Deutsch Oberstufe sprachreif Maria-Rita Helten-Pacher Herbert Staud Wolfgang Taubinger Schreibkompetenztraining 2 Analytische und interpretatorische Textsorten Aktualisiert!
sprachreif, Schreibkompetenztraining 2: Analytische und interpretatorische Textsorten Schulbuchnummer: 180227 Mit Bescheid des Bundesministeriums für Bildung vom 2. Jänner 2017, GZ BMBF-5.018/0106-B/8/2015, gemäß § 14 Absatz 2 und 5 des Schulunterrichtsgesetzes, BGBl. Nr. 472/86, und gemäß den derzeit geltenden Lehrplänen als für den Unterrichtsgebrauch im Unterrichtsgegenstand Deutsch für die 5. −8. Klasse an allgemein bildenden höheren Schulen-Oberstufe (Lehrplan 2017), für den I. −V. Jahrgang an Höheren technischen und gewerblichen Lehranstalten (Lehrplan 2015), an Handelsakademien (Lehrplan 2014), an Höheren Lehranstalten für wirtschaftliche Berufe (Lehrplan 2016) , an Höheren Lehranstalten für Mode (Lehrplan 2016), an Höheren Lehranstalten für Tourismus (Lehrplan 2016), an Höheren land- und forstwirtschaftlichen Lehranstalten (Lehrplan 2016) sowie für die 1. −5. Klasse an Bildungsanstalten für Elementarpädagogik im Unterrichtsgegenstand Deutsch (einschließlich Sprecherziehung, Kinder- und Jugendliteratur) (Lehrplan 2016) und an Bildungsanstalten für Sozialpädagogik im Unterrichtsgegenstand Deutsch (einschließlich Sprecherziehung, Kinder- und Jugendliteratur) (Lehrplan 2016) geeignet erklärt. Mit Bescheid vom 01. Oktober 2025, GZ 2025-0.471.606, teilt das Bundesministerium für Bildung mit, dass gegen die aktualisierte Fassung des Werkes sprachreif, Schreibkompetenztraining 2, BNR 180.227, kein Einwand besteht. (Lehrplan 2017) Dieses Werk wurde auf der Grundlage eines zielorientierten Lehrplans verfasst. Konkretisierung, Gewichtung und Umsetzung der Inhalte erfolgen durch die Lehrerinnen und Lehrer. Liebe Schülerin, lieber Schüler, Sie bekommen dieses Schulbuch von der Republik Österreich für Ihre Ausbildung. Bücher helfen nicht nur beim Lernen, sondern sind auch Freunde fürs Leben. Kopierverbot Wir weisen darauf hin, dass das Kopieren zum Schulgebrauch aus diesem Buch verboten ist – § 42 Abs. 6 Urheberrechtsgesetz: „Die Befugnis zur Vervielfältigung zum eigenen Schulgebrauch gilt nicht für Werke, die ihrer Beschaffenheit nach zum Schul- oder Unterrichtsgebrauch bestimmt sind.“ Bildquellen: S. 6.1: Die Presse, 02.09.2013; Bild: Katharina Roßboth; S. 13.1: Joachim Wendler / Fotolia; S. 15.1: Brian Gratwicke / Survival International; S. 23.1: STATISTIK AUSTRIA, Hochschulstatistik 2022/23; S. 24.1: STATISTIK AUSTRIA, Hochschulstatistik 2022/23; S. 30.1: EcoView / stock.adobe. com; S. 34.1: LittleBee80 / Thinkstock; S. 40.1: Mag. Maria-Rita Helten-Pacher, Langenzersdorf; S. 41.1: akg-images; S. 41.2: Wilhelm Hasemann: Storms Immensee, Glaspalast München 1888; S. 51.1: akg-images; S. 52.1: Nikolaus Korab; S. 53.1: APA-Images / Agence Vu / Franck Ferville; S. 61.2: elliott erwitt / Magnum Photos / Agentur Focus; S. 61.1: Herbert Staud, Wien; S. 70.1: SergeyMikhaylov / Getty Images - iStockphoto; S. 72.1: MEV-Verlag, Germany Die Nutzung der Inhalte dieses Werkes für Text- und Data-Mining im Sinne des § 42h Abs. 6 UrhG ist ausdrücklich vorbehalten und daher verboten. Die Inhalte dieses Werkes dürfen auch nicht zur Entwicklung, zum Training und/oder zur Anreicherung von KI-Systemen, insbesondere von generativen KI-Systemen, verwendet werden. 1. Auflage (Druck 0001) © Österreichischer Bundesverlag Schulbuch GmbH & Co. KG, Wien 2026 www.oebv.at Alle Rechte vorbehalten. Jede Art der Vervielfältigung, auch auszugsweise, gesetzlich verboten. Schulbuchvergütung/Bildrechte © Bildrecht GmbH/Wien 2026 Redaktion: Mag. Elke Fuger, Wien Herstellung: Sigrid Prünster, Wien Umschlaggestaltung: Petra Michel, Gestaltung & Typografie, Essen Layout: Susanne Hörner, Kommunikationsdesign, Bollschweil Satz: Brigitte Puschmann, Ligatur, Wien Druck: Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H., Horn ISBN: 978-3-209-13716-6 (sprachreif AH Schreibkompetenztraining 2) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
www.oebv.at Deutsch Oberstufe sprachreif Maria-Rita Helten-Pacher Herbert Staud Wolfgang Taubinger Schreibkompetenztraining2 Analytische und interpretatorische Textsorten Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
2 3.1 — Die Zusammenfassung Schreibaufgabe (Hausübung oder Schularbe Verfassen Sie eine Zusammenfassung. Situation: Sie haben sich mit dem Thema „Em Psychologie und Deutsch beschäftigt und so menfassung des Textes „Die Suche nach den Lesen Sie den vorliegenden Text. Schreiben Sie nun die Zusammenfassung un — Geben Sie wesentliche Inhalte des Zeitun — Beschreiben Sie die darin vorgestellten F — Erläutern Sie die Gründe dafür, warum di unterschiedlichen Seiten stoßen. Schreiben Sie 315 bis 385 Wörter. Markieren Sie Absätze mittels Leerzeilen. AufgAbe Niedlich sind sie, diese Strauchratten. „Rät sagt Anna Katharina Braun zu ihnen. Sie Hessischen aufgewachsen und hat eine V für Verkleinerungsformen. Die Tiere tollen m durch den Käfig in der Magdeburger Ott Guericke-Universität, und die Verhaltensb schaut lächelnd zu. Manchmal schaut sie alle ein wenig nachdenklich drein. Die Suche nach den Narbe Anna Katharina Braun erforscht an Ratt Lehrer und Psychologen die Erkenntnis Von Annette Lessmoellmann 2 4 6 8 Lösungen: Zusammenfassung Ü 10: sind … fest verankert = Zustandspassiv. Ausgehend von der Ent wicklung der Schweiz zu einer Wohlstandsgesellschaft = umfangreiche Partipizialkonstruktionen. … legt … eine kritische Parabel von der sub versiven Macht des Geldes vor, vor dem Hintergrund des Kalten Krieges steigert er in den Physikern diese Kritik zur Negativutopie privatwirt schaftlicher Omnipotenz = Komplexe Satzkonstruktion; Fremdwörter Fachtermini Ü 11: Ein juristischer Fachtext (= Gesetzestext): Gemeinde Afritz am See Thema: Hundehaltung. Allgemein: Komplexe Satzkonstruktion. Wird … gehalten = uneingeleiteter Gliedsatz; Passiv. verendeten, getöteten, ab gegebenen oder sonst wie abhanden gekommenen Hundes = Verkürzung der Aussage durch Partizipien/Passiv. … entrichtet wurde = Passiv. Abga Textanalyse Ü 1 Schritt-für-Sch Textsortentrai Die Zusammenfassung Die Textsorte „Zusammenfassung“ Die Zusammenfassung ist keine eindeutig definierbare – vor allem im wissenschaftlichen Umfeld – finden sich Texten, die vom Ausgangstext („Primärtext“), der Verwe bestimmt werden. Die Zusammenfassung vermittelt einen klaren Überblick beschränkt. Merkmale einer Zusammenfassung sind die Zwecke der Wiedergabe des Inhaltes, der Struktur bzw. Textes. Die Zusammenfassung kann einerseits als Oberbegriff f den werden, andererseits auch als Terminus für einen Te einmal zusammenfasst (= Resümee). Anforderungen an eine Zusammenfassung/Beurteil 3 3.1 – 3.1.1 – Situation Die Verfasserin/Der Verfasse verdichteter Form wesentlich und die Gestaltung des Ausg der Textvorlage und die Fähi und sprachlich zu komprimie Die Zusammenfassung kann Textes, z. B. als Teil einer (vor Adressatinnen und Adressaten Die Adressatinnen und Adres informiert werden. Die Lektü Adressaten nicht vorausgese Inhalt Der Inhalt einer Zusammenf themen des Ausgangstextes werden. Absicht Die Zusammenfassung verm Überblick über Inhalt und Au ihre Lektüreabsichten zu bew Unter Umständen ersetzt od Ausgangstextes. (Mögliche) Gliederung Einleitung: Hinweis auf publi rin bzw. Verfasser, Erscheinu Thema. Hauptteil: Beim Schreiben d (Reihenfolge) der Informatio tionen nach sachlogischen K Schluss: orientiert sich an de gangstext als Grundlage für spreif2skt_08327_kap3.indd 9 18 werden gedanklich und schließlich auch spra Aspekt erkannt und benannt wird. Abstrahieren ist dem Verallgemeinern verwa genau geprüft, abgewogen und von der Einze deshalb auch abstrakten Feststellungen/Beg Aspekte eines Themas/einer Sache werden w Da für ein erfolgreiches Abstrahieren Wissen hieren auch zu einem Erkenntnisgewinn. Beispiele für Abstrahieren/Generalisieren: Di widersprach …, sie behauptete …, er entgeg Übergeordnete Begriffe für die beiden Sprec Übergeordnete Begriffe für die Art des Mitei Diskussion, Streit, Auseinandersetzung … Die kognitiven (= gedanklichen) Fähigkeiten f Texte auf wesentliche Informationen/Aussage Auf sprachlicher Ebene wird das mittels unte Teile des Textes, die der Schreiberin/dem Sch werden; andere werden in übergeordnete Au nert und mit Oberbegriffen überschaubar ge Oberbegriffe fassen zum Beispiel Wörter eine Textumfang, wobei gleichzeitig mehr Übersic Beispiele: Eine Füllfeder, ein Bleistift und ein sind „Laubbäume“. Beim Abstrahieren und sprachlichen Komprim In fachsprachlichen, wissenschaftlichen oder Nominalstil, die höhere inhaltliche Präzision b Nominalisierungen finden Sie auf S. 22 f. Lesen Sie den folgenden Zeitungsbericht aus führen Sie folgende Arbeitsschritte aus: — Tragen Sie gleich beim ersten Lesen in die eine Wortgruppe) zum Inhalt ein. — Verkürzen Sie beim zweiten Lesen (Detail Sie verdichten dabei einzelne Information wenn möglich, auch mit Oberbegriffen. Ü5 Bedächtig wie bei einer Trauerprozession Dutzend Frauen und Männer die Stufen ler eines buddhistischen Tempels in Se Alle sind in ein gelbes Gewand aus Jute – die traditionelle Trauerkleidung in K sich tragen sie eine Kerze und ein mit T „Happy dying“: Südkore In sogenannten Happy-dying-Kursen glücklicher zu werden. 2 4 6 spreif2skt_08327_kap3.indd 18 Einleitung Zur Arbeit mit diesem Buch Dieses Buch will Ihnen helfen, sich erfolgreich auf Schularbeiten und die gültige schriftliche Reife- und Diplomprüfung im Fach Deutsch vorzubereiten, und zwar für die Textsorten Zusammenfassung, Textanalyse und Textinterpretation. Der Aufbau des Buchs trägt zwei Tatsachen Rechnung: zuerst jener, dass die Aufgabenstellungen bei den Schularbeiten häufig, bei der Reife- und Diplomprüfung immer darin bestehen, Texte nicht nur zu schreiben, sondern vorgegebene Ausgangstexte zu lesen und sich mit ihnen gemäß der Aufgabenstellung auseinanderzusetzen. Zweitens gilt es zu berücksichtigen, dass bereits ein Band Schreibkompetenztraining im Rahmen der Reihe sprachreif erschienen ist, in dem grundsätzliche Überlegungen zum Schreiben angestellt werden, die in diesem Band folglich nicht mehr wiederholt werden. Im ersten Abschnitt dieses Bandes finden Sie nach grundsätzlichen Überlegungen zum Textverstehen sowie zur Unterscheidung von Sachtexten und literarischen Texten Hilfestellungen für das sinnerfassende Lesen. Im zweiten, wesentlich umfassenderen Abschnitt wird jede einzelne Textsorte in einem Kapitel thematisiert. Jedes Kapitel folgt einem systematischen Aufbau, der Sie mit der jeweiligen Textsorte vertraut machen soll. Zu Beginn wird die Textsorte definiert. Es folgt eine Übersicht über die textsortenspezifischen Anforderungen an Situation, Adressatin/Adressat, Inhalt, Schreibabsicht, Gliederung, Sprache. Beim Üben sollten Sie immer wieder überprüfen, wie gut Ihre Texte diese Anforderungen erfüllen, denn nach diesen Kriterien werden Ihre Texte schließlich auch beurteilt – egal ob bei Schularbeiten, bei der Reife- oder Diplomprüfung oder später im Studium und Berufsleben. Anhand eines kommentierten Beispieltextes können Sie nachlesen, wie diese Anforderungen umgesetzt werden können. Es folgen Übungen zu verschiedenen Aspekten der jeweiligen Textsorte – zum Aufbau, zur sprachlichen Bewältigung, zum notwendigen Fachvokabular, zum Überarbeiten. Den Abschluss jedes Kapitels bildet eine Schreibaufgabe nach dem Muster der Reife- und Diplomprüfung, ergänzt durch Hinweise zu ihrer Lösung. Am Ende des Buches finden Sie alle Lösungen zu Übungen und Aufgaben für Ihre Selbstkontrolle. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg beim Üben mit diesem Buch und bei Ihren schriftlichen Prüfungen. Maria-Rita Helten-Pacher Herbert Staud Wolfgang Taubinger Anmerkung: Die Autorin und die Autoren haben ihre Texte nach den Vorgaben des Bildungsministeriums zur Verwendung eines geschlechtergerechten Sprachgebrauches (https://www.bmb.gv.at/Ministerium/Gleichbehandlung/Arbeitsgruppef%c3%bcr-Gleichbehandlungsfragen/-Sprachliche-Gleichbehandlung.html; 24.04.2025) verfasst. In Zitaten und Originaltexten anderer Autorinnen und Autoren wurden die Originalformulierungen beibehalten. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
3 Inhaltsverzeichnis Einleitung/Zur Arbeit mit dem Buch ------------------------------------------------------ 2 1 Einführung: Zusammenfassen, Analysieren und Interpretieren von Texten 4 1.1 Texte verstehen ---------------------------------------------------------------------------- 4 1.2 Texte verstehen – welche Kompetenzen sind dafür notwendig? - ---------------------- 4 2 Lesestile und Lesestrategien 6 2.1 Leseabsichten unterscheiden ------------------------------------------------------------ 6 2.2 Übungen ---------------------------------------------------------------------------------- 8 3 Schritt-für-Schritt-Textsortentraining 9 3.1 Die Zusammenfassung ------------------------------------------------------------------- 9 3.1.1 Anforderungen an eine Zusammenfassung/Beurteilungsgrundlagen ----------------- 9 3.1.2 Versuch einer Abgrenzung zu verwandten Textsorten ---------------------------------- 10 3.1.3 Übungsschritte auf dem Weg zur Zusammenfassung ----------------------------------- 13 3.1.4 Anwendung verschiedener Strategien und Methoden zur Textreduktion und zur Komprimierung ----------------------------------------------------------------------- 14 3.1.5 Die Wiedergabe wörtlicher Rede --------------------------------------------------------- 20 3.1.6 Fachtexte verstehen und zusammenfassen --------------------------------------------- 21 3.1.7 Nichtlineare Texte verstehen und auswerten -------------------------------------------- 23 3.1.8 Formulierungshilfen für die Verbalisierung nichtlinearer Texte - ----------------------- 25 3.1.9 Sachtexte mit nichtlinearen Textteilen zusammenfassen - ----------------------------- 28 3.2 Die Textanalyse --------------------------------------------------------------------------- 33 3.2.1 Anforderungen an eine Textanalyse/Beurteilungsgrundlagen ------------------------- 33 3.2.2 Erklärungen und aufbauende Übungen zur Textsorte Textanalyse --------------------- 36 3.2.3 Die Struktur eines Sachtextes grafisch darstellen - ------------------------------------- 40 3.2.4 Die Struktur eines literarischen Textes grafisch darstellen ----------------------------- 41 3.2.5 Analysekriterien für Epik, Lyrik, Dramatik ----------------------------------------------- 46 3.2.6 Tipps für das Schreiben einer Textanalyse ----------------------------------------------- 52 3.2.7 Eine Textanalyse überarbeiten ----------------------------------------------------------- 56 3.3 Die Textinterpretation -------------------------------------------------------------------- 58 3.3.1 Anforderungen an eine Textinterpretation/Beurteilungsgrundlagen ------------------ 58 3.3.2 Erklärende und aufbauende Übungen zur Textinterpretation -------------------------- 61 3.3.3 Die Interpretation von epischen Texten - ------------------------------------------------ 63 3.3.4 Ein literarisches (Selbst-)Gespräch für die Interpretation nutzen ----------------------- 65 3.3.5 Die Interpretation von lyrischen Texten - ------------------------------------------------ 70 3.3.6 Die Interpretation von dramatischen Texten -------------------------------------------- 77 3.3.7 Produktionsorientierte Schreibübungen - ----------------------------------------------- 82 3.3.8 Schritt für Schritt eine Textinterpretation verfassen: Überblick ------------------------ 83 3.3.9 Schritt für Schritt eine Textinterpretation verfassen: praktische Ausführung - - - - - - - - - 87 Textquellenverzeichnis ------------------------------------------------------------------- 94 Lösungen ---------------------------------------------------------------------------------- 95 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
4 1.1 — Texte verstehen Zusammenfassen, Analysieren und Interpretieren von Texten Der zweite Band Schreibkompetenztraining der Reihe sprachreif beschäftigt sich mit den Textsorten Zusammenfassung, Textanalyse und Textinterpretation. Im Rahmen der kompetenzorientierten schriftlichen Reife- und Diplomprüfung aus Deutsch (SRDP) wird jede dieser drei Textsorten Bezug auf einen oder mehrere Ausgangstexte nehmen müssen. Als Grundlage dienen für die Zusammenfassung und Textanalyse Sachtexte, für die Textinterpretation literarische Texte. Daher wird Ihnen der erste Abschnitt dieses Bandes einige Hilfestellungen zum Textverstehen und Lesen anbieten. Daran schließen die Erläuterungen zu den einzelnen Textsorten des Bandes an. Dabei wird die Gliederung des ersten Bandes beibehalten: Eine Textsorte wird zuerst vorgestellt, anschließend folgen ein Beispieltext und entsprechende Übungen. Texte verstehen „Verstehen“ hat laut DUDEN (Band 7, S. 741–742) etwas mit „erkennen“, „geistig auffassen“, „wahrnehmen“ zu tun. Sie müssen sich also, wenn Sie sich auf einen unbekannten Text einlassen, von Ihrem geistigen Standort aus auf etwas Neues zubewegen und sich damit auseinandersetzen. Obwohl das Verstehen von Sachtexten und literarischen Texten eine Reihe von Ähnlichkeiten aufweist, unterscheiden wir im Folgenden zwischen dem Verstehen von Sachtexten und literarischen Texten. Wichtige Unterschiede zwischen Sachtexten und literarischen Texten: Sachtexte — beziehen sich auf die reale Welt — streben zumeist Eindeutigkeit an — informieren, klären etwas, appellieren … Literarische Texte — entwerfen vielfach eine erfundene Welt — sind oft mehrdeutig und unbestimmt — entwickeln Gegenwelten zur Realität — zeichnen sich durch eine besondere formale und sprachliche Gestaltung aus Texte verstehen – welche Kompetenzen sind dafür notwendig? Einen Sachtext oder literarischen Text zu verstehen, bedeutet für die Leserin und den Leser zunächst einmal, Buchstaben, Wörter und Sätze zu erkennen und ihnen – unter Zuhilfenahme des eigenen Vorwissens – eine Bedeutung beizumessen. In weiterer Folge werden mehrere aufeinander folgende Sätze verknüpft und thematische Zusammenhänge hergestellt. Abschließend erfolgt das für alle Abschnitte des Textes. Damit erfassen Lesende die Teilthemen des Textes und sein übergreifendes Thema. Vor- und Weltwissen der Leserin und des Lesers leisten dabei einen wichtigen Beitrag. Kompetente Leserinnen und Leser sind schließlich in der Lage, den konkreten Text einer Textsorte zuzuordnen und vorhandene sprachlich-stilistische Mittel zu erkennen. Beispiel: Sobald Sie an dem unten angeführten Text gemerkt haben, dass es sich um einen Zeitungsbericht handelt, werden Sie auf Grund Ihrer Textsorten-Kompetenz die Schlagzeile und die größer gedruckte einleitende Zusammenfassung sowie die Zwischenüberschriften besonders intensiv lesen, weil Sie wissen, dass Sie dort alle wichtigen Informationen finden. Die weiteren Ausführungen führen nur noch Details an. 1 Literarische Texte laden wegen ihrer Mehrdeutigkeiten und Unbestimmtheiten zu einem weiteren Schritt ein – zur Bedeutungszuweisung, die über die Wiedergabe des Wortsinns und der Inhaltsebene hinausgeht (= Interpretation). Die im Rahmen der Textanalyse erkannten Strukturen sind eine geeignete Ausgangsbasis dafür. 1 1.1 – 1.2 – 1 Diese Hinweise orientieren sich an: Jürgen Baurmann: Sachtexte lesen und verstehen. Seelze: Friedrich Verlag 2009, S. 41–45. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
