34 2.6 — Die Schreibhandlung Appellieren e) Modalverben (müssen, sollen, mögen, dürfen, können, wollen) in Verbindung mit dem Verb der Handlung, die ausgeführt werden soll: Im Aussagesatz: Ihr sollt dieses Kapitel bis morgen lesen. Ihr dürft nicht aufs Lesen vergessen. In Verbindung mit einem dass-Satz: Ich möchte, dass ihr dieses Kapitel bis morgen lest. In Verbindung mit dem Futur: Du wirst mehr lesen müssen! In Verbindung mit dem Passiv: Dieses Kapitel muss gelesen werden. f) Infinitiv oder Infinitiv mit zu Lesen! Kapitel 1 ist bis morgen zu lesen! g) Perfektpartizip Genug gelesen! h) Fragen Wollt ihr bitte/wohl lesen(?)(!) Werdet ihr endlich anfangen zu lesen? Könnt ihr nicht lesen? i) Konjunktiv I Man lese das Kapitel 1. Man möge zu lesen beginnen. j) Konjunktiv II als Mittel der Höflichkeit Würdet ihr bitte lesen? k) Ellipsen in standardisierten Situationen Feuer! Hilfe! Pinzette! Tupfer! Genug! (Statt: Achtung, hier brennt ein Feuer! Kommen Sie mir bitte zu Hilfe! Geben Sie mir bitte die Pinzette!) Wann setzt man ein Rufzeichen? Mit dem Rufzeichen gibt man dem Inhalt eines Satzes einen besonderen Nachdruck. Daher können nicht nur Aufforderungssätze und Wünsche, sondern auch Aussagesätze mit einem Rufzeichen abgeschlossen werden: Dieses Buch ist eine Sensation! Dagegen müssen Aufforderungssätze nicht mit einem Rufzeichen beendet werden, z. B. wenn sie höflich formuliert sind: Lesen Sie das Kapitel bitte bis morgen. Lesen Sie das folgende Plädoyer (= Rede vor Gericht, engagierter Aufruf zum Handeln) „Die Stadt vom Auto befreien!“ aus der Tageszeitung „Der Standard“ vom 25.10.2012: Plädoyer für eine radikale Reduktion des privaten Wohnraums „Auto“ im öffentlichen Raum Es ist im Straßenbild deutlich erkennbar: Die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung hat weitere Wiener Bezirke von der automobilen Belagerung befreit […]. Es ist nur eine Frage der Zeit und der Vernunft, bis das Problem für ganz Wien gelöst sein wird. Das Problem der Pendler kann niemals am Zielort, sondern immer nur am Ausgangspunkt der Verursachung gelöst werden. […] Denn Tatsache ist, dass die europäische Stadt mit einer weiteren Vorherrschaft des privaten Automobils ihre Funktionsfähigkeit heute und in Zukunft nicht mehr aufrechterhalten kann. Deshalb ist die Einschränkung und Reglementierung der individuellen Besetzung des öffentlichen Raums durch private Automobile die einzige Möglichkeit, Lebensraum und Mobilität für alle Bewohner zurückzugewinnen. Wir müssen in allen europäischen Städten, auch in Wien, den privaten Autoverkehr dramatisch reduzieren zugunsten eines für alle zugänglichen öffentlichen Raums, der durch die europäische Stadtstruktur historisch gegeben und nicht vermehrbar ist. Die urbane Struktur der europäischen Stadt […] wurde nicht für Autos, sondern für Pferde gestaltet. Dieser Einsicht folgten in den letzten Jahren die Die Stadt vom Auto befreien! Kommentar der anderen | Dietmar Steiner, 24. Oktober 2012, 18:35 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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