96 S. 71: Ü 12 „Der König in Thule“ erzählt eine Geschichte. „Das zerbrochene Ringlein“ erzählt zumindest eine Vorgeschichte. Im Gedicht „Verzeihung“ kann die Vorgeschichte nur indirekt erschlossen werden. Inhalt von „Der König in Thule“: Der König erhält von seiner sterbenden Geliebten einen goldenen Becher. Bei jedem Mahl trinkt er daraus und weint dabei um die Geliebte. Als er selbst sterben muss, vererbt er all seine Besitztümer, nur den goldenen Becher wirft er nach seinem letzten Schluck ins Meer. S. 72: Ü 14 Das lyrische Ich in Eichendorffs Gedicht betrauert, dass es vom (Ehe-?)Partner verlassen wurde. Das lyrische Ich in Hahns Gedicht zieht Bilanz, nachdem es vom Partner verlassen wurde bzw. ihn verlassen hat. S. 73: Ü 15 Symbole: goldener Becher als Symbol für ewige Treue; „Er leert‘ ihn jeden Schmaus“: Beständigkeit; „Und warf den heiligen Becher / Hinunter in die Flut“: So wie die Liebenden sterben, wird auch der Becher „begraben“. Symbolik der 3. Strophe: Nichts ist so wertvoll wie die Liebe. Sprachliche Bilder in Eichendorffs Gedicht: Während der Ring als Symbol für die Treue zerbrochen ist, geht das Leben weiter (Mühlrad); Gefühl des lyrischen Ich in der 4. Strophe: das lyrische Ich kann seine Verzweiflung eventuell als Künstler (Spielmann) verarbeiten oder sich in seiner Verzweiflung in Kriegsgeschehnisse stürzen, wo die Liebesglut durch Blut und Feuer der Schlacht übertönt wird. Wirklich zum Stillstand kommen kann der Liebesschmerz aber nur durch den Tod. S. 74: Ü 16 In der ersten Strophe erinnert das Mühlrad an die Geliebte, in der letzten Strophe erträgt das lyrische Ich diese Situation nicht mehr; in der ersten Zeile der vierten Strophe ist das Geräusch des Mühlrads („geht“) unerträglich, die letzte Zeile wird durch das Wort „still“ abgeschlossen. Der kühle Grund der ersten Strophe kann in der letzten Strophe mit einem Grab assoziiert werden. Die Reimwörter sind durch Gegensätze geprägt: versprochen – gebrochen; Ring dabei – Ring sprang entzwei; liegen – fliegen; Schlacht – Nacht; will – still! Ü 17 „Der König in Thule“: sechs Strophen. Die Zeilen 14, 16, 22 und 24 weisen den gleichen Reim auf. Jede Strophe ist in Form des Kreuzreims gestaltet, wobei a immer weiblich, b immer männlich endet. Das jambische Versmaß wird in den Zeilen 1, 7, 19, 23 und 24 durchbrochen – in diesen Zeilen findet sich eine zusätzlich unbetonte Silbe. Dominanz des Zeilenstils. Die Assonanzen mittels t-Laut unterstreichen das Thema des Todes. Kein explizites lyrisches Ich. „Das zerbrochene Ringlein“: umfasst fünf gleich lange Strophen. Die Form des Gedichts ist regelmäßig. Es besteht aus fünf Strophen zu je vier Verszeilen mit jeweils drei Hebungen. Jede Strophe ist in Form des Kreuzreims gestaltet, wobei a immer weiblich, b immer männlich endet. Das Gedicht verwendet durchgängig den Jambus. Dominanz des Zeilenstils. „Verzeihung“: setzt sich aus drei unterschiedlich langen Strophen zusammen. Die fünfzeilige Strophe wird durch eine Verszeile abgeschlossen, die aus einem einzigen Wort besteht. Das Gedicht ist durch Enjambements geprägt. Mit dem ersten Wort tritt das lyrische Ich explizit ins Gedicht. Das lyrische Ich wendet sich an ein Du. Jede Strophe wird mit der anaphorischen Formel „Ich verzeihe mir“ eingeleitet. S. 75: Ü 18 Assonanzen im Gedicht „Das zerbrochene Ringlein“: 1. Strophe d, 2. Strophe: r, 3. Strophe: w, s, 4. Strophe: f, sch, 5. Strophe: w. Ü 19 Wiederholungen: „ich“, „ich verzeihe mir“, „jede“, „will“; Gegensätze: „entfernte“ – „näherte“, „was ich will“ – „was ich nicht will“, „was ich will“ – „was ich nicht will“. In der zweiten Zeile wird zuerst die Zeit, dann die Kommunikation, dann der Partner selbst angeführt. Die zweite Strophe kann so interpretiert werden, dass sich das lyrische Ich selbst belogen und getäuscht hat. Insgesamt verzeiht das lyrische Ich sich selbst, dass es sich mit dem Ex-Geliebten eingelassen hat, dass das Leben aus Selbsttäuschung bestanden hat, und freut sich abschließend darüber, dass nun wieder ein selbstbestimmtes Leben beginnen kann: „Ich lebe“. Ü 20 Auch „Das zerbrochene Ringlein“ zeigt das lyrische Ich als Jemanden, der nicht zur Ruhe findet und unter unerfüllter Sehnsucht leidet. S. 76: Ü 21 Sowohl Goethes wie Eichendorffs Gedicht handelt von Treue. In Eichendorffs und Hahns Gedicht geht es um das Ende einer Liebesbeziehung, über die das lyrische Ich räsoniert. S. 79: Ü 22 Figuren werden durch ihre Handlungsweise und ihre Sprache charakterisiert. Insbesondere die Denkweise Hillers wird offensichtlich. Auch die Soldaten unterhalten sich über Hillers Handlungsweise. Die Beziehung zwischen den Figuren ist erzwungen. Kommunikation ist nicht symmetrisch. Es liegen Interessensgegensätze vor. Historisch-politische Situation wird widergespiegelt. Der Autor Karl Kraus hat eine Botschaft. S. 87: Ü 23 Dass der Platz vor der Waschmaschine dann leer bliebe, unterstreicht die Erzählerin durch die zweimalige Satzeinleitung „Niemand würde […]“. Dass Idas Freund wohl keinen Kontakt zu ihren Eltern hat oder von diesen sogar abgelehnt wird, zeigt die lakonische Vermutung „Der Freund würde sowieso nicht mehr kommen.“ Nur das Partizip „kaugummikauend“ wird durch ein anderes Partizip ersetzt, nämlich „zigarettenrauchend“. Der vollständige Satz lautet: „Ich verzeihe mir / jede Sekunde die ich / um dich geweint“. S. 89: Ü 24 Kurz gesagt geht es in den vier Strophen jeweils um die Lebensthemen 1. Hoffnung, 2. Ziele, 3. Wünsche, 4. Träume. Ausformuliert sind folgende Zusammenfassungen möglich: 1. Strophe: Die Menschen werden aufgefordert, ihre Hoffnungen (ans Leben) durch Glücksbringer und anderen „Kleinkram“ (Z. 2) zu befriedigen und sich durch Äußerlichkeiten täuschen zu lassen. 2. Strophe: Sie werden aufgefordert, nach dem Glanz des Reichtums zu streben, auch wenn das mit unlauteren Mitteln geschieht. 3. Strophe: Fordert auf, sich durch Medien, Werbung und äußere Ideale täuschen zu lassen. 4. Strophe: Seine Wünsche soll man an medial verbreiteten Sehnsüchte von Liebe und Urlaub ausrichten und dabei entstehende Schmerzen betäuben. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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