5 1.2 — Texte verstehen – welche Kompetenzen sind dafür notwendig? Lesen Sie den folgenden Text aus der Tageszeitung „Der Standard“ vom 13.3.2025. Ü1 Sechs Uhr morgens, der Wecker klingelt, schnell ein paar Whatsapp-Nachrichten beantworten, schauen, wer auf Tiktok geschrieben hat, den Stundenplan checken. Dann anziehen, was frühstücken und ab in die Schule. Acht Stunden Unterricht, danach Hausübungen und Lernen. Der Alltag vieler Jugendlicher ist voll, oft bleibt wenig Zeit für Hobbys oder Freunde. Viele 14- bis 17-Jährige klagen über eine schlechte School-Life-Balance, die sich auf Psyche und Körper auswirkt. Was belastet Teenager? Das Nachhilfeinstitut Lernquadrat befragte rund 900 Oberstufenschüler:innen. Ergebnis: Noten, Leistungsdruck, Streit in der Familie oder mit Freunden belasten das Leben junger Menschen. Für die Hälfte ist zu wenig Freizeit ein Problem, vier von zehn klagen über unsinnige Arbeitsaufträge von der Schule. Nicht nachvollziehbare Benotung belastet stärker als schlechte Noten, ebenso unangekündigte Wiederholungen und zu wenig Zeit zum Lernen. Auch der Leistungsdruck und die schlechte Vermittlung des Lernstoffs machen vielen zu schaffen. Drei Viertel fühlen sich schon einmal ungerecht behandelt. Körperliche Folgen „Die Belastungen wirken sich in vielerlei Hinsicht aus“, sagt Angela Schmidt von Lernquadrat. Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit sind häufige Folgen. Viele Jugendliche reagieren mit Traurigkeit, Resignation oder Zorn. Mädchen sind besonders betroffen. Was können Eltern tun? Eltern machen sich Sorgen, wissen aber oft nicht, wie sie helfen können. „Am besten, indem Eltern den Druck herausnehmen“, sagt Elterncoach Elisabeth Kohl. Viele Eltern üben selbst Druck aus, auch unbewusst. Ihre Erfahrung: „Je früher man Verantwortung an das Kind übergibt, desto besser.“ Claudia S. etwa ließ ihre Söhne nach der Pandemie selbstständig lernen, ohne Kontrolle – mit Erfolg. Eltern als Vorbilder Kohl betont, dass Eltern wichtige Vorbilder sind. „Viele Eltern denken, sie müssen alles kontrollieren. Doch das schadet oft mehr, als es hilft“, sagt sie. Stattdessen sollten Eltern zuhören und die Ängste ihrer Kinder ernst nehmen, ohne immer gleich Lösungen parat zu haben. quelle: https://www.derstandard.at/story/3000000260687/was-schule-mit-unserer-jugend-macht; (teilweise gekürzt) 07.05.2025 Stress und Leistungsdruck Was Schule mit unserer Jugend macht School-Life-Balance? Die gibt es in Österreich kaum. Eine neue Studie zeigt, dass Jugendliche im Schulalltag massiv unter Druck stehen. Wie Eltern ihrem Kind helfen können. Nadja Kupsa 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 Schritte zum Erfassen dieses Sachtextes — Wissen um die Textsorte Zeitungsbericht aktivieren: Art der Aufmachung und sprachliche Gestaltung lassen sofort an einen Bericht denken. — Textsignale erfassen: Layout eines Zeitungsberichtes, Überschrift, Leadtext, Zwischenüberschriften, Bild (falls vorhanden), Bildunterschrift, eventuell vorhandene Schaubilder … — Wichtige Aussagen erfassen: Jugendliche stehen im Schulalltag massiv unter Noten- und Leistungsdruck, erfahren manchmal ungerechte Behandlung durch Lehrpersonen und leiden unter Freizeitmangel. Den Eltern bereitet der Schulstress ihrer Kinder Sorgen, sie sind damit aber oft überfordert und üben selbst Druck aus. Demgegenüber sollten Sie Druck herausnehmen und die Ängste ihrer Kinder ernst nehmen, auch wenn sie ihnen nicht sofort Lösungen anbieten können. — Aufbau: Einstieg mit Beispiel eines typischen Schulalltags von Jugendlichen; Hauptteil: Untermauerung durch Ergebnisse einer aktuellen Umfrage; Erläuterungen von Auswirkungen durch schulische Belastungsfaktoren; besorgte Eltern: mögliche Verhaltensweisen der Eltern; Schluss: Hinweis auf die wichtige Vorbildfunktion der Eltern. — Beziehung zwischen den einzelnen Abschnitten (= Absätzen) herstellen: Wiederaufnahme bzw. Ersatzformen: Druck – Stress – Leistungsdruck – Belastungen – Lernstress – Konflikte – Druckmacherei … — Über die mögliche Intention des Textes nachdenken: Will er informieren? Will er die Leserin/den Leser beeinflussen, etwas Bestimmtes (nicht) zu tun oder zu denken? Lässt er Rückschlüsse auf die Autorin/den Autor zu? — Vor- und Weltwissen aktivieren: Eigene Erfahrungen mit Schulstress und damit verbundene Konflikte mit den Eltern. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
6 2.1 — Leseabsichten unterscheiden Lesestile und Lesestrategien Leseabsichten unterscheiden Wie man einen Sachtext am besten liest, hängt von der Leseabsicht ab. Leseabsichten können sein: 1) Man will sich über Inhalt und Themen einen Überblick verschaffen = orientierendes Lesen: Dabei nimmt man Titel, Untertitel, Hervorhebungen, Bildunterschriften, Kästen etc. ins Visier. 2) Man sucht gezielt nach bestimmten gewünschten Informationen = selektives Lesen: Dafür „scannt“ man den Text nach spezifischen Themen, Begriffen, Daten, Fakten … Hier könnte man z. B. Stellen zum Thema „kriegerische Sprache“ herausfiltern. 3) Man möchte den Inhalt genau verstehen, untersuchen, z. B. zur Wissenserweiterung, Auseinandersetzung, Analyse, Interpretation … = intensives (genaues) Lesen: Hier bemüht man sich um ein detailliertes Verständnis, klärt alle offenen Fragen und Begriffe, dafür liest man manche Stellen mehrmals. 4) Man möchte mehr über das Thema lesen und zieht weitere Texte heran = extensives Lesen: Dafür recherchiert man in Büchern, in Zeitschriften, im Internet … 2 2.1 – quelle: Die Presse, 02.09.2013 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
7 2.1 — Leseabsichten unterscheiden Die Presse: Sie sind kommende Woche Keynote-Speaker beim DMVÖ-Marketing-Kongress, der unter dem Motto steht: „Die Schlacht um den Kunden“. Spielt sich denn ein Krieg um Kunden ab? Alfred Koblinger: Die Sprache in unserer Branche ist tatsächlich kriegerisch: Das Wort „Slogan“ wurde von den schottischen Clans als Schlachtruf verwendet, wenn sie auszogen, um den Clanmitgliedern des Nachbardorfes den Schädel einzuschlagen. Und auf eine „Zielgruppe“ legt man an, um zu schießen. Dabei geht es im Marketing darum, eine Beziehung zwischen Marke und Kunden aufzubauen – das funktioniert wie bei einer menschlichen Beziehung: Ich will das Objekt meiner Begierde kennenlernen, ihm nahekommen, es vielleicht fürs ganze Leben haben. Dafür muss ich immer etwas tun – selbst wenn ich einmal verheiratet bin, reicht es nicht, meiner Frau zum Hochzeitstag Rosen zu schenken. Kommunikation ist für mich kein kriegerischer, sondern ein erotischer Akt. Werbung, aber auch Umwerbung. Trotzdem findet eine Werbeschlacht statt: Man hört ständig „besser“, „schneller“, „billiger“. Es gibt von allem zu viel, die Produkte sind austauschbar geworden, die meisten Bedürfnisse erfüllt. Einer senkt den Preis, und damit beginnt die Schlacht. Dann kommt es darauf an, dem Kunden die Qualität einer Marke zu vermitteln, damit er auch bereit ist, mehr zu bezahlen. Denn wo die Geiz-ist-Geil-Mentalität hinführt, hat man ja gesehen: zu einer Verrohung der Sitten. Wie inszeniert man dann am besten eine Marke? Was eine Marke macht und wie, das ist kaum mehr differenzierend. Es geht vor allem um das Warum. Warum soll ich diese Marke kaufen? Welchen Anspruch hat sie? Nehmen wir Nike: Die bewerben nicht das