83 3.3 — Textinterpretation Handlungsteile ergänzen, einfügen, fortsetzen Gestalten Sie Leerstellen der Handlung aus, indem Sie Handlungselemente präzisieren, ausgestalten, ergänzen, einfügen, eine Fortsetzung schreiben (z. B. ein Jahr später …). Unter einer Leerstelle versteht man einen Handlungsteil, der von der Autorin bzw. dem Autor nicht oder kaum ausgeführt wurde und den man mit der eigenen Vorstellungskraft ergänzen muss. Figurenperspektive wechseln Erzählen Sie die Handlung oder Handlungsteile, ein Vorkommnis, ein Ereignis u. a. aus der Sicht einer (anderen) Figur. Erzählperspektive wechseln Ersetzen Sie einen Ich-Erzähler durch einen Sie/Er-Erzähler oder umgekehrt. Ersetzen Sie einen neutralen Erzähler durch einen personalen Erzähler. Sprachliche Prägung ändern Ersetzen Sie lange Sätze durch kurze – und umgekehrt. Fügen Sie in einen Text mit wenigen oder keinen Adjektiven viele Adjektive ein – streichen Sie aus einem adjektivreichen Text die Adjektive. Reichern Sie den Text mit direkten Reden an – oder ersetzen Sie direkte Reden durch indirekte. Unterschiedlichen Lesevortrag erproben Tragen Sie den Text laut, leise, langsam, schnell, pathetisch, einfühlsam, nüchtern, mit bedeutungsschwangeren Pausen etc. vor. Bewerten Sie die unterschiedlichen Fassungen. quellen: Praxis Deutsch, Nr. 123/1994: Handlungs- und produktionsorientierter Unterricht. Deutsch. Unterrichtspraxis für die Klassen 5-10, 25/2010, S. 38 f. Vergleichen Sie im Anschluss an die jeweilige Übung Ihre Fassung mit der Fassung einer Mitschülerin oder eines Mitschülers. Stellen Sie die Unterschiede beider Fassungen sehr konkret fest. Diskutieren Sie über die Gründe für diese Unterschiede. Diskutieren Sie darüber, welche Fassung plausibler scheint. Stellen Sie eventuell eine gemeinsame Endfassung her. Schritt für Schritt eine Textinterpretation verfassen: Überblick 1. Text lesen Lesen Sie den Input-Text. Nachdem Sie sich im Rahmen einer Prüfungssituation dafür entschieden haben, die Aufgabe der Textinterpretation zu wählen, lesen Sie den Text mehrmals und genau. Markieren Sie Auffälligkeiten. Notieren Sie Einfälle und Erkenntnisse. Machen Sie stichwortartige Notizen. Legen Sie sich Rechenschaft über Unklarheiten (Begriffe, sprachliche Bilder, Bedeutung …) ab. Versuchen Sie Unklarheiten durch erneutes Lesen des Gesamttextes, durch intensives Lesen des entsprechenden Absatzes sowie durch Nachschlagen zu beseitigen. Überlegen Sie, ob nicht Erschließbares eventuell in der Intention des Textes liegt. Wollte der Autor bewusst etwas im Unklaren lassen oder geht es um literarische Leerstellen, die die Lesenden für sich interpretieren müssen? Wenn dies der Fall ist, formulieren Sie (später) diese Erkenntnis und arbeiten Sie sie in Ihre Textinterpretation ein. 2. Vorwissen aktivieren Rufen Sie Ihr Fachwissen zu Textsorten, Ihre literarische Bildung, Ihr historisches und politisches Wissen, Ihr Wissen über Alltagssituationen, über Kommunikation usw. auf und verbinden Sie es mit den Textinhalten. 3. Aufgabenstellung erfassen: Textinterpretationen folgen in den meisten Fällen dem Schema Textwiedergabe – Textanalyse – Textdeutung. Prüfen Sie jedoch im konkreten Fall immer, ob dies auch zutrifft. Achten Sie in Zusammenhang damit auf die konkreten Operatoren: Der erste Operator betrifft meist die Textwiedergabe. Er wird berücksichtigen, ob der zu behandelnde Text eine Geschichte erzählt, eine Momentaufnahme ist, eine Stimmung wiedergibt, ein Motiv behandelt usw. Dementsprechend sind die Operatoren formuliert: — Fassen Sie den Text (kurz) zusammen. — Geben Sie die Handlung wieder. — Benennen Sie die Stationen des Scheiterns der Hauptperson. — Beschreiben Sie die Gefühlslage der Hauptperson. TIPP 3.3.8 – Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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