79 3.4 — Offener Brief (keine SRDP-Textsorte) Das Universum ist unendlich faszinierend, und wir würden uns freuen, zu Programmen beizutragen, die seine echten Wunder zeigen. Um einen anderen nie von Albert Einstein geäußerten Satz zu zitieren: „Das Universum ist ein wunderschöner, geheimnisvoller Ort — lasst uns das nicht dadurch entwerten, dass wir behaupten, die Venus habe eine Meinung über unser Liebesleben.“ Dass wir immer mehr über dieses fassbare und gleichzeitig ferne Universum und unseren Platz darin lernen, ist doch spannender und unterhaltsamer als die unfassbaren Behauptungen Mit freundlichen Grüßen Die Professor*innen des Institut für Astrophysik, Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie, Universität Wien 03.10.2024 (326 Wörter) quelle: https://astro.univie.ac.at/detailansicht/news/offener-brief-zur-orf-sendung-blick-in-die-sterne/; 10.04.2025 30 32 34 36 38 40 Grußformel und Unterschrift Schluss: Wir-Botschaft als freundliches Angebot zu positivem Beitrag; Appell („lasst uns“) Gegenüberstellender Schlusssatz mit versöhnlichem Angebot („doch“) zu gemeinsamer Sichtweise Hinweise zum Beispieltext Offener Brief zur ORF-Sendung „Blick in die Sterne“ Situation: Professorinnen und Professoren des Instituts für Astrophysik an der Universität Wien schreiben einen offenen Brief an die Programmdirektorin des ORF, weil sie mit der Ausstrahlung einer astrologischen Sendung nicht einverstanden sind. Adressatinnen und Adressaten: Die Verfasserinnen und Verfasser wenden sich direkt an die namentlich genannte Programmdirektorin des ORF. Gleichzeitig veröffentlichen Sie den offenen Brief auf der Homepage der Universität Wien, die weltweit zu den 100 besten Universitäten gehört. Damit erreicht der offene Brief eine sehr hohe Zahl von Universitätsangehörigen, Fachleuten und Forschenden. Inhalt: Die Verfasserinnen und Verfasser protestieren gegen die Ausstrahlung einer astrologischen Sendung, weil Astrologie keine wissenschaftliche Grundlage hat und daher nicht dem gesetzlich festgelegten Bildungsauftrag des ORF entspricht. Solche Sendungen würden außerdem die in Österreich vorhandene Wissenschaftsskepsis fördern. Absicht: Die Verfasserinnen und Verfasser möchten erreichen, dass im ORF keine pseudowissenschaftlichen Sendungen, sondern wissenschaftlich fundierte Beiträge über das Universum ausgestrahlt werden. Gliederung: Dieser offene Brief weist genau jenes Gliederungsmuster auf, das in den oben genannten Anforderungen für diese Textsorte genannt wird. Sprache: — Wir-Botschaften: „wir schätzen“, „in unseren Augen“, „Wir Astrophysiker*innen“, „wir würden uns freuen“ — Adressatin wird direkt angesprochen: „wir schätzen Ihr Engagement …“ — Einsatz von rhetorischen Mitteln: – Captatio Benevolentiae (Werben um die Gunst der Adressatin mit anfänglich schmeichelnden Worten): „wir schätzen ihr Engagement …“ – Antithesen: „wissenschaftliche Erkenntnisse - Astrologie hingegen nicht den geringsten Erkenntniswert“, „Bildungsauftrag - genau das Gegenteil“, „Pseudowissenschaft - echte Wissenschaft“ – Hendiadyoin (Zwillingsformel): „Einsicht und Erkenntnis“, „ungesunde und unbegründete“, „spannender und unterhaltsamer“ – Verstärkung der Botschaft durch vorangestellte Attribute und superlativische Adjektive und Adverbien: „jeglicher“, „keinen wie auch immer“, „nicht den geringsten“, „unendlich“, „übermäßig“, „unfassbaren“, „jeglichen“, „ganz besondere“ – abwertendes Wortfeld im Zusammenhang mit Astrologie: „Pseudowissenschaft“, „Sterndeuterei“ (statt Deutung), „ungesunde“, „Behauptungen“ – positives Wortfeld im Zusammenhang mit Astrophysik: „Erkenntnisse“, „Verständnis“, „Erfolge“, „Nutzen“, „Wunder“, „faszinierend“, „spannender“ — direkter Appell: „lasst uns“, indirekter Appell: „wir würden uns freuen“, „sollte mithelfen“ — Tonfall, Sprachduktus: Dieser offene Brief ist sprachlich klar, deutlich und unmissverständlich formuliert, aber trotzdem höflich in der Form. Zum Schluss wird die Adressatin in das „wir“ einbezogen: „Dass wir immer mehr lernen.“ Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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