Innere Monologe untersuchen und schreiben Lies die Kurzgeschichte „Es gibt da eine kleine Ente“ von Doris Dörrie und fasse mündlich kurz zusammen, mit welchem Trick Arkardij die Flucht gelingt. Doris Dörrie: Es gibt da eine kleine Ente Die beiden Polizisten glotzten ihn an wie zwei Wolgakarpfen. „Ich würde mich gern im ‚Palmengarten‘ von jemandem verabschieden“, brachte Arkardij nur stotternd heraus, als sei es ihm peinlich, „es gibt da eine kleine Ente. Ich habe sie gerettet. An meinem ersten Tag in Frankfurt. Sie war noch ein Küken und hatte einen gebrochenen Flügel. Unter meinem Mantel habe ich sie rausgeschmuggelt, mit Brot gefüttert und gepflegt, bis sie wieder gesund war. Und dann habe ich sie zurückgebracht. Sie heißt Durak …“ Seine Augen fingen an zu glänzen. Dafür brauchte er nur die beiden Wörter „nie wieder“ zu denken. Sie reichten aus, um ihm das Wasser in die Augen zu treiben. Nie wieder Marianne. Nie wieder Handkäs mit Musik. Nie wieder der warme Kaufhof an der Hauptwache im Winter. „O Gott“, stöhnte der Polizist, der fuhr. „Die verfluchte russische Seele“, sagte der andere, „und außerdem hat der ,Palmengarten‘ längst geschlossen.“ Arkardij spürte, wie das Wasser aus seinem linken Auge hervorquoll und in einer dicken Träne langsam die Wange hinunterrann. Er wandte sein Gesicht zum Fenster in den Neonschein der Straßenbeleuchtung wie Greta Garbo ins Scheinwerferlicht. Der Fahrer drehte sich nach ihm um. „Wo fährst du denn hin?“, blökte der andere Polizist. „Mein Gott, es ist schließlich Weihnachten“, erwiderte der Fahrer. Es war stockdunkel im ‚Palmengarten‘. Der Polizist, der gefahren war, hielt Arkardij wie ein Kind fest an der Hand, während der andere laut vor sich hin schimpfte und damit drohte, eine Dienstaufsichtsbeschwerde einzulegen. Auf dem runden Teich in der Mitte des Parks dümpelten ein paar Enten vor sich hin. „Durak, Durak“, rief Arkardij und gab piepende Laute von sich. Die Enten sahen ihn gleichgültig an. „Und? Welche ist es?“, fragte der Polizist, der Arkardijs Hand fest umklammert hielt, streng. Arkardij zeigte auf die nächstbeste. „Komm her, du blödes Vieh“, murmelte er auf Russisch, „komm her und rette mich. Verdammt. Jetzt komm schon!“ Die Ente legte den Kopf schief. „Du sollst deinen Entenarsch hierher bewegen!“, flehte Arkardij. Die Ente rührte sich nicht. „Du lädst ewige Schuld auf dich“, rief Arkardij wütend. „Du wirst als Weihnachtsente der Gojim1 enden!“ Das hatte gesessen. Die Ente setzte sich in Bewegung, schwamm geradewegs auf Arkardij zu und wühlte ihren Schnabel in seine Hand. „Sie hat Hunger, die Arme“, sagte er auf Deutsch, „hat einer von Ihnen vielleicht ein bisschen Brot dabei?“ „Nur ’ne Apfeltasche“, sagte der Polizist, ließ Arkardijs Hand los und wühlte in seiner Jacke. Arkardij federte ein-, zweimal auf den Zehenspitzen, bevor er losrannte. Quer über die Wiese, am Steingarten vorbei […]. Die Hecke, die Hecke, da war sie. Ja, er war richtig, dort musste es sein, die kalte Luft stach in seine Lungen wie Stecknadeln, er hörte die beiden Polizisten hinter sich hecheln, mit den Händen riss er den Stacheldraht beiseite, zwängte sich durch das Loch, und erst als er den sicheren Asphalt der Straße unter den Füßen hatte, lachte er im Laufen laut auf. Durak, lachte er, das heißt auf Deutsch „Dummkopf“. 1 Mehrzahl von jiddisch Goj „Nichtjude“ Quelle: D. Dörrie: Kurz und bündig. Die schnellsten Geschichten der Welt. Hrsg. von Daniel Kampa. Diogenes 2007 Nenne Gründe, aus denen sich der eine Polizist darauf einlässt, Arkardij seinen Wunsch zu erfüllen. Schreibe in dein Heft. 1 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34 2 N 3 Einen inneren Monolog planen und verfassen 57 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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