46 3.2 — Die Textanalyse Der Unterschied zum literarischen Text ist augenfällig: Der Sachtext enthält wesentlich mehr Begriffe, die ein semantisches Feld bilden (im konkreten Beispiel zwei semantische Felder: „Handel“ und „geografische Angaben“, markiert mithilfe der Farben Gelb und Grün). Das ist deswegen verständlich, weil der Sachtext einen Sachverhalt klar und knapp darstellen soll. Suchen Sie im Beginn von Nils Mohls Roman „Es war einmal Indianerland“ nach semantischen Feldern. Markieren Sie diese mit unterschiedlichen Farben. Ziehen Sie aus dem Ergebnis Rückschlüsse auf das Thema, das darin angesprochen wird. Nils Mohl: Indianerland (2012) (Beginn) zurück: Sonntag, noch acht Tage Ferien Tropfensalven wühlen das brackige Wasser des Flusses auf. Je länger man schaut, desto schaumiger und unruhiger wirkt die Oberfläche. Ein wildes Brodeln. Reinste Weltuntergangsstimmung. Da lässt sich nicht schönreden: – Hunde und Katzen, sage ich. Es puckert und klopft in einer Tour gegen den Schirm meiner Mütze. Ich ziehe sie tiefer in die Stirn. Rücke mit dem Hintern auf dem durchnässten Sand näher an das von mir gebuddelte Loch heran. Die Bandagen an meinen Händen erinnern an Kleidungsstücke, die man ungeschleudert aus der Waschmaschine holt. – Die kommen nicht mehr, höre ich Mauser sagen. Seine Stimme: weit weg und undeutlich (wie die hallenden Worte eines Predigers in einer halbleeren Kirche). Selbst meine eigene Stimme klingt im Kopf seltsam hohl wegen des Geprassels. – Ja, es schütte Dobermänner und Säbelzahntiger, sage ich. Baggere eine Handvoll Matsch an die Oberfläche. Mein Arm schwenkt aus: Das Zeug tropft auf die Zinne der Tropfburg. Mauser: – Die Sache ist ein Flop, ein Fiasko, eine Honigdusche im Bärenzwinger. – Dusche ja, Honig nein, sage ich. Beschirme mit der Hand die Augen, spähe flussaufwärts. Der Strand, die Promenade: menschenleer. Das Einzige, was sich im Moment bewegt, sind die struppigen Büsche vor der Flutschutzwand. Ihre Ästchen: winkende Arme (wie die von Zuschauern beim Rodeo). Mauser: – Und dafür fährt man jetzt durch die ganze Stadt, einmal von der einen zur anderen Seite. – Dafür natürlich nicht. Ich schnippe mit dem Nagel des Zeigefingers gegen eine Tropfburgzinne, schaue den auseinanderstiebenden Sandteilchen beim Auseinanderstieben zu. Wende mich um. Linse im Sitzen über die Schulter. Zum x-ten Mal der Kontrollblick zur Treppe. Vom Strand führt sie vorbei an Ziergärtchen und schmucken Häuschen mit verwaisten Hochterrassen den grünen Hang hinauf. Ein verschwommenes Bild (wie frisch hingetuscht mit zu viel Wasser). Nichts. Quelle: Nils Mohl: Es war einmal Indianerland. Hamburg: rororo 32012, S. 13–14. Analysekriterien für Epik, Lyrik und Dramatik1 Sie finden auf den Seiten 46 bis 51 Fachbegriffe zur Analyse epischer, dramatischer und lyrischer Texte. Diese werden im Kapitel zur Interpretation teilweise wieder aufgegriffen. Die Grenzen zwischen der Analyse und Interpretation dichterischer Texte sind fließend. Als stark vereinfachende Unterscheidung kann gelten, dass im Rahmen einer Analyse der Aufbau und die sprachlichen Auffälligkeiten des Textes behandelt werden, während die Interpretation, darauf aufbauend, seine Deutung verfolgt. Die angeführten Fachbegriffe erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Bringen Sie möglichst oft die formalen, sprachlichen und inhaltlichen Auffälligkeiten eines Textes in Beziehung zueinander! Epische Texte Erzähler, Erzähltes und Zuhörer/in sind die drei Grundgrößen, die die Erzählsituation bestimmen. Ganz entscheidend ist dabei, dass Sie zwischen Autorin/Autor und Erzähler unterscheiden. Die Erzählerfigur ist eine Schöpfung der Autorin/des Autors und dient als Vermittlerin der zu erzählenden Geschichte. Eine grundsätzliche Gleichsetzung von Autorin/Autor und Erzähler hätte teilweise verheerende Konsequenzen: Stellen Sie sich vor, der Ich-Erzähler wäre in Gefahr. Sie müssten sofort handeln, wenn Sie nicht zulassen wollten, dass ihm etwas zustößt. In einigen Fällen ist die Gleichsetzung angebracht – etwa dann, wenn eine Autorin/ein Autor die eigene Lebensgeschichte zu Papier bringt und von sich in der ersten Person erzählt. Das Material, auf das die Autorin/der Autor gegebenenfalls zurückgreift, bezeichnet man als Stoff. Daraus entsteht durch die dichterische Bearbeitung eine Geschichte, in der eine Reihe von Einzelereignissen verknüpft werden. Diese können zeitlich oder nach logischen Gesichtspunkten miteinander verbunden sein. Die Geschichte weist ein Thema auf. Damit ist der Leitgedanke des Textes gemeint, auf den man kommt, wenn man den Inhalt in der knappsten Form wiedergibt. Das Thema setzt sich aus mehreren Teilthemen zusammen. Ü4 3.2.5 – 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34 36 38 40 42 44 1 Die Ausführungen zu den Analysekriterien für die drei literarischen Gattungen orientieren sich an: Swantje Ehlers: Studienbuch zur Analyse und Didaktik literarischer Texte. Hohengehren: Schneider 2010. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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