beste Sportequipment der Welt, sondern bestärken mich: Just do it! Du bist der Held, wir helfen dir nur dabei. Das schaffen aber nur wenige Unternehmen. Die meisten nehmen sich viel zu ernst und erklären mir, wie gut sie sind. Ich bin der Größte, ich bin der Schnellste. Aber die Menschen blenden diese Art von Werbung brutal aus: Unser Gehirn ist ja unser faulstes Organ – es wird nur aktiv, wenn Belohnungen versprochen werden. Beispiel Red Bull: Es verleiht Flügel – sprich: Du wirst besser. Sie befassen sich aber nicht nur mit Gehirnforschung – auch mit Psychologie. Ja, wir erzählen archetypische Geschichten. Die sind uns ja allen eingebrannt – von Kindheit an. Von Schneewittchen bis Aschenputtel – Märchen, Sagen, auch erfolgreiche Filme oder Bücher wie „Harry Potter“ machen diese Archetypen in uns lebendig. Die Geschichten in der Werbung funktionieren dann besonders, wenn ihnen so eine archetypische Geschichte zugrunde liegt und wenn es diesen Belohnungsreiz gibt, der all diesen Geschichten innewohnt. Wie hat das Internet die Werbung verändert? Früher haben wir stellvertretend für eine Marke mit dem Konsumenten gesprochen: Das ist gut, kauf es. Das funktionierte one-way. Dann ist ein Dialog mit dem Kunden entstanden – über Mailings, Telefonmarketing. In einer digitalen Welt wird massenmediale Werbung kritisch hinterfragt. Viel wichtiger für eine Kaufentscheidung ist, was Freunde und Bekannte sagen. Sich in diese Gespräche einzuklinken – über Onlinemedien, über Facebook etc. – und Empfehlungen zu stimulieren, ist eine große Herausforderung heute. Werden wir in Zukunft mit persönlicher Werbung überschwemmt? Was passiert mit den Daten? Big Data ist in aller Munde. Kunden hinterlassen Unmengen von Daten im Netz, mit denen wir sie dann individuell targeten können – da sind wir wieder bei der Kriegssprache. Aber die Frage ist: Wann wird es dem Konsumenten zu viel? Wenn Sie heute eine Pflanzenfibel bei Amazon kaufen, kriegen sie die nächsten dreißig Jahre wöchentlich Gartenbücher und -geräte vorgeschlagen – haben aber unter Umständen gar keinen Garten. Stellen Sie sich das gleiche Szenario am Handy vor. Die wesentlich bessere Alternative: Marken schaffen Content, der für ihre Kunden von Nutzen ist und über den sie reden – da kann ich subkutan meine Markenbotschaften dazuliefern. Content im Internet wird auch manipuliert – z. B. durch gekaufte Likes oder Empfehlungen. Überall, wo Schweinereien möglich sind, werden sie auch begangen. Aber wir sehen, dass auf Facebook die Likes wieder abnehmen, auch die Fälle, in denen Konsumenten mit einer Marke kommunizieren, indem sie z. B. für den neuen Burger voten. Es wird einfach zu viel. Und wenn die Jungen sagen, in Zukunft wird alles digital sein, sage ich: Okay, aber wir brauchen auch Massenmedien, über die wir Markenmagie aufbauen können. quelle: Die Presse, 02.09.2013 Kommunikation als „erotischer Akt“ Psychologie. „Slogan“ war einst ein Schlachtruf – erklärt Agenturchef Alfred Koblinger. Er hält die Sprache im Marketing für zu kriegerisch und unser Gehirn für ziemlich faul. VON ISABELLA WALLNÖFER 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 90 92 94 96 98 100 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
8 2.2 — Übungen Schreibaufgabe Verfassen Sie nun eine Zusammenfassung der von Ihnen gewählten drei Texte und bearbeiten Sie dabei die folgenden Arbeitsaufträge: — Fassen Sie die Inhalte der drei ausgewählten Texte zusammen. — Geben Sie wieder, was unter „Geschichtenerzählen“ in der Werbung verstanden wird. — Benennen Sie einige inhaltliche sowie sprachliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Texte. Schreiben Sie 270 bis 330 Wörter. Markieren Sie Absätze mittels Leerzeilen. AUFGABE Übungen — Nennen Sie nach dem orientierenden Lesen das Hauptthema und die wesentlichen Einzelthemen. — Finden Sie mittels selektiven Lesens möglichst schnell jene beiden Textstellen, in denen es um das Thema Marke geht, und jene Textstelle, die das Thema Geschichtenerzählen behandelt. — Lesen Sie den Text genau (intensives Lesen) und wenden Sie dabei Lesestrategien an. Lesestrategien können sein: Den Text mit dem eigenen Sach- und Weltwissen verknüpfen: — Notieren Sie in einem Cluster, was Ihnen zu den Begriffen Kommunikation und Werbung einfällt. Vorausdenken: — Überlegen Sie, welche Informationen und Antworten Sie sich auf die jeweilige Frage im Interview erwarten. Fragen stellen: — Formulieren Sie vor dem genauen Lesen Fragen, die Sie Werbefachleuten stellen würden. Reduzieren: — Streichen Sie in den Antworten von Alfred Koblinger alle Beispiele. — Markieren Sie im übrig gebliebenen Text die Hauptaussage bzw. die Hauptaussagen (in der ersten Antwort gibt es z. B. zwei Aussagen). — Formulieren Sie die Aussage(n) jeder Antwort mit einem Satz (Hauptsatz, Hauptsatzreihe, Satzgefüge). — Markieren Sie im Text das Wort Werbung und alle Begriffe (Nomen), die eng mit ihm verbunden sind. Recherchieren, Nachschlagen: — Klären Sie unklare Passagen oder Begriffe, indem Sie im Absatz (mehrmals) vor- und zurücklesen oder indem Sie nochmals die damit verbundene Frage lesen. — Schlagen Sie die Bedeutung unbekannter oder unklarer Begriffe (in einem Fremdwörterbuch, Synonymwörterbuch, Lexikon im Internet oder in Buchform) nach. Diese Lesestrategien können Sie für andere Sachtexte genauso nutzen. 2.2 – Schreibaufgabe Verfassen Sie nun eine Zusammenfassung und bearbeiten Sie dabei die folgenden Arbeitsaufträge: — Nennen Sie die im Interview behandelten Themen. — Geben Sie weiter, was Werbung für Alfred Koblinger bedeutet und wie sich seiner Meinung nach Werbung derzeit entwickelt. Schreiben Sie 270 bis 330 Wörter. Markieren Sie Absätze mittels Leerzeilen. AUFGABE — Betreiben Sie nun extensives Lesen zum Thema Geschichtenerzählen in der Werbung. Recherchieren Sie dafür 12 bis 15 Dokumente im Internet. Achten Sie bei den Internetseiten darauf, welche Interessen hinter den Texten stehen könnten: informative, kommerzielle, wissenschaftliche? Gehen Sie dann folgendermaßen vor: – Stellen Sie durch selektives Lesen fest, ob Begriffe wie Geschichtenerzählen, Geschichten, Erzählung, erzählen, Storytelling im Text auffindbar sind. – Stellen Sie durch orientierendes Lesen fest, ob das Thema Geschichtenerzählen im Mittelpunkt des Textes steht oder zumindest ein wichtiges Thema darstellt. – Wählen Sie jene drei Texte aus, die Sie aufgrund der Internetseite und Ihrer Leseaktivitäten am ergiebigsten für das Thema Geschichtenerzählen in der Werbung halten und wenden Sie genaues Lesen an. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
