sprachreif, Schreibkompetenztraining 2: Analytische und interpretatorische Textsorten

14 3.1 — Die Zusammenfassung Vom Lesen des Primärtextes zum Schreibplan Lesen und inhaltliche Erschließung des Ausgangstextes — Ein erstes überblicksmäßiges Lesen des Ausgangstextes dient der inhaltlichen Orientierung (vergleiche Lesestrategie S. 6–8). — Anschließend wird der Text langsam und aufmerksam gelesen, wobei auf thematische Schwerpunkte, Gliederungsstrukturen und inhaltlich tragende Begriffe („Schlüsselwörter“) besonders geachtet wird („Detaillesen“). — Wenn Sie bereits gute Erfahrungen mit Lesestrategien gemacht haben (z. B. Schlüsselwörter farbig markieren, Absätze mit Randbemerkungen versehen, Zwischenüberschriften einfügen …), wenden Sie diese hier auch an. — Versuchen Sie zuerst einmal nur gedanklich, das Thema (eventuell auch die Teilthemen) des Ausgangstextes für sich klar zu formulieren, bevor Sie zu schreiben beginnen. Vorbereitungsschritte für die schriftliche Zusammenfassung – Auswahl geeigneter Strategien und Methoden In den nächsten Arbeitsschritten lernen Sie Strategien kennen, die Ihnen dabei helfen, Primärtexte inhaltlich so zu „verdichten“, dass ihr Umfang stark reduziert wird und trotzdem die wesentlichen Informationen und der „rote Faden“ erhalten bleiben. Da es nicht „die“ passende Strategie für die Zusammenfassung jedes Ausgangstextes gibt, kann man an einem Text verschiedene Strategien anwenden und diese nach Bedarf mischen. Eine recht zielführende Vorgehensweise zur Textreduktion bzw. zur Textverdichtung ist die „Wegstreich-Methode“. Dabei streichen Sie all jene Textteile des Primärtextes durch, die Ihnen für das Textverstehen nicht relevant erscheinen (häufig kann man erklärende Beispiele oder Detailergänzungen weglassen). Diese Methode können Sie bei der Übung 2 ausprobieren. W-Fragen, die Sie bereits beim Schreiben von Zeitungsberichten kennen gelernt haben, helfen Ihnen dabei, die wesentlichen Aussagen eines Textes zu erfassen. Übung 3 bietet Ihnen dafür eine Textvorlage. Bei einer Zusammenfassung müssen Sie die wichtigsten Aussagen des Textes gedanklich durchdringen, vom Besonderen der einzelnen Informationen zum übergeordneten Allgemeinen finden („abstrahieren“). Kleinere gedankliche Einheiten müssen zu immer umfassenderen Aussagen verdichtet werden. Der Einsatz von passenden Begriffen und die Bildung von Oberbegriffen sind dazu hilfreich. Diese Strategien können Sie in der Übung 4 anwenden. Als Ergebnisse des Abstrahierens oder Generalisierens von Aussagen und auch bei der Wegstreich-Methode bleiben Einzelsätze oder reduzierte Textabschnitte, die anschließend zu einem Fließtext zusammengefügt werden, wobei Sie möglichst nichts wortwörtlich übernehmen sollten. Sie müssen besonders auf den logischen Zusammenhang Ihrer Zusammenfassung achten. Dafür ist es unerlässlich, sich mit den Möglichkeiten der Satzverknüpfung zu befassen. Den Ausgangstext inhaltlich global erfassen und sofort eine Zusammenfassung schreiben: Wer sich mit dem oben angeführten schrittweisen Vorgehen beim Zusammenfassen schon gut zurechtfindet, kann eine andere Methode ausprobieren, die vor allem für geübte Schreiberinnen und Schreiber geeignet ist. Nach dem genauen Lesen des Ausgangstextes (eventuell mehrfaches Lesen) wird der Text beiseitegelegt und gedanklich in seinen wesentlichen Aussagen rekonstruiert. Dabei muss der „rote Faden“ immer verfolgt werden. Stößt die Schreiberin bzw. der Schreiber auf inhaltliche Lücken, weil vielleicht ein paar neue Fachbegriffe oder wichtige Namen aus dem Text nicht gemerkt wurden, darf noch einmal kurz im Primärtext nachgelesen werden. Dann beginnt die Niederschrift der Zusammenfassung – allerdings ohne Textvorlage, nur aus dem Gedächtnis. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass man nicht Gefahr läuft, Textpassagen wortwörtlich zu übernehmen. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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