sprachreif, Schreibkompetenztraining 1: Argumentative und appellative Textsorten

91 3.6 — Empfehlung (keine SRDP-Textsorte) Empfehlung (keine SRDP-Textsorte) Die Textsorte „Empfehlung“ Die Empfehlung versucht in einer beschreibenden, analysierenden, argumentierenden und schließlich bewertenden Vorgehensweise zu einer Auswahl oder zur Bewertung eines „Zielobjekts“ zu kommen. Dieses kann ein Kunstwerk (Text, Film, Gemälde, Musikstück …) genauso sein wie ein Gegenstand, ein aktuelles Thema oder eine Sachfrage. Die Verfasserin/Der Verfasser einer Empfehlung handelt entweder aus eigener Motivation oder im Auftrag einer Person/Institution, die Wert auf eine außenstehende Meinung legt. Je nach Ausgangslage variiert der Kreis der Adressatinnen und Adressaten. Er kann sowohl Einzelpersonen umfassen als auch ein Entscheidungsgremium bzw. eine größere Öffentlichkeit. Anforderungen an eine Empfehlung/Beurteilungsgrundlagen 3.6 – Situation Die Verfasserin/Der Verfasser einer Empfehlung erstellt einen Bewertungstext auf der Grundlage eigener oder durch den situativen Kontext als Entscheidungshilfe vorgegebener Kriterien. Adressatinnen und Adressaten Die Empfehlung ist an eine Gruppe von Entscheidungsträgern oder an Einzelpersonen gerichtet. Allen gemeinsam ist die Erwartung, auf Grundlage der Empfehlung überzeugende Entscheidungskriterien für eine bevorstehende Auswahl zu erhalten oder gut nachvollziehbare Argumente für ein anzustrebendes Verhalten in ausgewählten Situationen zu bekommen. Inhalt Nach der Darlegung des Anlassfalles für eine zu treffende Auswahl erfolgt ein Überblick über unterschiedliche (Auswahl-)Möglichkeiten, die mit relevanten Argumenten abgesichert werden müssen. Eine Empfehlung für ein Objekt, ein wünschenswertes Verhalten, ein künstlerisches Produkt etc. kann auch erstellt werden, wenn keine andere Alternative angeführt wird. Absicht Die Empfehlung will die ausgewählte Adressatengruppe einerseits sachlich informieren, sie andererseits jedoch auch zu bestimmten Aktionen, Haltungen bzw. Einstellungen bewegen. Gliederungselemente/ textsortenspezifische Muster Das bekannte Gliederungsmuster Einleitung – Hauptteil – Schluss trifft als Grundlage auch auf die Empfehlung zu. Die Einleitung führt zum Thema hin, indem sie die zu bewertenden Objekte/Sachverhalte/Personen vorstellt und die Situation erläutert, vor deren Hintergrund dies erfolgen soll. Der Hauptteil umfasst den Vergleich, der Schluss enthält die Empfehlung. Dies kann auch eine offene Entscheidung sein. Sprache Die Zeitform ist Präsens; die Ich-Form soll zugunsten einer sachlichen Darstellungsweise über weite Strecken in den Hintergrund treten, kann jedoch bei der persönlichen Wertung klar ausgewiesen werden. Umfang 405 bis 495 oder 540 bis 660 Wörter. Beispiele für verwandte Textsorten Leitfaden, Gutachten (Expertise), Erörterung. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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