9 3.1 — Die Zusammenfassung Schritt-für-Schritt- Textsortentraining Die Zusammenfassung 3 3.1 – Situation Die Verfasserin/Der Verfasser einer Zusammenfassung gibt in verknappter und verdichteter Form wesentliche Inhalte, die Gliederung, den gedanklichen Aufbau und die Gestaltung des Ausgangstextes wieder. Grundlage dafür sind das Verstehen der Textvorlage und die Fähigkeit, einzelne Informationen/Textteile zu abstrahieren und sprachlich zu komprimieren. Adressatinnen und Adressaten Die Adressatinnen und Adressaten sollen über Sachverhalte kurz und prägnant informiert werden. Die Lektüre des Ausgangstextes darf bei den Adressatinnen und Adressaten nicht vorausgesetzt werden. Inhalt Der Inhalt einer Zusammenfassung richtet sich nach dem Thema bzw. den Teilthemen des Ausgangstextes, die in komprimierter Form sachlich wiedergegeben werden. Absicht Die Zusammenfassung vermittelt den Leserinnen und Lesern einen raschen Überblick über Inhalt und Aufbau eines Textes. Sie hilft ihnen, seine Relevanz für ihre Lektüreabsichten zu bewerten. (Mögliche) Gliederung Einleitung: Hinweis auf publikationsrelevante Daten – also Textsorte, Titel, Verfasserin bzw. Verfasser, Erscheinungsdatum, Ort, Publikationsmedium, Verlag – sowie das Thema. Hauptteil: Beim Schreiben der Zusammenfassung kann man sich an die Chronologie (Reihenfolge) der Informationen des Ausgangstextes halten oder die Informationen nach sachlogischen Kriterien ordnen. Schluss: orientiert sich an der Aufgabenstellung. Im Rahmen der SRDP aus Deutsch gibt es für diese Textsorte keinen Schluss, der etwa das Zusammengefasste abrundet oder, darauf aufbauend, einen Blick in die Zukunft wirft. Im Rahmen des Schreibunterrichts ist allerdings ein Schluss möglich, der festhält, inwieweit der zusammengefasste Text eine bestimmte Qualität aufweist oder einer bestimmten Aufgabe gerecht wird. Die Textsorte „Zusammenfassung“ Die Zusammenfassung ist keine eindeutig definierbare Textsorte. Im schulischen und außerschulischen Kontext – vor allem im wissenschaftlichen Umfeld – finden sich unterschiedliche Formen von zusammenfassenden Texten, die vom Ausgangstext („Primärtext“), der Verwendungssituation und dem Erscheinungsmedium bestimmt werden. Die Zusammenfassung vermittelt einen klaren Überblick über das Textganze, wobei sie sich auf das Wesentliche beschränkt. Merkmale einer Zusammenfassung sind die Verkürzung und Verdichtung einer Textvorlage zum Zwecke der Wiedergabe des Inhaltes, der Struktur bzw. des gedanklichen und argumentativen Aufbaus eines Textes. Die Zusammenfassung kann einerseits als Oberbegriff für alle Arten von zusammenfassenden Texten verstanden werden, andererseits auch als Terminus für einen Textteil, der eine vorangegangene Darstellung noch einmal zusammenfasst (= Resümee). Anforderungen an eine Zusammenfassung/Beurteilungsgrundlagen 3.1.1 – Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
10 3.1 — Die Zusammenfassung Sprache Die Zusammenfassung wird im Präsens verfasst. Sie ist in einem neutralen, sachlichen Stil geschrieben. Detaildarstellungen oder Einzelbeispiele werden zuerst gedanklich abstrahiert und schließlich sprachlich komprimiert. Der Begriffsbildung allgemein und dem Einsatz von generalisierenden Oberbegriffen kommt große Bedeutung zu. Direkte Zitate aus der Textvorlage sollten nur in wichtigen Fällen angeführt werden; beim Einsatz der indirekten Rede ist auf die korrekte Verwendung des Konjunktivs zu achten. Umfang Der Umfang beträgt meist 270 bis 330 Wörter; selten 405 bis 495 Wörter. Die Einhaltung der vorgegebenen Wortanzahl ist wichtig; Unter- und Überschreitungen sind problematisch. Beispiele für verwandte Textsorten Inhaltsangabe, Abstract, Exzerpt, Précis … Versuch einer Abgrenzung zu verwandten Textsorten Inhaltsangabe Die Inhaltsangabe hat als Ausgangstext einen literarischen Text, während Zusammenfassungen sich vorwiegend auf nicht literarische Primärtexte beziehen. In Inhaltsangaben sollen Handlungen und Inhalte des literarischen Textes (vorwiegend epische und dramatische, selten lyrische) verkürzt wiedergegeben werden. Abstract Ein Abstract fasst die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Arbeit (im schulischen Kontext auch einer „Vorwissenschaftlichen Arbeit“ bzw. „Diplomarbeit“) zusammen und steht als ein Teil dieser Arbeit meist ganz am Anfang. Ein Abstract kann jedoch auch als selbstständiger Text erscheinen, wenn zum Beispiel Kurzfassungen von wissenschaftlichen Arbeiten in einer Bibliografie (= Sammlung von wichtigen Werktiteln zu einem bestimmten Thema) veröffentlicht werden. Exzerpt Exzerpte sind Zusammenfassungen sehr ähnlich; auch sie gehen von Sachtexten aus. Exzerpte werden erstellt, um aus einer Fülle von recherchierten Texten für eine vorgegebene Themenstellung genau die Informationen zu sammeln, die man für ein Referat, für ein Portfolio oder für eine „Vorwissenschaftliche Arbeit“ bzw. „Diplomarbeit“ benötigt. Exzerpte fassen gezielt ganz bestimmte Informationen eines Primärtextes zusammen, während Zusammenfassungen den gesamten Text berücksichtigen. Précis Bei dieser Textsorte werden Primärtexte auf ein Drittel der ursprünglichen Länge zusammengefasst, ohne den Informationsgehalt oder den Schreibstil zu ändern. Beispieltext für eine „Zusammenfassung“ Lesen Sie nun einen Zeitungstext („Illegaler Organhandel boomt“) und im Anschluss daran die Zusammenfassung einer Schülerin der 10. Schulstufe nach einer Aufgabenstellung für eine Schularbeit. 3.1.2 – Ü1 Die WHO spricht von 10.000 Organen pro Jahr, die weltweit am Schwarzmarkt verkauft werden – Zentrum China. „Eine Niere spenden, das neue iPad kaufen!“ Mit diesem Slogan bewirbt laut einem Artikel im „Guardian1“ ein Vermittler von Organen in China 4 6 Illegaler Organhandel boomt: Bis zu 160.000 Euro für eine Niere 30.05.2012 2 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
