sprachreif, Schreibkompetenztraining 1: Argumentative und appellative Textsorten

52 3.2 — Erörterung Adressatinnen und Adressaten Sie wenden sich gegebenenfalls an eine Einzelperson, eine Gruppe oder eine private bzw. öffentliche Einrichtung. Inhalt Die Themen, zu denen Sie sich äußern müssen, stammen aus Lebensbereichen, die für junge Menschen bedeutsam sind und häufig mit Wertefragen verknüpft sind: „(Erwartungen an die) Arbeitswelt“, „Sport“, „Freizeit“, „Umgang mit modernen Medien“, „Bildung oder Ausbildung“, „Ökologie versus Ökonomie“ … Absicht Sie nehmen zu einem Sachverhalt oder Problem Stellung, indem Sie Argumente für und/oder gegen etwas anführen. Damit legen Sie Ihre Position dazu dar und kommen gegebenenfalls am Ende Ihrer Überlegungen zu einer Entscheidung. (Mögliche) Gliederung Die Einleitung führt zum Thema und benennt den zu erörternden Sachverhalt. Der Hauptteil kann zwei unterschiedliche Gliederungsmuster aufweisen: – Lineare Erörterung: Die Erörterung enthält nur Argumente für oder gegen eine Sache. Das inhaltliche Gewicht der einzelnen Argumente steigt an, sodass das wichtigste Argument am Ende des Hauptteils steht. – Dialektische Erörterung: Die Erörterung enthält Pro- und Kontra-Argumente zu einem Problem. Die Schreiberin/Der Schreiber kann die unterschiedlichen Sichtweisen auf mehrere Arten darlegen: – zuerst alle Argumente für die Sache, anschließend alle Argumente dagegen – Pro- und Kontra-Argument wechseln einander ab – Sanduhr-Modell: zuerst Anführung aller Argumente für den Kontra-Standpunkt (beginnend mit dem wichtigsten Argument), anschließend alle Argumente für den Pro-Standpunkt (wichtigstes Argument am Schluss) Der Schluss fasst die wichtigsten Gedanken zusammen, bietet einen Ausblick auf die Zukunft, ordnet das Thema in einen größeren Zusammenhang ein, formuliert einen Appell … Sprache Sachlicher Stil, Verben der Meinungsäußerung, Satzgefüge, um die teilweise komplizierten Zusammenhänge auszudrücken; wichtige Rolle der Verknüpfungswörter, Ausdrücke der Meinungsverstärkung und -abschwächung; Wortschatz abhängig vom Thema. Umfang 405 bis 495 oder 540 bis 660 Wörter. Beispiele für verwandte Textsorten Glosse, Leitartikel, Rezension, Kolumne, Leserbrief. Typen von Erörterungen Im Deutschunterricht begegnen Ihnen vor allem zwei Formen von Erörterung: — Die einfachere Form verlangt von Ihnen, zu einem Sachverhalt oder Problem Argumente anzuführen und damit Ihre Position klarzulegen. Solche Erörterungen sind an Aufgabenstellungen gebunden, in denen eine W-Frage steckt, die es zu begründen gilt: – „Begründen Sie, warum immer mehr Schüler/innen im Fremdsprachenunterricht das Fach Spanisch wählen.“ – „Diskutieren Sie, warum sich junge Menschen wieder zunehmend auf traditionelle Werte wie Fleiß, Pflichtgefühl und Leistungsbereitschaft besinnen.“ Diese Form der Aufgabenstellung bedingt eine lineare, inhaltlich sich steigernde Darstellung (siehe unten). Das weniger Wichtige steht am Beginn, das Wichtigste am Ende des argumentierenden Abschnitts. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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