101 4.1 — Ein Themenbereich – sechs Aufgabenstellungen zu den unterschiedlichen Textsorten […] Österreichs Kindergärten haben zu wenig Personal: Bis zum Jahr 2030 könnte sich eine Lücke von fast 14.000 fehlenden Fachkräften auftun, bei einer Verbesserung der Betreuungsschlüssel wären es sogar 20.000. Wer dabei am meisten fehlt, sind Männer. Deren Anteil am Kindergartenpersonal liegt nämlich immer noch im unteren einstelligen Prozentbereich. Dabei wären nicht nur männliche Bezugspersonen so wichtig für die Kleinsten, sondern vermutlich würde ein höherer Männeranteil auch dafür sorgen, dass dieser „Frauenjob“, als der die Elementarpädagogik immer noch wahrgenommen wird, besser bezahlt würde. Denn es ist wohl in erster Linie das niedrige Gehalt, das Männer abschreckt. […] Daten und Fakten In Österreich gibt es mehr als 4.500 Kindergärten mit rund 374.000 Kindern. Damit besuchen etwa zwei Drittel aller Kinder bis fünf Jahre einen Kindergarten, bei den Einjährigen sind es bereits 30 Prozent, bei den Fünfjährigen fast alle (aufgrund des verpflichtenden, aber kostenlosen letzten Kindergartenjahres), nämlich 97,4 Prozent. Mehr als 67.000 Personen sind in Kinderbetreuungseinrichtungen (Krippen, Kindergärten, Horte) beschäftigt – nur zwei bis fünf Prozent (je nach Zählweise) des Kindergartenpersonals sind männlich, in den Horten beträgt der Männeranteil etwa zehn Prozent. Schon jetzt gibt es in den Kindergärten zu wenig Personal. Bis 2030 könnte sich die Situation weiter verschärfen: Laut einer Studie der Uni Klagenfurt und des Instituts für Berufsbildungsforschung (öibf) im Auftrag des Bildungsministeriums könnten im Jahr 2030 rund 13.700 Fachkräfte fehlen, bei besseren Betreuungsschlüsseln sogar 20.200. Die Hauptgründe dafür: Einerseits wird in den kommenden zehn Jahren mehr als ein Viertel des Personals in Pension gehen. Andererseits suchen sich viele BAfEP-Absolvent:innen nachher einen anderen, besser bezahlten Job. Und auch unter jenen, die derzeit in Kindergärten arbeiten, wollen 15 Prozent in absehbarer Zeit den Beruf wechseln. Unter den Jüngsten geht nur jede:r Vierte davon aus, bis zur Pension im Kindergarten zu bleiben. Neben dem verhältnismäßig niedrigen Gehalt liegt das vor allem an zu wenig Wertschätzung, psychischer Belastung durch die Arbeit und zu großen Gruppen, in denen die Betreuungskräfte das Gefühl haben, nicht allen Kindern gerecht werden zu können. Das durchschnittliche Einstiegsgehalt als Kindergärtner:in liegt zwischen 27.000 und 30.000 Euro brutto im Jahr, das sind netto in etwa zwischen 1.500 und 1.700 Euro im Monat. Wer im Kindergarten arbeiten möchte, hat verschiedene Ausbildungsoptionen: — An den Bildungsanstalten für Elementarpädagogik (BAfEP) wird eine fünfjährige Ausbildung mit Reife- und Diplomprüfung angeboten. — Alternativ kann man nach Matura, Studienberechtigungs- oder Berufsreifeprüfung ein zweijähriges BAfEP-Kolleg mit Diplomabschluss absolvieren, für das es auch eine berufsbegleitende Variante gibt, die fünf bis sechs Semester dauert. — Außerdem gibt es eine dreijährige Fachschule für pädagogische Assistenzberufe, an die man einen ebenfalls dreijährigen Aufbaulehrgang für Elementarpädagogik mit Reife- und Diplomprüfung anschließen kann, die dem BAfEP-Abschluss gleichwertig ist. — Man kann Elementarpädagogik auch an einer Pädagogischen Hochschule studieren – die Zielgruppe für diese zwei bis acht Semester dauernden Hochschullehrgänge sind Quereinsteiger:innen aus dem Schulbereich. — Die Universität Graz bietet das Studium „Elementar+. Early childhood education and care+“ an, das sechs Semester dauert und sich an Personen mit elementarpädagogischer Praxis ohne umfassende Ausbildung sowie an interessierte Quereinsteiger:innen richtet. — Ebenfalls an der Universität Graz gibt es das Masterstudium Elementarpädagogik, das vier Semester dauert. […] quelle: Folge 53 der Podcast-Reihe „WEITER GEDACHT“ der Wiener Zeitung aus dem Jahr 2024 https://www.wienerzeitung.at/p/kindergarten-statt-buerojob; 18.04.2025 Männer, ab in den Kindergarten! Podcast der Wiener Zeitung mit Petra Tempfer und Mathias Ziegler 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 Text 4: Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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