11 3.1 — Die Zusammenfassung seine Dienste. Für eine Niere bietet er 2.500 Pfund (3.000 Euro) und behauptet, dass die Operation innerhalb von zehn Tagen durchgeführt werden könne. Was wie ein schlechter Scherz klingt, hat Hochkonjunktur: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass jährlich 10.000 Organe am Schwarzmarkt verkauft werden – also jede Stunde eines – und schlägt Alarm. Laut dem Artikel reisen Patienten aus der ganzen Welt für Transplantationen nach China, Indien oder Pakistan, wo sie für eine Niere bis zu 160.000 Euro bezahlen. Die Menschen, die sich ihre Niere entnehmen lassen, bekommen dafür oft nur einen Bruchteil. Für die Organhändler und operierenden Ärzte hingegen ist es ein lukratives Geschäft – noch dazu, wo die Nachfrage nach Nieren aufgrund von Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck international steigt. Steigende Nachfrage Diese Entwicklung habe sich allerdings erst in den vergangenen Jahren wieder verstärkt, sagt der Arzt Luc Noel, Leiter jener WHO-Abteilung, die die Entwicklung bei legalen und illegalen Transplantationen beobachtet. „Der illegale Handel ging 2006/2007 weltweit zurück, der Transplantations-Tourismus nahm ab“, so Noel gegenüber dem „Guardian“. Es gebe jedoch Anzeichen dafür, dass der Organhandel nun wieder zunehme. „Es gibt eine wachsende Nachfrage nach Organen, und der Profit, der damit gemacht werden kann, ist riesig“, so Noel. Zudem würden in einigen Ländern Gesetze fehlen, um gegen den Organhandel vorgehen zu können, oder die Gesetze würden nicht vollzogen. Somit hätten diejenigen leichtes Spiel, die armen Menschen finanzielle Anreize bieten, wenn sich diese von einer Niere trennen. Nur zehn Prozent des Bedarfs Noel schätzt, dass Nieren rund 75 Prozent der weltweit illegal gehandelten Organe ausmachen. Nach WHO-Angaben wurden 2010 in 95 Mitgliedsstaaten rund 107.000 Organe (legal und illegal) transplantiert. Knapp 69 Prozent davon waren Nieren. Mit diesen Operationen konnten aber nur zehn Prozent des weltweiten Bedarfs gedeckt werden. Noel schätzt, dass eines von zehn Organen von Schwarzhändlern beschafft wird. In China sind Transplantationen für Geld zwar verboten, trotzdem gab es in den vergangenen Jahren einen deutlichen Anstieg an derartigen Operationen. Personen aus dem Nahen Osten, Asien, aber auch Europa würden zwischen 80.000 und 160.000 Euro für eine Transplantation bezahlen. Transplantationen in Militärspitälern Dabei herrscht in China ein enormer Mangel an Spendernieren: Laut dem nationalen Nierentransplantations-Register bräuchten rund eine Million Menschen eine Niere, aber nur 5.253 haben im Jahr 2011 eine bekommen. Patienten haben somit jedes Jahr eine Chance von nur 0,5 Prozent, ein Spenderorgan zu erhalten. Zum Vergleich: In Großbritannien liegt die Chance bei 43 Prozent. Gerüchten zufolge sollen in China illegale Transplantationen sogar in Militärspitälern durchgeführt werden. Harsche Kritik von Menschenrechtsaktivisten erntet China auch dafür, dass Organe von zum Tode Verurteilten entnommen werden. Im Jahr 2011 waren das 4.000 Menschen. Laut dem chinesischen Gesundheitsministerium will man diese Praxis bis 2017 einstellen - unter anderem aber auch deshalb, weil die Organe der Verurteilten anfälliger für Infektionen seien. Jim Feehally, Professor an der Universitätsklinik Leicester, fordert, dass China umdenken und die Gesetze verschärfen müsse. Das Hauptthema bei illegalen Organverkäufern ist seiner Meinung nach die Ausbeutung: Reiche könnten sich nicht nur Organe kaufen, sondern auch eine weitere medizinische Versorgung leisten. Die Organspender dagegen würden eine entsprechende Nachbehandlung oft nicht erhalten. Niere für iPad Um den illegalen Organhandel in den Griff zu bekommen, plädiert WHO-Arzt Luc Noel dafür, die Versorgung mit Organen von lebenden und verstorbenen Spendern zu erweitern, die sich freiwillig dazu bereiterklären. Außerdem fordert er, die Menschen generell zu einem gesünderen Lebensstil zu animieren, damit diese keine Krankheiten wie Diabetes bekommen. Welche skurrilen Formen der Verkauf von Organen manchmal annimmt, zeigt der Fall eines chinesischen Jugendlichen, der seine Niere im April für ungefähr 2.700 Euro verkaufte, um sich ein iPad 2 leisten zu können. 1 Guardian: britische Tageszeitung quelle: derStandard.at, 30.05.2012; https://www.derstandard.at/ story/1336698138449/schwarzmarkt-illegaler-organhandel-boomt-bis-zu160000-euro-fuer-eine-niere; 24.06.2025 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 90 92 94 96 98 100 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
12 3.1 — Die Zusammenfassung Schreibaufgabe (auch für Hausübung/Schularbeit) Verfassen Sie eine Zusammenfassung. Lesen Sie den Zeitungstext „Illegaler Organhandel boomt“ aus der Tageszeitung „Der Standard“ vom 30.05.2012. Schreiben Sie nun die Zusammenfassung und bearbeiten Sie dabei die folgenden Arbeitsaufträge: — Geben Sie die wesentlichen Inhalte des Zeitungstextes wieder. — Beschreiben Sie seinen gedanklichen Aufbau. — Benennen Sie eine mögliche Absicht des Zeitungsartikels. Schreiben Sie zwischen 260 und 310 Wörter. Markieren Sie Absätze mittels Leerzeilen. AUFGABE Beispieltext für eine Zusammenfassung, verfasst von einer Schülerin (10. Schulstufe) In dem Text „Illegaler Organhandel boomt: Bis zu 160.000 Euro für eine Niere“, einem Bericht aus dem „Standard“ vom 30. 05. 2012, geht es um die Tatsache des steigenden illegalen Organhandels, vor allem in China. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht in China von 10.000 Organen pro Jahr, die weltweit am Schwarzmarkt verkauft werden. Laut dem „Guardian“ bieten Vermittler von Organen für eine Niere 3000 Euro und behaupten, dass die Operation innerhalb von zehn Tagen durchgeführt werden könnte. Patienten aus der ganzen Welt reisen nach China, Indien oder Pakistan, um für bis zu 160.000 Euro eine Niere zu erlangen, wobei die Spender davon nur einen Bruchteil bekommen. Die Nachfrage ist groß und steigt, somit ist der Organhandel für Händler und Ärzte ein lukratives Geschäft. In einigen Ländern würden Gesetze fehlen oder nicht vollzogen werden, um gegen den Organhandel vorzugehen, sagt der Leiter der zuständigen WHO-Abteilung. Nach WHO-Angaben wurden 2010 in 95 Mitgliedstaaten rund 107.000 Organe transplantiert. Mit diesen sowohl legalen als auch illegalen Operationen konnten aber nur zehn Prozent des weltweiten Bedarfs gedeckt werden. Da in China ein Mangel an Spendernieren herrscht, haben Patienten eine Chance von 0,5 Prozent im Jahr, ein Organ zu erhalten. In China werden auch Organe von zum Tode Verurteilten entnommen. Dies führt zu großer Kritik von Menschenrechtsaktivistinnen und Menschenrechtsaktivisten und soll zukünftig verboten werden. Ich denke, der Text soll auf die gewissenlosen Machenschaften im Bereich des Organhandels aufmerksam machen und darüber informieren. Das Maß an schockierenden Tatsachen zu diesem Thema steigert sich von Absatz zu Absatz. Die inhaltliche und argumentative Struktur des Textes zeigt einen klaren Aufbau: Zuerst werden Tatsachen erläutert, dann wird vor Gefahren gewarnt und zum Schluss bemüht man sich um Lösungsvorschläge. (275 Wörter) 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 Einleitung: Nennung des Titels, des Primärtextes und Angabe der Quellen Wer? Wo? Was? Informationen zum Sachverhalt Warum? Begründung Hintergrundinformationen Kritik am Sachverhalt Hinweise auf Aufbau und Gliederung des Textes; Überlegungen zur Schreibintention Erläuterungen Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
