92 3.3 — Textinterpretation Ein Merkmal, welches darauf hinweist, dass das Gedicht liedhaftes Potential hat, ist der Refrain (Strophe 2, 4, 6 und 8), der sich durch das gesamte Gedicht durchschlingt. Dieser besteht aus einer Schlussfolgerung, die mit dem Wort „Also“ anfängt, zusammenhängend mit der Strophe davor. In diesem Refrain befiehlt bzw. gibt uns der Autor quasi Ratschläge, an all die Lügen, den Täuschungen und den Illusionen absichtlich vorbeizusehen, wir sollen die „Augen schließen!“ und einfach „Dran glauben!“ (Verse 8, 10, 19, 21, 30, 32, 41 und 43). siehe oben eventuell streichen? den Formulierung einer Interpretationshypothese Der Textsortenkatalog verlangt die Erarbeitung einer „Interpretationshypothese“, die man durch die Merkmale des vorliegenden Textes belegen muss. Eine Hypothese ist aber vorerst eine Annahme. Sie basiert ja auf einem ersten Eindruck und kann – am Ende – im Fall der Fälle auch wieder zurückgenommen werden. Die Aussage „Mit dieser ständigen Aufforderung ist gemeint, dass …“ ist selbstverständlich eine mögliche Interpretationshypothese. Allerdings sollte man bei ihrer Formulierung vorsichtig vorgehen, denn gerade literarische Texte sind zumeist mehrdeutig und können eventuell verschieden bzw. mehrfach interpretiert werden. Mögliche Formulierungen für eine Interpretationshypothese können daher lauten: „… kann gelesen/verstanden/aufgefasst werden als …“, „Eine mögliche Deutung …“, „… ist wohl/offensichtlich gemeint …“, „lässt vermuten/darauf schließen …“, „… deutet darauf hin, dass …“ u.dgl.m. 4. Schritt — Lesen Sie die folgenden Auszüge aus Schularbeiten, die sich auf den Arbeitsauftrag „Deuten Sie das Gedicht unter besonderer Berücksichtigung des Titels“ beziehen. — Markieren Sie fünf Sätze, die für Sie wesentliche Aussagen enthalten. — Wählen Sie jenen Auszug, den Sie inhaltlich am gelungensten finden. Untermauern Sie Ihre Wahl schriftlich mit einigen Sätzen. — Vergleichen und diskutieren Sie Ihre Wahl in Partnerarbeit. — Wählen Sie jenen Auszug, der Ihrer Meinung nach am wenigsten zur Deutung des Titels beiträgt. Begründen Sie Ihre Entscheidung schriftlich mit einigen Sätzen. — Vergleichen und diskutieren Sie Ihre Entscheidung in Partnerarbeit. Für den Titel erschließen sich mir zwei verschiedene Interpretationsmöglichkeiten. Die offensichtlichere, die auch vom Refrain vertreten wird, ist die, dass der Mensch in Zeiten des Konsumwahns an dessen Aspekte glauben muss, um ein glückliches Leben führen zu können. Die andere Deutungsmöglichkeit ist folgende: Durch sämtliche der angesprochenen Täuschungen des modernen Lifestyles, könnte es nun die Realität sein, die „Dran glauben“, also sterben, muss, da ihre Existenz immer weiter verleugnet wird. Der Titel „Dran glauben“ ist deshalb passend zum Inhalt, da uns das Gedicht dazu anregen soll, in allem etwas Hoffnung und Glauben übrig zu haben, und das, obwohl uns eigentlich bekannt sein sollte, dass nichts der gesamten Wahrheit bzw. der Realität entspricht. Wir sollen eben nur daran glauben, nichts hinterfragen und uns mit dem zufrieden geben, was uns vorgespielt wird. […] Denn am Ende das Tages, belügen wir uns selber, legen wir uns alle ins Bett, träumen und entwickeln scheinbare Bilder und Szenen, die in Wirklichkeit gar nicht vorkommen werden. Der höchst ironische Titel des Gedichtes, nämlich „Dran glauben“ spiegelt die abwertende Meinung des Dichters in Bezug auf die Täuschung der Konsumenten und der Mitmenschen aufgrund des Kaufes neu entwickelter Ware wider. Der Titel „Dran glauben“, welcher auch in jedem zweiten Vers des Refrains wiederholt wird, ist ironisch zu verstehen, denn man soll eben nicht alles, was in Werbungen versprochen wird und was man erzählt bekommt, glauben. Warum Böttcher seinem Text den Titel „Dran glauben“ gegeben hat, ist meiner Meinung nach offensichtlich, denn der Titel ist wie das ganze Gedicht ironisch. „Dran glauben“ ist in diesem Kontext von negativer Bedeutung und meint „bezahlen“. Der Käufer wird bitterböse „bezahlen“ müssen, weil er auf die Täuschung reingefallen ist. Ü31 2 4 6 8 10 12 14 16 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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