Treffpunkt Deutsch 4 - Deutsch Sprachlehre, Schulbuch

Lies die Reportage „Ein Ort zum Ankommen“. Markiere recherchierte Hintergrundinformationen (inklusive Interviews) und persönliche Eindrücke der Reporterin oder des Reporters in unterschiedlichen Farben. Ein Ort zum Ankommen Die Caritas schafft mit ihren JUCA-Einrichtungen eine Anlaufstelle für junge Erwachsene ohne festen Wohnsitz. Wegen der hohen Inflation ist der Bedarf derzeit besonders groß. Beim Betreten des Raumes läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Der Duft nach frisch angebratenen Zwiebeln steigt einem in die Nase und im Backrohr bräunen drei Strudel. Am Herd zischt und brodelt es. Fünf junge Erwachsene bewegen sich geschäftig durch die Küche. Sie arbeiten in der „JuCantine“, einer Lernküche für junge obdachlose Erwachsene. Dort können sie sich etwas dazuverdienen. Fast zu 100 Prozent ausgelastet Die „JuCantine“ ist ein Beschäftigungsangebot des JUCA, einer Einrichtung für junge wohnungslose Menschen der Caritas Wien. Das JUCA bietet insgesamt 95 jungen Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 27 Jahren eine Wohnmöglichkeit, entweder im Haus oder in Wohngemeinschaften in Wien verteilt. Laut Statistik Austria werden wohnungs- bzw. obdachlose Menschen stetig jünger. Von rund 20 000 Betroffenen ist etwa ein Drittel unter 30 Jahre alt. Derzeit ist die Nachfrage aufgrund der hohen Inflation besonders hoch. Gerade junge Leute können sich die immer teurer werdenden Wohnungen oft trotz Arbeit nicht leisten (working poor heißt dieses Phänomen, Anm.). Die JUCA-Einrichtungen sind deshalb meist zu 100 Prozent ausgelastet. Philipp wohnt seit einem halben Jahr im JUCA im 16. Bezirk. Davor schlief er im Freien, auf der Donauinsel und beim Museumsquartier. Zu Hause habe es einfach nicht mehr gepasst: „Mit meinen Eltern habe ich mich sehr viel gestritten. Das hat sich immer mehr hochgeschaukelt, bis ich rausgeflogen bin.“ Im JUCA gefällt es dem 21-Jährigen sehr gut. „Es gibt keine Streitereien und niemand geht mir auf die Nerven. Das ist recht angenehm“, sagt er lachend, während er mit einer Gabel kontrolliert, ob der Gugelhupf schon fertig ist. Man merkt seine Freude an der Arbeit. Vom JUCA habe er durch einen Freund erfahren: „Ich bin hergekommen und hab’ sofort ein Zimmer gekriegt.“ Die Idee hinter dem JUCA ist, dass junge Menschen in Krisensituationen einen Ort zum Ankommen, Ausruhen und Stabilisieren vorfinden. Dafür sorgen zum einen Angebote wie die „JuCantine“, aber auch Freizeitmöglichkeiten wie gemeinsame Ausflüge, Tischtennistische, Wuzzler et cetera. Zum anderen ist ein gut ausgebildetes Betreuungsteam vor Ort. JUCA-Leiterin Maresi Kienzer erklärt, worauf es ankommt: „Es muss im Fokus stehen, dass man wirklich Interesse daran hat, mit jungen Menschen zu arbeiten, und man muss schon einiges aushalten können.“ Auch Caro hat im JUCA Unterschlupf gefunden. Nachdem sie von ihrer Mutter hinausge1 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 Live dabei – eine Reportage verfassen 54 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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