13 3.1 — Die Zusammenfassung Hinweise zum Beispieltext Situation: Die vorliegende Zusammenfassung wurde von einer Schülerin als Schularbeit in einer 6. Klasse ORG verfasst. Adressatinnen und Adressaten: Da die Aufgabenstellung keinen zusätzlichen situativen Kontext aufweist und die Arbeit als Schularbeit verfasst wurde, stellt die Lehrkraft die Adressatin dar. Inhalt: Der Text gibt die wesentlichen Informationen zum Thema „Illegaler Organhandel“ wieder. Er setzt sich mit der Gliederung des Zeitungstextes auseinander und enthält abschließend Überlegungen zur Schreibabsicht der Verfasserin bzw. des Verfassers. Absicht: Die Schreiberin stellt Inhalt und Aufbau des Zeitungstextes sowie die darin enthaltene Kritik an den Praktiken des Organhandels dar. Gliederung: Die vorliegende Zusammenfassung gliedert sich in einen Basissatz zum Zeitungstext, beantwortet in der folgenden Einleitung die wichtigsten W-Fragen, führt diese in einem Hauptteil näher aus und verfasst einen Schluss. Entsprechend der Aufgabenstellung wird die mögliche Intention des Ausgangstextes dargestellt. Sprache: Die Sprache dieser Zusammenfassung ist dem Thema angemessen, sachlich, informativ und verständlich. Fachbegriffe und Abkürzungen werden korrekt verwendet (WHO, Menschenrechtsaktivistinnen/Menschenrechtsaktivisten …). Sprachliche Mittel der Textreduktion werden sinnvoll eingesetzt. Wichtige Teilkompetenzen für das Schreiben einer Zusammenfassung Sie können … — grundlegende Informationen zu einem Text in einem Basissatz zusammenfassen — wesentliche Gedanken der Vorlage vollständig wiedergeben — ein dem Ausgangstext angemessenes Gliederungsprinzip auswählen — einen sachlichen, abstrahierenden, informativ-darlegenden Ausdruck verwenden — eigenständige Formulierungen finden — Ihren Text nach bekannten Überarbeitungsstrategien optimieren Übungsschritte auf dem Weg zur Zusammenfassung Die folgenden Übungen dienen dazu, Sie mit Arbeitsschritten zur Zusammenfassung vertraut zu machen. Sie setzen dabei einfachere Strategien ein, wie zum Beispiel das Wegstreichen von Textteilen, die Ihnen verzichtbar erscheinen, oder die Arbeit mit W-Fragen. Sie üben auch schwierigere Strategien, wie das Generalisieren und Abstrahieren von Aussagen und das begriffliche Integrieren von Textabschnitten. Sie berücksichtigen dabei auch die kommunikative Funktion des Textes (Schreibabsicht, Zielgruppe …) und analysieren den Aufbau der Argumentation sowie die sprachlichen Mittel, die eingesetzt wurden. Sie werden dabei vom ersten Lesen der Textvorlage bis zum endgültigen Schreiben der Zusammenfassung mit passenden Übungsvorschlägen begleitet. Die Anwendung geeigneter Lesestrategien wird Sie dabei unterstützen, auch umfangreiche und inhaltlich komplexe Texte rasch zu bewältigen. 3.1.3 – Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
14 3.1 — Die Zusammenfassung Vom Lesen des Primärtextes zum Schreibplan Lesen und inhaltliche Erschließung des Ausgangstextes — Ein erstes überblicksmäßiges Lesen des Ausgangstextes dient der inhaltlichen Orientierung (vergleiche Lesestrategie S. 6–8). — Anschließend wird der Text langsam und aufmerksam gelesen, wobei auf thematische Schwerpunkte, Gliederungsstrukturen und inhaltlich tragende Begriffe („Schlüsselwörter“) besonders geachtet wird („Detaillesen“). — Wenn Sie bereits gute Erfahrungen mit Lesestrategien gemacht haben (z. B. Schlüsselwörter farbig markieren, Absätze mit Randbemerkungen versehen, Zwischenüberschriften einfügen …), wenden Sie diese hier auch an. — Versuchen Sie zuerst einmal nur gedanklich, das Thema (eventuell auch die Teilthemen) des Ausgangstextes für sich klar zu formulieren, bevor Sie zu schreiben beginnen. Vorbereitungsschritte für die schriftliche Zusammenfassung – Auswahl geeigneter Strategien und Methoden In den nächsten Arbeitsschritten lernen Sie Strategien kennen, die Ihnen dabei helfen, Primärtexte inhaltlich so zu „verdichten“, dass ihr Umfang stark reduziert wird und trotzdem die wesentlichen Informationen und der „rote Faden“ erhalten bleiben. Da es nicht „die“ passende Strategie für die Zusammenfassung jedes Ausgangstextes gibt, kann man an einem Text verschiedene Strategien anwenden und diese nach Bedarf mischen. Eine recht zielführende Vorgehensweise zur Textreduktion bzw. zur Textverdichtung ist die „Wegstreich-Methode“. Dabei streichen Sie all jene Textteile des Primärtextes durch, die Ihnen für das Textverstehen nicht relevant erscheinen (häufig kann man erklärende Beispiele oder Detailergänzungen weglassen). Diese Methode können Sie bei der Übung 2 ausprobieren. W-Fragen, die Sie bereits beim Schreiben von Zeitungsberichten kennen gelernt haben, helfen Ihnen dabei, die wesentlichen Aussagen eines Textes zu erfassen. Übung 3 bietet Ihnen dafür eine Textvorlage. Bei einer Zusammenfassung müssen Sie die wichtigsten Aussagen des Textes gedanklich durchdringen, vom Besonderen der einzelnen Informationen zum übergeordneten Allgemeinen finden („abstrahieren“). Kleinere gedankliche Einheiten müssen zu immer umfassenderen Aussagen verdichtet werden. Der Einsatz von passenden Begriffen und die Bildung von Oberbegriffen sind dazu hilfreich. Diese Strategien können Sie in der Übung 4 anwenden. Als Ergebnisse des Abstrahierens oder Generalisierens von Aussagen und auch bei der Wegstreich-Methode bleiben Einzelsätze oder reduzierte Textabschnitte, die anschließend zu einem Fließtext zusammengefügt werden, wobei Sie möglichst nichts wortwörtlich übernehmen sollten. Sie müssen besonders auf den logischen Zusammenhang Ihrer Zusammenfassung achten. Dafür ist es unerlässlich, sich mit den Möglichkeiten der Satzverknüpfung zu befassen. Den Ausgangstext inhaltlich global erfassen und sofort eine Zusammenfassung schreiben: Wer sich mit dem oben angeführten schrittweisen Vorgehen beim Zusammenfassen schon gut zurechtfindet, kann eine andere Methode ausprobieren, die vor allem für geübte Schreiberinnen und Schreiber geeignet ist. Nach dem genauen Lesen des Ausgangstextes (eventuell mehrfaches Lesen) wird der Text beiseitegelegt und gedanklich in seinen wesentlichen Aussagen rekonstruiert. Dabei muss der „rote Faden“ immer verfolgt werden. Stößt die Schreiberin bzw. der Schreiber auf inhaltliche Lücken, weil vielleicht ein paar neue Fachbegriffe oder wichtige Namen aus dem Text nicht gemerkt wurden, darf noch einmal kurz im Primärtext nachgelesen werden. Dann beginnt die Niederschrift der Zusammenfassung – allerdings ohne Textvorlage, nur aus dem Gedächtnis. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass man nicht Gefahr läuft, Textpassagen wortwörtlich zu übernehmen. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
www.oebv.atRkJQdWJsaXNoZXIy MTA2NTcyMQ==