43 3.2 — Die Textanalyse in den Krieg, bringt geistige Werke hervor. – Juden und Christen sahen in der Arbeit Strafe für die Sünde. Der Mensch ist aus dem Paradies vertrieben, er trägt die Folgen des Sündenfalls, er soll im Schweiße seines Angesichts sein Brot essen. – Pascal1 steigert diese Auffassung: die Arbeit ist nicht nur Last, sondern Ablenkung von der eigentlichen Aufgabe des Menschen; Arbeit zeigt die Leere des weltlichen Treibens, den Schein der Betriebsamkeit, verführt zur Zerstreuung und verschleiert das Wesentliche. – Protestanten aber sehen in der Arbeit den großen Segen. Der Calvinismus sah im Erfolg der Arbeit ein Zeichen der Erwähltheit. Der Pflichtbegriff des weltlichen Berufes blieb später als Folge religiöser Konzeption auch ohne Religion erhalten. Arbeitslust und Segen der Arbeit, die Ehre der Arbeit und die Leistung als Maßstab des Menschenwertes sind auf diesem Boden gewachsen. Auf ihm gilt sowohl die Forderung „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ – als auch der innere Segen: „Arbeiten und nicht verzweifeln.“ In der modernen Welt ist die Bejahung der Arbeit allgemein. Wenn aber die Arbeit geradezu zur Würde des Menschen, zur Auszeichnung seines Wesens als Mensch wurde, dann zeigte sich alsbald ein doppelter Aspekt der Arbeit: einesteils im Ideal des arbeitenden Menschen, und andererseits im Bild des realen durchschnittlichen Arbeitens, in dem der Mensch sich entfremdet ist durch die Weise der Arbeit und Arbeitsordnung. Aus dieser Doppeltheit entspringt der Impuls, die Menschenwelt zu verändern, damit der Mensch zur rechten Weise des Arbeitens im Hervorbringen des Ganzen seiner Welt finde. Die falsche, in sich entfremdete, ausbeutende zwangshafte Weise des Arbeitens sei zu überwinden. Maßstab ist, was Hegel2 sagte: „Dieses ist das unendliche Recht des Subjekts, dass es sich selbst in einer Tätigkeit und Arbeit befriedigt findet.“ 1 Pascal: Blaise Pascal: französischer Philosoph, Mathematiker (1623–1662) 2 Hegel: Georg Wilhelm Friedrich Hegel: deutscher Philosoph (1770–1831) Quelle: Jakob Lehmann, Hermann Glaser: Arbeitshefte zum Oberstufenaufsatz. Frankfurt/Main: Diesterweg 13 1975, S. 69–70. Lösungsvorschlag Das Wesen der Arbeit 1. Körperliche Tätigkeit 2. Planmäßiges Tun 3. Menschliches Grundverhalten Zu 1.: Arbeit = Anstrengung Zu 2.: Arbeit als Voraussetzung, um Mittel zur Bedürfnisbefriedigung zu gewinnen Zu 3.: Arbeit = Grundvoraussetzung für die Verwandlung der Welt Unterschiedliche Einstellungen zur Arbeit im Wandel der Zeit Griechen – Juden und Christen – Calvinismus – Moderne Gefahr der Arbeit: Entfremdung Ziel der Arbeit: Sinnstiftung Die ersten Sätze (= breiter Balken) charakterisieren den möglichen Stellenwert der Arbeit im menschlichen Leben. Die folgenden Gedanken präzisieren diese unterschiedlichen Sichtweisen. Anschließend zeigt der Autor, wie in der Vergangenheit Arbeit unterschiedlich bewertet wurde. Überlegungen zur Doppelgesichtigkeit der Arbeit – Gefahr der Entfremdung und Mittel der Sinnstiftung – beschließen den Text. 48 50 52 54 56 58 60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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