91 3.3 — Textinterpretation Tragen Sie in den Text an entsprechenden Stellen weitere Begriffe für die sprachliche Analyse ein (z.B. Wortspiel, Imperativ usw.). Kreisen Sie jene Fachbegriffe ein, die für die Deutung des Textes (Arbeitsauftrag 3) besonders wichtig sind. Im Folgenden finden Sie in der linken Spalte einen Ausschnitt aus einer Schularbeit. Es handelt sich um die Einleitung und daran anschließende Ausführungen zur Analyse (zweiter Operator). Positiv hervorzuheben sind die immer wieder erfolgenden Hinweise auf die Funktion formaler Elemente. In der rechten Spalte finden Sie entsprechende Anmerkungen einer Lehrkraft. Rot: inhaltliche und grammatikalische Fehler; blau: Anmerkungen zur Sprache; grün: positive Anmerkungen, Vorschläge. Lesen Sie den Auszug aus einer Schularbeit und die Anmerkungen. Schreiben Sie anschließend eine überarbeitete Version des linken Texte. Lassen Sie dazu Ihre Erkenntnisse aus den Übungen 27, 28 und 29 einfließen. Das Gedicht will uns begreiflich machen, wie viel Lügen heutzutage in unserer Realität steckt. Laut den Aufforderungen bzw. den Imperativen, am Anfang der ersten, dritten, fünften und siebenten Strophe, soll der Leser seine „Hoffnungen“ (V. 1), „Ziele“ (V. 12), „Träume“ (V. 23) und „Wünsche“ (V. 34) an beliebige Gegenstände, Ideen, virtuelle Videospiele wie „Pokémon“ oder anderes hängen. Wir sollen nach Böttcher „den Schwindel genießen“ (Vers 11, 22, 33, 44) und einfach das Leben, so wie es uns hingeworfen wird, hinnehmen. vor Augen führen, bewusst machen, aufzeigen … Lügen (= Plural) → stecken genauer: Imperative in Form des Infinitivs jeder Strophe (der Refrain zählt nicht als Strophe) besser: sollen die Angesprochenen ihre Wieso „beliebige“? Sind es nicht ganz bestimmte Objekte? Objekte, die uns Scheinwelten liefern? „oder anderes“ ist sehr beliebig; besser konkret bleiben, z.B.: „oder andere mediale Vergnügungen“ Statt zu zitieren könnte man die Passage evtl. mit eigenen Worten umschreiben, z.B.: „genießen, dass wir betrogen werden Der Paarreim zieht sich durch das gesamte Gedicht hindurch, welches dem Ganzen etwas Systematisches gibt. Systematisch in dem Sinne, dass die erste, dritte, fünfte und siebente Strophe mit einer Alliteration anfängt „Häng deine […] an […]“. Mit dieser ständigen Aufforderung ist gemeint, dass die Menschheit einfach auf jegliche Kleinigkeiten seien es zum Beispiel die „Funknetze der Telekom“ (Vers 23), oder die „Serien auf ProSieben“ (Vers 34) vertrauen soll. All diese Beispiele sind Metaphern für die Lügen und jegliche Scheinbilder, die unser aller Leben umgeben. welches → was „Systematisch“: zuerst begründet durch den Paarreim, dann aber mit der Anapher (fälschlich Alliteration genannt). Besser: Das gesamte Gedicht ist systematisch aufgebaut: … Reimschema … Parallelismus … Anaphern … Wiederholungen … „ist gemeint“; ausschließende Aussage (siehe Interpretationshypothese unten) Ein „Funknetz“ etc. ist keine „Kleinigkeit“! Eingeschobene Beispiele müssen mit Beistrichen eingegrenzt werden, daher: …, seien es zum Beispiel … (Vers 34), … Dagegen muss der Beistrich vor „oder“ gestrichen werden. Das ist wichtig, dass die Beispiele erläutert werden, denn Zitate allein sind keine Erklärung. Es sind allerdings nicht alle Beispiele Metaphern. So wie die Strophen mit denselben Wortanfängen beginnen, enden diese auch immer mit demselben Satz „zum Glück gibt’s die Täuschung“ (Verse 6, 17, 28, 39). Dieser Satz hat die Aufgabe die Leser, nach all den oben genannten Hoffnungen, Wünschen, Zielen und Träumen, in die Realität, eben die Täuschung, zurückzudrängen und sie darauf aufmerksam zu machen, dass alles, mit dem sie konfrontiert werden, manipuliert ist. Worten Hier sind wohl die Menschen insgesamt gemeint, nicht nur die Leserinnen und Leser des Gedichts Das ist gut gesagt, denn einerseits existiert die Realität, in der die Menschen tatsächlich leben, und andererseits die Scheinwelt, die Täuschung, die von der sogenannten „Bewusstseinsindustrie“ (Hans Magnus Enzensberger) als Realität präsentiert wird. Ü28 Ü29 Ü30 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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