120 KOMPETENZTRAINING Mögliche Gründe für vorgeschlagene Orientierungsangebote in Darstellungen der Vergangenheit herausarbeiten Mit dieser historischen Orientierungskompetenz erweiterst du dein Verständnis für die verschiedenen Aspekte eines historischen Themas, indem du die unterschiedlichen Perspektiven in Darstellungen zum Thema einnimmst. In den folgenden Arbeitsaufgaben übst du, Gründe für vorgeschlagene Orientierungsangebote oder ihnen zugrundeliegende Ansichten zu erkennen und herauszuarbeiten. Gründe für vorgeschlagene Orientierungsangebote herausarbeiten – so gehst du vor: − Betrachte oder lies die Darstellung genau. − Benenne die Fragen oder Probleme, die der Darstellung zugrunde liegen. − Recherchiere, wenn möglich, Informationen über die Urheber/innen oder Herausgeber/innen. − Arbeite unterschiedliche Orientierungsangebote und Sichtweisen heraus. Untersuche dabei die mutmaßlichen Absichten und Ansichten, die sich aus der Darstellung und aus den Informationen zur Urheberin bzw. zum Urheber ableiten lassen. − Stelle die erarbeiteten Orientierungsangebote der Darstellungen zum Thema einander gegenüber. Journalist Jan Schneider über die Frage: Wieso funktioniert die Migrationspolitik der EU nicht? Um diese Frage zu beantworten, lohnt es sich, Migrationspolitik als das zu betrachten, was sie ist: Ein Mittel, um die Folgen anderer Krisen zu lindern. Flüchtlingsbewegungen entstehen nicht einfach so, sondern sind das Resultat von Katastrophen, Politikversagen oder anderer widriger Umstände in den Herkunftsländern der Migranten. Um daran etwas zu ändern, müsste sich „das große Ganze“ verändern, meint Victoria Rietig, Leiterin des Migrationsprogramms bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik: „Die Menschheit müsste aufhören, Kriege zu führen und der Planet aufhören zu verbrennen, Stichwort Klimawandel. Das würde die Migrationsströme sehr stark verringern.“ […] Da das jedoch von der Realität meilenweit entfernt ist, versucht Migrationspolitik, die Symptome der weltweiten Krisen beherrschbar zu machen – und das klappt leider immer schlechter. M1: Schneider: Die Teufelskreise der Migrationspolitik, 20.09.2023. Online auf: www.zdf.de (1.10.2024). Abschieben oder aufnehmen? Österreich zwischen Asyl und Zuwanderung Parlamentsfraktionen diskutierten über die Asylpolitik der EU und die Frage, ob Österreich ein Einwanderungsland ist. […] Österreich sei kein Einwanderungsland und solle auch keines sein, so FPÖ-Bereichssprecher für innere Angelegenheiten Hannes Amesbauer. Österreich sei jedoch 3.5 Gründe für vorgeschlagene Orientierungsangebote herausarbeiten: Migration in die EU und nach Österreich Migration ist ein globales Phänomen, das die Menschheit schon immer begleitete. Migrantinnen und Migranten sind Menschen, die ihren eigenen Wohnort verlassen, um sich an einem anderen Ort im In- oder Ausland niederzulassen. Ausschlaggebend dafür können wirtschaftliche, politische, soziale oder ökologische Gründe sein. Eine wichtige Gruppe von Zugewanderten sind in Österreich Personen, die im Zuge der EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit ins Land kommen. Die zweite wichtige Gruppe sind Drittstaatsangehörige, also Personen, die weder EU- noch EWR-Bürger/innen sind. Diese dürfen sich befristet in Österreich aufhalten. Wenn sie jedoch länger als sechs Monate in Österreich bleiben wollen, benötigen sie einen sogenannten Aufenthaltstitel. Fachkräfte in Mangelberufen (z. B. EDV-Techniker/innen, Spengler/innen, Gesundheits- und Krankenpfleger/ innen) können eine Rot-Weiß-Rot-Karte beantragen, die 24 Monate gilt. Voraussetzung ist ein Arbeitsplatzangebot in Österreich. Personen, die in Österreich um Asyl ansuchen, werden Flüchtlinge genannt. Asylberechtigte, also anerkannte Flüchtlinge, dürfen sich in Österreich drei Jahre lang aufhalten („Asyl auf Zeit“). Wenn sich die politische Lage im Herkunftsland dann gebessert hat oder wenn sie eine Straftat begangen haben, müssen die Personen in ihr Heimatland zurückgehen. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
RkJQdWJsaXNoZXIy MTA2NTcyMQ==