sprachreif, Schreibkompetenztraining 2: Analytische und interpretatorische Textsorten

85 3.3 — Textinterpretation Analysieren Sie zuerst allgemeine und offensichtliche Merkmale und führen dann mehr und mehr zu jenen Merkmalen hin, die für die Interpretation entscheidend sind. Im Umgang mit der Interpretationshypothese sind zwei Muster möglich: Man entwickelt die Interpretationshypothese und schließt mit ihr ab. Oder man eröffnet (den Hauptteil) mit der Interpretationshypothese und argumentiert sie dann. 7. Text verfassen Eröffnet wird die Textinterpretation mit den üblichen Einleitungszeilen, die informieren über: Autorin oder Autor, Texttitel, Textsorte, Entstehungszeit, Quelle, Thema, unter Umständen Stoff oder Motiv. Überprüfen Sie in der Überarbeitungsphase insbesondere Ihre Hinweise zu Thema und Motiv nochmals. Im Laufe des Schreibens kann sich ergeben, dass man ein anderes Thema oder Motiv im Mittelpunkt sieht. Dies muss dann korrigiert werden. Formulieren Sie sachlich. Verwenden Sie die richtigen Wendungen (Kollokationen), Präpositionen (Der Text handelt von … Und nicht: Der Text handelt über …) und Fachbegriffe. Schreiben Sie normgerecht. Denken Sie immer an die gedankliche Gliederung. Verbinden Sie die einzelnen Ausführungen mit entsprechenden Konjunktionen und Verweiswörtern. Beobachten Sie beim Schreiben Ihre Satzmuster: Setzen Sie je nach Wirkung kürzere und längere Sätze ein. Beachten Sie den Grundsatz: Ein Gedanke – ein Satz. Vermeiden Sie unübersichtliche Satzkonstruktionen, z. B. die meist grammatikalisch unkorrekt endenden „dass wenn“-Sätze. Achten Sie auf die Verhältnismäßigkeit der einzelnen Teile Ihrer Arbeit: Wenn mit dem ersten Operator eine Zusammenfassung des Textes gefordert ist, dann geht es hier nicht um eine klassische Inhaltsangabe oder um die Textsorte Zusammenfassung, sondern wirklich um eine knappe Information. Bauen Sie Zitate zielführend und korrekt ein (siehe unten). 8. Geschriebenen Text überarbeiten 1. Durchgang In Prüfungssituationen ist eine radikale Überarbeitung kaum leistbar. Das UWE-Muster (Umstellen – Weglassen – Ergänzen) ist in einigen Fällen aber dennoch möglich: — Umstellen: Einzelne Absätze lassen sich auch am Schluss noch verschieben. Aber achten Sie dabei, ob die Anschlüsse und Verweise noch stimmen! — Weglassen: Streichen Sie Überflüssiges oder bereits einmal Gesagtes, wenn die Wiederholung keine Funktion hat. — Ergänzen: Gedankliche, logische, informative, sprachliche Lücken müssen ausgefüllt werden. 2. Durchgang Überprüfen Sie die Angemessenheit des Wortschatzes. Korrigieren Sie unpassende Begriffe, umgangssprachlichen Ausdruck, schiefe Wendungen, unkorrekte Präpositionen. 3. Durchgang Konzentrieren Sie sich auf die normative Sprachrichtigkeit: Rechtschreibung, Grammatik. Wenn Sie unter Zeitdruck geraten, absolvieren Sie auf jeden Fall Durchgang 2 und 3! Der Umgang mit Zitaten Analysen und Interpretationshypothesen müssen Sie mit Stellen aus dem Text belegen. Das heißt, Sie müssen Ihre Aussagen mit Hinweisen auf den Text abstützen. Der genaueste Beleg erfolgt durch die Anführung von Zitaten. Beachten Sie dabei folgende Regeln: Korrekt zitieren — Zitate müssen dem Original entsprechen und in Anführungszeichen gesetzt werden: Der kurze Prosatext beginnt mit einem einfachen Satz, der die Figur, ihre Handlung und den Ort umfasst: „Ida sitzt kaugummikauend vor der Waschmaschine.“ In diesem Fall wird ein ganzer Satz zitiert, er endet mit einem Punkt. Der Punkt wird daher mitzitiert und der gesamte Satz, bestehend aus dem eigenen Satz und dem zitierten Satz, benötigt keinen weiteren Punkt. Dies entspricht ganz der Zeichensetzung der direkten Rede. Sie sagte: „Ich habe den Roman ausgelesen.“ Goethe beginnt sein Gedicht mit einem schlichten Hauptsatz: „Es war ein König in Thule“. In diesem Fall weist der zitierte Satz keinen Punkt auf. Der Punkt wird daher nach dem zitierten Satz gesetzt. TIPP TIPP TIPP Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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