Treffpunkt Deutsch 4 - Deutsch Sprachlehre, Leseheft

44 Himmelhochjauchzend gedankenvertieft – Gedichte interpretieren Wovon handeln die vier Gedichte? Kannst du sie auch auf dich beziehen? Sprich mit deiner Sitznachbarin bzw. deinem Sitznachbarn darüber. Macht euch Notizen zu euren eigenen Erfahrungen und Gefühlen. 1 B N Robert Walser (1878–1956) Alles grün Die Wiesen ziehen leis das sanfte Grün mit fort und führen wieder her das Grün, bald ist es nah bald ist es wieder weit, so weit, daß sich in mir die Angst, die Sehnsucht regt. Und Sehnsucht ist doch tot und Bangen ist doch tot. Die Wiesen ziehen leis die tote Angst heraus aus meinem Herzen, dann wird wieder alles still. Und alle Welt seh ich mit schönen Wiesen voll. Ich mag auch schaun, wohin, mit grünen Wiesen voll und nur mit Grün, mit Grün, das treulich stille hält, ist voll die ganze Welt. 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 Ernst Jandl (1925–2005) menschenfleiß ein faulsein ist nicht lesen kein buch ist nicht lesen keine zeitung ist überhaupt nicht kein lesen ein faulsein ist nicht lernen kein lesen und schreiben ist nicht lernen kein rechnen ist überhaupt nicht kein lernen ein faulsein ist nicht rühren keinen finger ist nicht tun keinen handgriff ist überhaupt nicht kein arbeiten ein faulsein solang mund geht auf und zu solang luft geht aus und ein ist überhaupt nicht 2 4 6 8 10 12 14 16 Theodor Fontane (1819–1898) Spätherbst Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün, Reseden und Astern sind im Verblühn, Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht, Der Herbst ist da, das Jahr wird spät. Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht – Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt! Banne die Sorge, genieße, was frommt, Eh’ Stille, Schnee und Winter kommt. 2 4 6 8 Joachim Ringelnatz (1883–1934) Blues Wenn du nicht froh kannst denken, Obwohl nichts Hartes dich bedrückt, Sollst du ein Blümchen verschenken, Aufs Geratewohl von dir gepflückt. Irgendein staubiger, gelber, – Sei’s Hahnenfuß – vom Wegesrand. Und schenke das Blümchen dir selber Aus linker Hand an die rechte Hand. Und mache dir eine Verbeugung Im Spiegel und sage: „Du, Ich bin der Überzeugung, Dir setzt man einzig schrecklich zu. Wie wär’s, wenn du jetzt mal sachlich Fleißig einfach arbeiten tätst? Später prahle nicht und jetzt lach nicht, Daß du nicht in Übermut gerätst.“ 2 4 6 8 10 12 14 16 Vergleicht in Gruppen die vier Gedichte hinsichtlich ihrer Form, ihres Aufbaus, des Reimschemas und des Inhalts. Legt eine Tabelle im Heft an. 2 N C Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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