109 Außenpolitik Im Selbstverständnis der Regierung Putins sowie in weiten Teilen der Bevölkerung ist Russland immer noch eine Großmacht. Als Grundvoraussetzung gilt dabei die Kontrolle über eine Einflusssphäre, in der Russland die Führungsrolle einnehmen kann. Als solche Sphäre wird der postsowjetische Raum beansprucht (die ehemaligen Sowjetstaaten vom Baltikum bis nach Zentralasien). Neben Regionen des Kaukasus wurde die Ukraine ab 2014 zu einem zweiten Konfliktfeld. Der Konflikt brach kurz nach der sogenannten Maidan-Revolution (Winter 2013/2014) und dem damit verbundenen Sturz des prorussischen ukrainischen Präsidenten Janukowitsch aus. Die neue Regierung in Kiew strebte weiterhin eine wirtschaftliche Bindung an die EU an und unterzeichnete ein Assoziierungsabkommen. Im Februar 2014 besetzten russische Spezialeinheiten die zur Ukraine gehörige Halbinsel Krim. Schließlich annektierte Russland völkerrechtswidrig die Krim. Russischer Angriffskrieg gegen die Ukraine Im Osten der Ukraine fanden zwischen 2014 und 2022 heftige Kämpfe mit vielen tausenden Toten zwischen den regulären ukrainischen Truppen und prorussischen Kämpfern statt. Trotz zweier Abkommen, die neben Russland und der Ukraine auch von Deutschland und Frankreich unterzeichnet wurden („Minsker Abkommen“, 2014/15), kam es weder zu einem Waffenstillstand noch zu einem Friedensschluss. Am 21. Februar 2022 erkannte Putin die östlichen Provinzen Luhansk und Donezk als unabhängig an. Am 24. Februar 2022 marschierten russische Truppen völkerrechtswidrig in der Ukraine ein. Reaktionen auf den Krieg in der Ukraine Die EU, die G7 und viele Länder auf der ganzen Welt haben als Folge der russischen Invasion in der Ukraine umfangreiche Sanktionen gegen Russland erlassen. Die Importsanktionen umgeht Russland jedoch über sogenannte Schattenfirmen. Das sind Unternehmen mit komplexen, undurchschaubaren Strukturen, die über bestimmte Drittländer von Sanktionen belegte Waren importieren. Da in den Drittländern Finanztransaktionen geheim und wenig reguliert sind, können die Unternehmen nicht verfolgt werden. Um die Exportsanktionen zu umgehen, baute Russland unter anderem eine Schattenflotte auf. Das sind hunderte meist alte Schiffe, die vor allem russisches Rohöl und Ölprodukte in Milliardenhöhe transportieren, aber unter einer anderen Flagge fahren. Da sie kaum gewartet werden, stellen sie auch eine große Gefahr für die Umwelt dar. Während das Verhältnis Russlands zu westlichen Akteuren durch Konfrontation geprägt ist, intensivieren sich die Beziehungen Russlands zum strategischen Partner China. Eine auffällige Entwicklung ist das wachsende Interesse Russlands an Afrika. So ist das sogenannte „Afrikakorps“ (eine Sondereinheit der russischen Armee mit vielen Söldnern) in verschiedenen Ländern Afrikas anwesend. Auch Waffen werden in einige afrikanische Staaten exportiert. M3: Verfolgte Oppositionelle (Auswahl) in Russland (Stand: 2024) Jetzt bist du dran: 1. Arbeite mithilfe der Karte M1 die Veränderungen nach dem Zerfall der UdSSR heraus. Erläutere die Folgen für Russlands Stellung in der Welt. 2. Ermittle anhand von M2, welche Grund- und Menschenrechte vom russischen Staat verletzt werden. 3. Recherchiere zu einer der Personen in M3 die Biografie und die Gründe für deren Verfolgung. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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