzieren. Die wichtigste Stadtausfahrt von Madrid in Richtung Portugal wurde auf eine Fahrspur zurückgebaut, die Haupterschließung des neuen Stadtteils Öresund in Kopenhagen überhaupt nur mit einer Fahrspur gestaltet, die sich der private Pkw mit dem öffentlichen Bus und den Wartezeiten vor seinen Haltestellen teilen muss. […] Es ist evident, und westeuropäische Städte zeigen dies, dass eine Reduktion und Verlangsamung des Autoverkehrs auch die anderen Verkehrsteilnehmer entspannt. Es senkt auch die Aggressivität der Radfahrer. Warum diese westeuropäische Entwicklung der Verkehrspolitik in deutschen und österreichischen Städten noch nicht vollzogen wird, hat meiner Einschätzung nach vor allem kulturelle Gründe. […] Der soeben aufwändig erfolgte Umbau des Gürtels beim neuen Hauptbahnhof zeigt dies exemplarisch. Eine fatale Fortschreibung des Status quo. Realisiert wurde eine völlige Missachtung eines künftigen urbanen Raums für Fußgänger, keine entsprechende Berücksichtigung von Fahrradstraßen, keine Idee einer entsprechenden Gestalt des öffentlichen Raums, eines möglichen großzügigen baumbestandenen Boulevards. Eine Umkehr dieser zum Untergang der europäischen Stadt führenden Wiener […] Verkehrsplanung ist nur möglich, wenn die individuellen Vorteile einer Reduktion der automobilen Mobilität in der Stadt erkannt und kommuniziert werden. Denn nur dann, wenn wir das „Auto“ grundlegend umdenken, kann die europäische Stadt gerettet werden: Das Auto muss als Bestandteil des privaten Wohnens gesehen werden, und seine Rolle im öffentlichen Raum ist allen anderen Mobilitätsformen nur bei radikaler Reduktion seiner Verwendung gleichberechtigt. (Dietmar Steiner, DER STANDARD, 25./26. 10. 2012) quelle: https://www.derstandard.at/story/1350259318987/die-stadt-vomauto-befreien; 08.04.2025 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 60 62 64 66 68 70 72 74 76 Markieren Sie in oben stehendem Text alle Passagen, die appellativen Charakter aufweisen. Ordnen Sie die markierten Stellen den oben genannten sprachlichen Merkmalen des Appellierens a) bis k) (S. 33 f.) zu. Lesen Sie den Text „Von wegen ‚die anderen‘“ von Sabine Rückert. Er zählt auf, was jeder von uns für die Stärkung der Demokratie tun kann. Der Text lässt sich auch gut auf Schülerinnen und Schüler übertragen, die sich in der Freizeit und Schulgemeinschaft etc. engagieren können. Wählen Sie jene vier Aussagen, die Sie für besonders wichtig halten. Formulieren Sie diese Aussagen in vier unterschiedliche sprachliche Formen des Appellierens um. Ü17 Ü18 Ü19 Von wegen „die anderen“ Was ich tun kann, um die Demokratie zu stärken, in der ich lebe. Von Sabine Rückert 1. Ich engagiere mich gesellschaftlich. Ich opfere einen Teil meiner Zeit für Feuerwehr, Hospiz, Flüchtlingsarbeit. Denn unsere Demokratie lebt vom Engagement des Einzelnen, der sich freiwillig und ehrenamtlich einsetzt. 2. Ich gehe immer wählen und stelle mich auch selbst zur Wahl. Als Stadträtin oder als Elternvertreter in der Schule. Den verschiedenen Ansichten und Bedürfnissen eine Stimme zu verleihen und auch für andere zu sprechen ist die Aufgabe eines Bürgers in der Demokratie. 3. Ich schaffe Netzwerke und Diskussionsforen. Wer Straßenfeste veranstaltet, die Nachbarschaft pflegt und anderen zuhört, verhandelt Politik nicht als Privatsache. Auch das Private ist politisch. 2 4 6 8 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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