sprachreif, Schreibkompetenztraining 1: Argumentative und appellative Textsorten

73 3.3 — Kommentar Das Gericht in Graz nahm die Gefahr ernst. Doch bis es zum Prozess kam, vergingen zwei Jahre. Die Ermittler ließen sich Zeit. Zeit, in der die Erinnerung mancher Zeugen verblasste. Zeit, in der Beweise verschwanden. Zeit, die jenen auf der Grazer Anklagebank nutzen könnte, die auch in der Causa Alpen-Donau.info1 verdächtigt werden. Der Verfassungsschutz muss künftig schneller arbeiten. Das Verbotsgesetz allein kann nämlich niemanden schützen. quelle: Der Standard, 06.12.2012; abrufbar unter: http://derstandard. at/1353208337691/Urteile-zu-NS-Wiederbetaetigung-Kein-Denkverbotnur-Schutz; 01.04.2014 1 Alpen-Donau.info: Blog für rechtsextreme Inhalte 24 26 28 30 32 Analysieren Sie auffällige sprachliche Merkmale dieses Kommentars: Markieren Sie dazu in unterschiedlichen Farben — unvollständige Sätze (Ellipsen) — allein stehende Gliedsätze — Wiederholung, Parallelismus, Anapher, Verdopplung (siehe rhetorische Mittel, S. 87 f.). Schreiben Sie den mittleren Absatz („Wer die … bereit.“) in ganze Sätze um. Beurteilen Sie den stilistischen Unterschied. Unterstreichen Sie den Appell in diesem Kommentar. Analysieren Sie die grammatische Form des Appells. Ü10 Ü11 Ü12 Beurteilung und Überarbeitung Lesen Sie den Kommentar aus der Tageszeitung „Der Standard“ vom 09.10.2013: Montag nach der Wahl. Die Zeitungen sind voll mit Analysen und Kommentaren zum Sonntag. Auch in Radio und Fernsehen gibt es kein anderes Thema – auf Facebook überschlagen sich die Postings von Freunden. Anscheinend hat jeder was zum Wahlergebnis zu sagen. In Erwartung an einen regen Austausch betrete ich also die Schule. Doch Innenpolitik scheint hier heute keine so große Rolle zu spielen. Was ist wichtiger? Eine tote Sprache oder aktuelle Politik? Man sollte meinen, dass in der Schule beides zumindest gleich wichtig wäre. Aber die Innenpolitik hat einen Nachteil. Zwar wird im Lehrplan darauf hingewiesen, dass politische Inhalte interdisziplinär seien und dass sie deshalb übergreifend unterrichtet werden sollten – verpflichtet fühlt sich oft aber niemand so richtig, und die Tagespolitik bleibt auf der Strecke. So berichtet etwa eine Bekannte, dass ihre Klasse darum gebettelt habe, am Montag nach der Wahl über diese zu sprechen. Erfolglos. Und sie ist bei weitem kein Einzelfall. Man müsse ja mit dem Stoff weiterkommen, heißt es oft. Nachvollziehbar – aber ist es wirklich zu viel verlangt, eine Stunde zu opfern, um sich über die Zukunft des Landes zu unterhalten? Ein anderes Argument lautete, dass Politik Privatsache sei. Stimmt natürlich auch. Aber Lehrer können zwischen einer sachlichen Debatte und dem Eintrichtern von Ideologien unterscheiden. Natürlich gibt es auch positive Beispiele – ist der Wille da, findet sich also die Zeit. Gäbe es Politische Bildung als eigenes Fach, wäre die lästige Frage der Zuständigkeit geklärt. Bislang bleibt es aber beim Konjunktiv. Auch das hätte man am Montag thematisieren können. Max Miller (17) quelle: DER STANDARD, 09.10.2013, S. 8 Keine Zeit für Diskussionen Wahlergebnisse bleiben in vielen Schulen unerwähnt 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34 36 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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