sprachreif, Schreibkompetenztraining 1: Argumentative und appellative Textsorten

8 1.2 — Bausteine erfolgreichen Schreibens Analyse des Beispiels „Wissen wir, was wir tun?“ Kommunikationssituation/ Kommunikationsform/ Kommunikationsmedium Jedes Jahr findet ein österreichweiter Jugendredewettbewerb statt, der vom Bundeskanzleramt koordiniert wird. Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Schulformen und Altersgruppen können in verschiedenen Kategorien antreten und über Themen reden, die ihnen am Herzen liegen und die ihre Generation besonders betreffen. Aufgezeichnete Reden ab 2018 kann man unter folgendem Link einsehen: https://www.youtube.com/@wienxtra-schulevents2924/playlists; 13.03.2025 Die hier vorgestellte Rede stammt von Johanna Reiter aus der AHS De La Salle Strebersdorf, Wien. Sie wurde beim Wiener Landesfinale vom JUGEND-REDEWETTBEWERB 2024 Drittplatzierte in der Kategorie Klassische Rede 8. Schulstufe. Inhalt/Thema Das Thema dieser Rede ist die oft überbordende Zeit, die Jugendliche im Internet verbringen und welche Gefahren damit einhergehen. Die Rednerin führt an, dass viele Kinder und Jugendliche schon sehr früh über Handys und Tablets Zugang zum Internet bekommen und dieses ihr Leben stark dominiert. Sie verweist auf wissenschaftliche Studien, die beunruhigende Folgen des zeitintensiven Internetkonsums von Jugendlichen dokumentieren. Absicht Die Rednerin zeigt anhand persönlicher Beobachtungen auf, welche Folgen eine übermäßige Flucht ins Internet bei Jugendlichen haben kann. Sie will auf gesundheitliche Risiken ebenso hinweisen wie auf soziale Folgen, wenn Kinder und Jugendliche zu viel Zeit im Internet verbringen. Durch die Hinweise auf wissenschaftliche Studien zu dem Thema untermauert sie ihre Aussagen und zeigt auch auf, dass der zeitintensive Internetkonsum ein globales Phänomen ist. Sie mahnt, mehr Verantwortung zu übernehmen und sich wieder echten Beziehungen und der realen Welt, wie auch der Natur, zuzuwenden. Handlungsbereich Reden, die in einem schulischen Redewettbewerb gehalten werden, wenden sich direkt an das anwesende Publikum, das zahlenmäßig überschaubar ist. Durch die Veröffentlichung in den sozialen Medien kann ein größeres Publikum erreicht werden. Die Rednerin wendet sich in ihrem Appell an ihr persönliches Umfeld. Gliederung Eine kurze, beispielhafte Geschichte über ein vierzehnjähriges Mädchen, das ständig im Internet surft, leitet den Text ein. Die Rednerin begründet diese intensive Internetnutzung mit der Flucht vor realen familiären oder schulischen Problemen in die Onlinewelt, in der häufig Perfektion vorgegaukelt wird. Anschließend werden gesundheitliche, entwicklungspsychologische und soziale Gefahren von zu intensiver Internetnutzung angeführt und der Verlust von realen Erlebnissen beklagt. Die Rednerin mahnt, sich der schädlichen Folgen ü bertriebenen Internetkonsums bewusst zu sein und wieder mehr auf Begegnungen in der Realität, auch der Natur, zu konzentrieren. Sprache Dem Charakter der Meinungsrede (= Überzeugungsrede) entspricht – die direkte Ansprache der Adressatinnen und Adressaten: Sie denken sich vielleicht …; Daher, sehr geehrte Damen und Herren, … – die Einbeziehung aller Angesprochenen: Und genau deshalb möchte ich an Sie, an euch, an uns alle appellieren … – die Verwendung einer Reihe rhetorischer Stilmittel: • Alliteration: Wissen wir, was wir tun? … • Wiederholungen: Lassen Sie …, Lassen Sie … • Wiederaufnahme: … Geschichte beginnen, einer Geschichte …; Wir sind die …, die … • Parallele Satzkonstruktionen: Sie ist eine von uns. Sie ist unauffällig … • (Rhetorische) Fragen: Aber was wäre, wenn ich Ihnen sagen würde …? • Imperative: Lassen Sie uns unsere Handys einmal weglegen … • Aufzählungen: … scrollt … snappt … liked … • Ellipsen: In ihrer Hand, wie immer, ihr Handy. Ein ständiger Begleiter. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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